Sudanesische Armee will Evakuierungen von Diplomaten koordinieren

Im Sudan bemühen sich westliche Staaten weiterhin darum, ihre Staatsangehörigen aus dem Bürgerkriegsland zu holen.
Im Sudan bemühen sich westliche Staaten weiterhin darum, ihre Staatsangehörigen aus dem Bürgerkriegsland zu holen. Copyright Marwan Ali/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Copyright Marwan Ali/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Von Euronews mit dpa
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopierenCopy to clipboardCopied

Der internationale Flughafen in Karthum war Ziel schweren Beschusses durch die paramilitärischen Rapid Support Forces. Zwei Transportmaschinen der spanischen Luftwaffe stehen in Dschibuti bereit, und auch die Bundeswehr trifft Vorbereitungen.

WERBUNG

Im umkämpften Sudan hat es am Samstag erstmals Hoffnung auf eine baldige Rückholung dort gestrandeter ausländischer Staatsbürger gegeben. De-facto-Präsident und Oberbefehlshaber der Armee, Abdel Fattah al-Burhan, stimmte der Evakuierung von Bürgern und diplomatischen Vertretern zu.

Ein Sprecher der Armee sagte am Samstag in einer Mitteilung, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und China würden "in den kommenden Stunden" mit der Evakuierung mithilfe von Militärtransportflugzeugen aus der Hauptstadt Khartum beginnen. Bis zum frühen Samstagabend war allerdings noch keine Evakuierung westliche Staatsbürger erfolgt. 

Die Staaten machten am Samstag zunächt keine eigenen näheren Angaben zu ihren Plänen. Anhaltende, schwere Gefechte in und um den umkämpften Flughafen in Khartum vereitelten bislang das Ausfliegen der ausländischen Staatsbürger.

RSF will ebenfalls Evakuierung erleichtern

Al-Burhan habe demnach zugesagt, die Evakuierung "zu erleichtern und zu garantieren" sowie den Ländern "die notwendige Unterstützung zu gewähren, um dies sicherzustellen". Auch die gegnerische paramilitärische RSF, die seit einer Woche offen gegen die sudanesische Armee kämpft, sagte in einer Mitteilung, sie sei "zu einer kompletten Feuerpause" während einer vereinbarten Waffenruhe bereit, um Evakuierungen zu ermöglichen. Vereinbarte Feuerpausen wurden bislang jedoch immer wieder gebrochen.

Evakuierung nach Dscheddah

Aus der östlichen Stadt Port Sudan sei bereits eine saudi-arabische Delegation evakuiert worden, sagte der Armee-Sprecher. Auch eine jordanische Delegation solle später am Samstag aus Port Sudan ausgeflogen werden. Zwischen Khartum und Port Sudan liegen knapp 850 Kilometer. Nach Angaben des saudischen Fernsehsenders Al-Arabia haben zudem fünf saudische Schiffe begonnen, 158 Staatsangehörige aus elf Ländern aus dem Sudan in den saudischen Hafen Jeddah am Roten Meer zu bringen. Laut Al-Arabia waren Saudis, Bulgaren sowie Bürger aus Katar, Kuwait und Kanada an Bord.

.

Seit Samstag vergangener Woche kämpft die Armee des nordostafrikanischen Landes gegen die einst verbündete paramilitärische Einheit RSF um die Macht. Der Flughafen in Khartum steht seit Beginn des Konflikts im Zentrum der Kampfhandlungen und ist deshalb unzugänglich. Diplomaten bemühen sich seit Tagen um eine belastbare Feuerpause für die Evakuierung.

"Nur im Sarg"

Die Arme habe die Kontrolle über alle Flughäfen im Land, außer denen in Khartum und der Stadt Njala in der Region Süd-Darfur, sagte Al-Burhan dem Sender Al-Arabia live per Telefon. Er habe weiterhin die Kontrolle über die Armee und werde seinen Rivalen und ehemaligen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo, den Anführer der Rapid Support Forces (RSF), "nur im Sarg" davonkommen lassen, so Al-Burhan.

Die US-Botschaft in Khartum teilte am Samstag mit, die anhaltenden Kämpfe und Schließung des Flughafens in der Hauptstadt machten es derzeit nicht möglich, private US-Bürger zu evakuieren. Die Botschaft beobachte weiterhin genau die Situation in Khartum und den umliegenden Gebieten, hieß es in einer Mitteilung. Abgesehen von Gefechten gebe es aktuell Berichte über Überfälle, das Eindringen in Häuser und Plünderungen.

AP Photo
Zehntausende Sudanesen sind vor den Gefechten geflohenAP Photo

Auch Deutschland will seine Staatsangehörige herausholen

Zudem habe die Botschaft "unvollständige Informationen" über Konvois erhalten, die von Khartum in Richtung Port Sudan unterwegs seien, hieß es weiter. Die Botschaft sei nicht in der Lage, Konvois zu unterstützen. Eine Mitreise erfolge daher auf eigene Gefahr. 

Derweil trifft die Bundeswehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums Vorbereitungen für einen neuen Anlauf zur Evakuierung deutscher Staatsbürger. Am Mittwoch war der Versuch einer diplomatischen Evakuierung mit Maschinen der Luftwaffe, aber ohne größeren Einsatz von Soldaten, abgebrochen worden.

Auch Sudanesen versuchen, den Kämpfen zu entfliehen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind in vergangenen Tagen bereits bis zu 20 000 Menschen in den benachbarten Tschad geflohen. Tausende weitere Menschen seien innerhalb des Landes aus stark umkämpften

Hintergrund: Was sind die RSF?

Lange standen die berüchtigten Schnellen Einsatztruppen (Rapid Support Forces, RSF) eng mit dem sudanesischen Militär in Verbindung. Nach dem gemeinsamen Putsch von Streitkräften und RSF gegen Sudans Langzeitmachthaber Omar al-Baschir im April 2019 wurde RSF-Chef Mohammed Hamdan Daglo zum zweiten Mann im regierenden Militärrat hinter Oberbefehlshaber Abdel Fattah al-Burhan. 

Manche sahen in Daglo, meist Hemedti genannt, gar den eigentlich mächtigsten Mann des Landes. Sein Paramilitär soll nach verschiedenen Schätzungen zwischen 70 000 und 100 000 oder sogar bis zu 150 000 Kämpfer umfassen.

Die RSF gingen aus arabischen Reitermilizen hervor, die während des Darfur-Konflikts in den 2000er Jahren mit dem Segen des Regimes brutal gegen Volksgruppen in der westlichen Provinz vorgingen. Experten werfen den Truppen schwere Menschenrechtsverletzungen und Menschenschmuggel vor. An der rabiaten Unterdrückung der zivilen Opposition waren sie zuletzt auch beteiligt. 

Jüngst allerdings eskaliert der Machtkampf zwischen Armee und RSF brutal. Zu gewalttätigen Spannungen führt, dass die RSF-Kämpfer im Zuge des geplanten Übergangs zu einer zivilen Regierung im Sudan in die regulären Streitkräfte eingegliedert werden sollen.

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Evakuierungen aus Sudan laufen auf Hochtouren - 101 Menschen in Berlin gelandet

Kämpfe im Sudan: RSF für neuen Waffenstillstand bereit - Drama um Krankenhäuser in Khartum

Machtkampf im Sudan: Ex-Ministerpräsident warnt vor einem Bürgerkrieg