Kosovo will jetzt offiziell in die EU

Der Ministerpräsident des Kosovo, Albin Kurti, übergibt das Beitrittsgesuch an Tschechiens EU-Minister Mikuláš Bek
Der Ministerpräsident des Kosovo, Albin Kurti, übergibt das Beitrittsgesuch an Tschechiens EU-Minister Mikuláš Bek Copyright Bundas Engler/AP
Von Euronews mit DPA
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Der junge und umstrittene Balkanstaat hat offiziell Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Für die EU ist das ein Dilemma: Sie will den Balkan näher an sich binden, aber der Status des Kosovo ist ein Problem.

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Der Kosovo hat einen offiziellen Antrag auf den Beitritt zur Europäischen Union gestellt. Das Beitrittsgesuch hat der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti am Donnerstag in Prag übergeben. Tschechien hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Damit haben nun alle Länder des Westbalkans ihren Willen bekundet, Mitglied der EU zu werden.

"Wir wollen kein beschleunigtes Verfahren, keinen EU-Beitritt durch die Hintertür", so Ministerpräsident Kurti, "aber wir wollen so bald wie möglich EU-Mitglied werden. Mit diesem starken Willen und unserer Hingabe werden wir am Ende auch die Skeptiker überzeugen." Dabei ist sich Kurti bewusst, dass dem Land vor einem EU-Beitritt noch zahlreiche Reformen bevorstehen. Selbst langjährige Beitrittskandidaten schaffen das nicht in kurzer Zeit.

Die Skeptiker, von denen Kurti spricht, sind unter anderem jene EU-Mitglieder, die den Kosovo bisher nicht als Staat anerkannt haben.: Das sind Spanien, Griechenland, Rumänien, Slowakei und die Republik Zypern. Kritiker fürchten, durch die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo einen Präzedenzfall für Regionen mit sezessionistischen Bewegungen im eigenen Land zu schaffen. Und Serbien, selbst EU-Beitrittskandidat, sieht den Kosovo weiterhin als sein Territorium.

"Ich habe keine Ahnung, wie entschieden wird, ob etwas ein eigener Staat ist oder nicht", so Serbiens Präsident Aleksandar Vučić bei einem Besuch an der ungarischen Grenze. Mit einer Anspielung an Deutschland fuhr er fort: "Dann, wenn das größte Mitgliedsland der EU dieser Meinung ist? Oder wenn alle EU-Mitglieder das glauben? Oder hängt es davon ab, ob das Gebiet Mitglied der Vereinten Nationen ist?" Vučić kündigte an, die Integrität und die Interessen seines Landes mit aller Kraft zu verteidigen.

Auch Jahrzehnte nach den Kriegen auf dem Balkan sind einige Probleme dort ungelöst. Die EU-Staaten haben kein Interesse daran, sich diese Probleme in die Gemeinschaft zu holen. Aber sie haben ein Interesse daran, die Länder im Osten näher an sich zu binden – und so den Einfluss Russlands in der Nachbarschaft zu begrenzen.

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