"Null Führung, null Moral, null Mut": Soldat im Gaza-Einsatz kritisiert Netanjahu

Israelische Soldaten im Gazastreifen
Israelische Soldaten im Gazastreifen Copyright Ohad Zwigenberg/Copyright 2023 The AP All rights reserved
Von Euronews mit X, Newsweek
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Auf X erhebt der Soldat Matan Yaffe schwere Vorwürfe gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Zudem schreibt er, dass seine eigene Motivation im Kampf von Tag zu Tag abnehme.

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"Mein Name ist Matan Yaffe, ich habe mich vor einem Monat freiwillig in der Reserve als Hauptmann für den Kampf gemeldet und ich möchte sagen, dass meine Motivation von Tag zu Tag abnimmt." Das schreibt ein Soldat der israelischen Armee auf X - früher Twitter - und löst mit seiner Kritik an der Regierung von Benjamin Netanjahu eine Debatte aus.

Vor dem terroristischen Überfall der Hamas auf Israel hatten Teile der israelischen Armee aus Protest gegen Netanjahus Reformpläne ihre Arbeit eingestellt. Auf die grausame Tötung von etwa 1.400 Menschen am 7. Oktober 2023 folgte eine Welle der nationalen Solidarität mit einer Regierung der nationalen Einheit.

Doch jetzt ist die harsche Kritik am umstrittenen Ministerpräsidenten zurück - zumindest mit der Stimme von Matan Yaffe. Bei den Massenprotesten hatten viele gemutmaßt, dass Netanjahu mit seiner Justizreform vor allem die Anklagen gegen sich selbst untergraben wolle. Vor wenigen Monaten hatte das Parlament in Jerusalem der Reform zugestimmt. Doch der Protest war damit nicht beendet.

Angehörige der Geiseln fühlen sich im Stich gelassen

Auch einige der Familien der von der Hamas nach Gaza verschleppten 240 Geiseln fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Sie protestierten einen Monat nach dem Hamas-Überfall vor der Knesset in Jerusalem.

"Kein Vertrauen in die Regierung"

"Null Führung, null Verantwortung, null Professionalität, null Ehrlichkeit, null Moral, null Weisheit und null Mut. Null Null Null", schreibt Matan Yaffe weiter. "Selbst wenn wir die Hamas besiegen sollten, und ich bin sicher, dass wir das tun werden, wird dies nicht dank der Nullen an der Macht passieren, sondern dank der Menschen vor Ort, die ihr Leben opfern, obwohl sie kein Vertrauen in die Regierung haben."

Die US-amerikanische Newsweek, die über die Kritik des Soldaten berichtet hat die israelische Regierung und die Streitkräfte IDF (Israeli Defense Forces) um eine Stellungnahme gebeten, doch offenbar zunächst keine Antwort bekommen.

Internationale Beobachte werfen Netanjahu vor, dass er offenbar keine Pläne für den Gazastreifen nach dem Sieg gegen die Hamas hat. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist seit mehr als 30 Jahren ungelöst, schon vor dem Überfall der Hamas hatte sich die Lage auch im Westjordanland verschärft.

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