Finnland wird 31. NATO-Mitglied

NATO-Hauptquartier in Brüssel
NATO-Hauptquartier in Brüssel   -  Copyright  Virginia Mayo/ AP
Von Julika Herzog  mit dpa, AP, AFP

Nach einem nicht einmal einjährigen Beitrittsprozess - dem schnellsten bisher - wird das Land 31. Mitglied des weltgrößten Verteidigungsbündnisses.

Es ist ein historischer Schritt: mit einer feierlichen Zeremonie wird an diesem Dienstag Finnland in die Nato aufgenommen. Ein neuer Fahnenmast erwartet die finnische Flagge im NATO-Hauptquartier in Brüssel.

Schnellster Beitrittsprozess bisher- Schweden weiter blockiert

Nach einem nicht einmal einjährigen Beitrittsprozess - dem schnellsten bisher - wird das Land 31. Mitglied des weltgrößten Verteidigungsbündnisses.

Das wird ein guter Tag für die Sicherheit Finnlands, für die nordische Sicherheit und für die NATO insgesamt.
Jens Stoltenberg
NATO-Generalsekretär

Auch wenn bei den Wahlen am Wochenende Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin verloren hat, wird die NATO-Mitgliedschaft von allen politischen Parteien und somit auch der baldigen neuen Regierung im Land unterstützt.

Grund für dem gemeinsamen Antrag auf die NATO-Mitgliedschaft von Schweden und Finnland war Russlands Einmarsch in die Ukraine. Die Türkei hatte den Prozess verzögert und blockiert weiter die Aufnahme Schwedens, sie wirft dem Land vor Terrororganisationen zu unterstützen, also PKK-Mitgliedern Asyl zu gewähren.

Schlagkräftigere NATO, dank finnischer Truppen

Die NATO wird mit Finnland größer und schlagkräftiger: 

  • Das Land hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland- durch die Aufnahme wird sich die direkte Grenze zwischen der Nato und Russland mit 1350 Kilometern zusätzlich mehr als verdoppeln.
  • Anders als die meisten Mitgliedesstaaten des 1949 gegründeten Bündnisses hat Finnland seine Verteidigungsausgaben nach dem Kalten Krieg nicht gekürzt und investiert bereits jährlich zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung. Dieser wichtige Nato-Richtwert wird von Deutschland und etlichen anderen Bündnispartnern derzeit nicht erreicht.
  • Das nördlichste EU-Land verfügt ausserdem über gut ausgestattete und trainierte Streitkräfte und investiert derzeit in mehr als 60 hochmoderne Kampfjets vom Typ F-35. Die Größe der finnischen Streitkräfte wird vom IISS mit 19 000 Männern und Frauen angegeben, hinzu kommen rund 238 000 Reservisten. Für den Schutz der Landgrenzen verfügt Finnland unter anderem über etwa 100 Kampfpanzer von Typ Leopard 2A6 sowie Hunderte Artilleriegeschütze.

"Klares Zeichen für Scheitern der Politik Putins"

Russland hat bereits angekündigt, dass es seine Streitkräfte entlang der finnischen Grenze verstärken wird, falls dort NATO-Truppen stationiert werden.

Aus Sicht von Stoltenberg ist die Aufnahme Finnlands ein klares Zeichen für das Scheitern der Politik von Russlands Präsident Wladimir Putin. Putin sei mit dem erklärten Ziel in den Krieg gegen die Ukraine gezogen, in Europa weniger Nato-Präsenz zu haben und eine weitere Bündniserweiterung zu verhindern, erklärte er am Montag. Mit Finnlands Beitritt werde sich die Grenze der Nato zu Russland nun mehr als verdoppeln. Putin bekomme damit genau das Gegenteil von dem, was er wollte.

Zugleich betont die Nato, dass es für Russland keinerlei Grund gebe, sich durch die Norderweiterung bedroht zu fühlen. So widerspricht die Allianz auch Darstellungen, das Bündnis wolle Russland regelrecht einkreisen. Nach Nato-Angaben sind von der mehr als 20 000 Kilometer langen russischen Landgrenze derzeit nur 1215 Kilometer Grenze zu Nato-Staaten. Selbst wenn nun noch einmal 1340 Kilometer dazukommen, ist die gemeinsame Grenze damit vergleichsweise klein.D

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