Weltweite Kohlenstoffemissionen erreichen 2022 Rekordhoch

Kohleverbrennung hat 2022 zum Emissionsausstoß beigetragen
Kohleverbrennung hat 2022 zum Emissionsausstoß beigetragen Copyright Henning Kaiser/ dpa via AP
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Von Euronews
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Das Ende der Pandemie und der Umstieg von Gas auf Kohle haben unter anderem dazu beigetragen, dass der CO2-Ausstoß 2022 ein neues Rekordhoch erreicht haben.

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Kohlenstoffemissionen haben weltweit 2022 nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) ein neues Rekordhoch erreicht. Der Kohlenstoffdioxidausstoß, der einer der Hauptfaktoren des Klimawandels gilt, ist um 0,9 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden 36,8 Gigatonnen ausgestoßen, wobei eine Gigatonne der NASA zufolge etwa der Masse von 10.000 voll beladenen Flugzeugträgern entspricht.

Auch Extrem-Wetterereignisse haben zur Erhöhung der Kohlendioxid-Emissionen beigetragen. Dürreperioden verringerten die Wassermenge, die für die Wasserkraftnutzung zur Verfügung stand; das wiederum erhöht den Bedarf an fossilen Brennstoffen. Hitzewellen haben die Nachfrage nach Strom in die Höhe getrieben.

Ein Hauptgrund für den Anstieg war die Umstellung der Stromerzeugung von Gas auf Kohle, nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, der die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben hatte. Nach Angaben der IEA hat auch die Wiederaufnahme des Flugverkehrs nach der Lockerung der Pandemiebeschränkungen zum CO2-Anstieg beigetragen. 

Das CO2 wird freigesetzt, wenn fossile Brennstoffe wie Öl, Kohle oder Erdgas verbrannt werden, um Autos, Flugzeuge, Häuser und Fabriken anzutreiben. Wenn das Gas in die Atmosphäre gelangt, speichert es Wärme und trägt zur Erwärmung des Klimas bei.

IEA-Bericht beunruhigt Expert:innen

Der Bericht vom Donnerstag wurde von Klimawissenschaftler:innen als beunruhigend bezeichnet, die davor warnen, dass die Energieverbraucher:innen auf der ganzen Welt ihre Emissionen drastisch senken müssen, um die Folgen der globalen Erwärmung zu verlangsamen.

"Jeder Emissionsanstieg - selbst ein Prozent - ist ein Misserfolg", sagte Rob Jackson, Professor für Erdsystemwissenschaften an der Stanford University und Vorsitzender des Global Carbon Project, einer internationalen Gruppe. "Wir können uns kein Wachstum leisten. Wir können uns keinen Stillstand leisten. Für den Planeten heißt es: Kürzungen oder Chaos. Jedes Jahr mit höheren Kohleemissionen ist ein schlechtes Jahr für unsere Gesundheit und für die Erde".

Den Daten der IEA zufolge sind die weltweiten Emissionen in den meisten Jahren seit 1900 gestiegen und haben sich im Laufe der Zeit beschleunigt. Eine Ausnahme bildete das Pandemiejahr 2020, in dem der Reiseverkehr nahezu zum Erliegen kam.

Experten haben höheren Anstieg erwartet

Das Emissionsniveau des vergangenen Jahres war zwar rekordverdächtig, aber dennoch niedriger als von Experten erwartet. Der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien, Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen trug laut IEA dazu bei, zusätzliche 550 Megatonnen Kohlendioxidemissionen zu vermeiden.

Strenge Pandemie-Maßnahmen und ein schwaches Wirtschaftswachstum in China drosselten ebenfalls die Produktion und trugen dazu bei, die Gesamtemissionen weltweit zu begrenzen. Und in Europa, so die IEA, übertraf die Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie zum ersten Mal die aus Gas oder Kernkraft.

"Ohne saubere Energie wäre der Anstieg der CO2-Emissionen fast dreimal so hoch gewesen", sagte Fatih Birol, der Direktor der IEA, in einer Erklärung.

Wie wahrscheinlich ist eine Umkehrung des aktuellen Trends?

Obwohl die Emissionen weiterhin in besorgniserregendem Ausmaß ansteigen, ist eine Umkehrung der Entwicklung möglich, die dazu beitragen würde, die Klimaziele zu erreichen, zu denen sich die Nationen verpflichtet haben, so John Sterman, Direktor der Massachusetts Institute of Technology Sloan Sustainability Initiative.

John Sterman, Direktor des Massachusetts Institute of Technology Sloan Sustainability Initiative, ist der Auffassung, dass die Klimaziele der Vereinten Nationen zu erreichen seien, wenn die Staaten erneuerbare Energien subventionierten, die Energieeffizienz verbesserten, die Industrie und den Verkehr elektrifizierten, und die Preise für Kohlenstoffemissionen deutlich anheben würden. Auch ein Kohleausstieg, eine Verringerung der Abholzung und Aufforstung könnten dazu beitragen, den Trend umzukehren, argumentierte Sterman.

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