Gaza: mehr tote Kinder als in allen Konflikten weltweit

Krieg im Gazastreifen
Krieg im Gazastreifen Copyright Fatima Shbair/ AP
Von Julika HerzogEuronews digital mit AP
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Im Krieg zwischen Israel und der Hamas sind im Gazastreifen mehr als 12.300 Kinder getötet worden, mehr als innerhalb von vier Jahren in allen Konflikten weltweit.

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Bei einem israelischen Luftangriff in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen sollen mindestens 10 Menschen getötet worden sein, darunter eine Frau und drei Kinder.

Nach UN-Angaben sind im Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen mehr als 12 300 Kinder getötet worden, mehr als innerhalb von vier Jahren in allen Konflikten weltweit.

"Erschütternd. Die Zahl der Kinder, die mutmaßlich in etwas mehr als vier Monaten im Gazastreifen getötet wurden, ist höher als die Zahl der Kinder, die zusammengerechnet in vier Jahren Krieg auf der ganzen Welt getötet wurden", erklärte der Chef des Palästinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, am Dienstag im Onlinedienst X.

Laut dem von der Hamas geführten Gesundheitsministerium wurden seit dem 7. Oktober mehr als 12.300 Kinder und über 31.000 Menschen insgesamt im Gazastreifen getötet. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Vereinten Nationen registrierten ihrerseits zwischen 2019 und 2022 in den weltweiten Kriegen und Konflikten insgesamt 12.193 getötete Kinder.

Netanjahu will "die Arbeit in Rafah zu Ende bringen"

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält ungeachtet der internationalen Kritik an seinen Plänen für eine Bodenoffensive in Rafah fest - er sagte die Arbeit dort werde zu Ende gebracht.

"Wir werden die Arbeit in Rafah zu Ende bringen und gleichzeitig die Zivilbevölkerung in Sicherheit bringen", erklärt Netanjahu in einer Videoansprache auf einer Konferenz der pro-israelischen Organisation Aipac in Washington.

In der Stadt im Süden des Gazastreifens nahe der Grenze zu Ägypten haben mehr als 1,5 Millionen Palästinenser Schutz gesucht. Doch das israelische Militär bombadiert nun auch diesen Zufluchts-Ort im Krieg, es gab in der Nacht wieder Luftangriffe

Unterdessen hat das Weiße Haus Berichte über mögliche politische Konsequenzen im Fall einer israelischen Bodenoffensive in der Stadt Rafah im Gazastreifen zurückgewiesen.

US-Medien hatten zuvor berichtet, Biden werde in so einem Fall erwäge, weitere Militärhilfen für Israel an Bedingungen zu knüpfen. In einem Interview des US-Fernsehsenders MSNBC hatte Biden am Wochenende das militärische Vorgehen Israels im Gaza-Krieg scharf kritisiert und auf Nachfrage eine mögliche Bodenoffensive in Rafah als «rote Linie» bezeichnet.

Cameron fordert Israel auf,  Hafen von Aschdod zu öffnen

Unterdessen forderte der britische Außenminister David Cameron die israelischen Behörden auf, einen Hafen zu öffnen, damit die über dem Seeweg ankommenden Hilfsgüter nach Gaza gelangen können.

"Wenn Israel wirklich helfen wollte, könnte es den Hafen von Aschdod eröffnen, der in Israel liegt. Das ist ein voll funktionsfähiger Hafen, der die Lieferung von Hilfsgütern aus Zypern direkt nach Israel und damit nach Gaza wirklich maximieren könnte", sagte Cameron in einer Rede im House of Lords.

Doch laut den Hilfsorganisationen können Luft- und Seelieferungen den Mangel an Landrouten nicht ausgleichen. Cameron forderte von Israel auch wieder mehr Landrouten zu öffnen. Die Zahl der täglich in den Gazastreifen einreisenden LKWs mit Hilfsgüter liegt weit unter der Zahl von vor dem Krieg.

Bundeswehr beteiligt sich an Luftbrücke

Die Lage der Menschen in dem Küstenstreifen ist Hilfsorganisationen zufolge zunehmend verzweifelt. Nach UN-Angaben droht eine Hungerkrise, wenn die Hilfslieferungen per Lastwagen nicht ausgeweitet werden.

Deswegen werfen immer mehr Länder Hilfsgüter aus der Luft ab, um die israelischen Blockaden von Hilfslieferungen über dem Landweg zu umgehen. Initiiert wurde die Luftbrücke von Jordanien, ebenfalls besteiligt sind unter anderem die USA und Frankreich.

Auch die deutsche Bundeswehr wird sich nun an der Luftbrücke für die Versorgung der Menschen im Gazastreifen beteiligen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat dafür am heutigen Mittwoch grünes Licht gegeben und der Luftwaffe einen entsprechenden Auftrag erteilt.

Dafür stelle die Bundeswehr zwei Hercules-Transportflugzeuge bereit, die jeweils bis zu 18 Tonnen Last transportieren könnten. Der Einsatz könnte Ende kommender Woche beginnen.

Auslöser des Gaza-Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel verübt hatten. Auf israelischer Seite wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Auf palästinensischer Seite wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde seit Kriegsbeginn mehr als 31 100 Menschen getötet.

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