Kommt die 9. Welle der Covid-19-Infektionen in Frankreich - und in Europa?

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Von Julien Pavy  & Euronews  mit AFP
In Paris auf den Champs Elysées Ende November 2022: Eine 9. Welle des Coronavirus In Frankreich?
In Paris auf den Champs Elysées Ende November 2022: Eine 9. Welle des Coronavirus In Frankreich?   -   Copyright  Lewis Joly/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Die Ankunft der Kälte in Europa kommt den Viren zugute, insbesondere der Coronavirus-Epidemie und verschiedenen Erkältungsviren.

In Frankreich haben die Gesundheitsbehörden in ihrem letzten Bericht vom Freitag mehr als 48 000 neue Fälle von Covid-19 innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 46 % innerhalb einer Woche. 

Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Frankreich derzeit bei 454, für Deutschland wird diese mit 190 angegeben. Allerdings gelten die Zahlen aus Deutschland schon lange als untererfasst. In Österreich liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 338, in der Schweiz bei 243.

Allerdings sagt die Zahl der Infizierten kaum noch etwas über die Bedeutung der Krankheit für die Gesellschaft aus. Auch in einigen deutschen Bundesländern dürfen Beschäftigte mit Covid-19 mit Maske weiter zur Arbeit.

Doch in Frankreich wird zum ersten Mal seit mehr als einem Monat ein Anstieg der Einweisungen von Covid-19-Patientinnen und -Patienten in Krankenhäuser und auf Intensivstationen verzeichnet. 

Viele Krankenhäuser sind ohnehin schon überlastet - und wegen sehr vieler am RS-Virus erkrankter Babys und Kinder gilt in vielen Kliniken der Notstand.

Kommt die dreifache Epidemie oder Tri-Epidemie?

Das Szenario des Schreckens ist die Gleichzeitigkeit von vielen schweren Fällen von Bronchiolitis (ausgelöst von RS-Virsu) bei Kleinkindern, Covid-19 und Grippe. 

Einige Expertinnen und Experten meinen, dass in Frankreich nicht genug ältere Menschen und Risikogruppen eine Booster-Impfung bekommen haben. Derzeit sollten über 60-Jährige, Schwangere, Immunsupprimierte, an Diabetes Leidende sowie Gesundheitspersonal eine  Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 bekommen. Von den 18 Millionen Betroffen sind acht Millionen zum vierten Mal geimpft.

Gibt es also eine neue Welle in Frankreich und in Europa?

Expertinnen und Experten sind in dieser Frage derzeit vorsichtig, auch wenn sich ein Trend zu bestätigen scheint: Die neue Omikron-Variante "BQ.1.1" ist schon fast dominant und einige meinen, diese könnte bis Weihnachten vielen die Festtage verderben.

Bald drei Jahre nach Beginn der Pandemie sind die Menschen, die nun in ihrer großen Mehrheit geimpft sind, heute besser gegen das Virus gewappnet. Zudem haben sich seit 2019 viele Menschen in Europa einmal oder mehrfach mit dem Coronavirus infiziert. Meist verläuft eine erneute Infektion eher mild.

Dennoch rät die französische Premierministerin Elisabeth Borne wieder zum Tragen von Masken. Diese sind auch in öffentlichen Verkehrsmitteln derzeit nicht verpflichtend, werden aber auch von vielen Medizinerinnen und Medizinern dringend empfohlen - auch um zu verhindern, dass sich Risikopatientinnen und -patienten anstecken.

Risiken nach einer Ansteckung mit Covid-19

Weiterhin gibt es einen enormen Forschungsbedarf zu den Folgen von Covid-19 - und nicht nur von Long Covid. So schreibt die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt auf Twitter: "Das Coronavirus tötet auch dann noch, wenn die Infektion überstanden ist: Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist nach Covid19 drastisch erhöht." Laut einer neuen US-Studie, die die Zeitschrift Nature veröffentlicht hat, ist das Risiko für Herzprobleme im Jahr nach der Infektion um 63 % erhöht.

Gesellschaftliche Folgen von Covid-19: Die vergessene Generation?

In Deutschland hat der Ethikrat festgestellt, dass während der Coronavirus-Pandemie nicht genug auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen geachtet wurde. 

Kinderärztinnen und -ärzte beobachten mehr Fälle von Patientinnen und Patienten mit psychischen Problemen und mit Übergewicht - z.B. weil sie zu viel Zeit zu Hause verbracht haben.

So warnt Dr. Alena Buyx davor, dass Kinder und junge Leute auch bei kommenden anderen Krisen wie Klima und Energie erneut vergessen werden.

Journalist • Kirsten Ripper