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"Billiger Ablenkungsversuch": Berlin weist Moskaus Revanchismus-Vorwurf zurück

Außenminister Johann Wadephul befindet sich auf einer mehrtägigen Reise im Indopazifik-Raum (Symbolbild).
Außenminister Johann Wadephul befindet sich auf einer mehrtägigen Reise im Indopazifik-Raum (Symbolbild). Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Moskau hat Berlin mit schwerer Geschichtsrhetorik angegriffen und Deutschlands Unterstützung für die Ukraine als "Revanchismus" gedeutet - eine Vergeltung für die Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Bundesaußenminister Wadephul weist den Vorwurf entschieden zurück und spricht von Ablenkung.

Russlands Außenministerium hat Berlin ungewöhnlich scharf angegriffen und zeichnet das Bild einer deutschen Politik, die von "Revanchismus" getrieben sei. Deutschland wolle Russland demnach nachträglich "für frühere Niederlagen" bestrafen, strebe eine "strategische Niederlage" Moskaus an und setze zugleich auf maximalen wirtschaftlichen Schaden – ausdrücklich inklusive Sanktionen.

Die Unterstützung der Ukraine rahmt Moskau als ideologischen Feldzug gegen Russland: Begleitet werde dieser, so der Vorwurf, von einer "aggressiven russo­phoben Hysterie" und einer systematischen Dämonisierung des Landes, in deren Logik selbst Fehlleistungen nationaler Regierungen oder Ereignisse wie Hackerangriffe automatisch, ohne Belege und ohne Differenzierung Russland zugeschrieben würden.

"Revanchismus" und "russische Bedrohung" als deutsches Narrativ

Im Kern behauptet Moskau: Berlin nutze die Erzählung einer angeblichen "russischen Bedrohung", um innenpolitisch milliardenschwere Rüstungsprogramme, neue Schulden und das erklärte Ziel zu legitimieren, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen. Mit einer bewusst eingesetzten Anspielung auf die Geschichte, die Deutschlands heutige Politik in die Nähe früherer Großmachtpläne rücken soll.

Parallel zu dieser politischen Anklage verschärft Russland den Ton militärisch und macht aus der Debatte um Sicherheitsgarantien für die Ukraine ein Drohszenario.

In der russischen Darstellung werde "80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg" erneut mit deutschen Waffen gegen russisches Territorium geschossen – ein Satz, der weniger als Faktenbehauptung denn als geschichtspolitischer Hebel wirkt.

Militärische Drohkulisse: Ausländische Truppen als "legitime Ziele"

Jede Ausweitung deutscher Präsenz in der Region wird als Eskalation beschrieben:

Russland verweist auf die bereits laufende Stationierung von Bundeswehrkräften in Litauen und verbindet das mit der Warnung, ein Einsatz deutscher Soldaten in oder im Umfeld der Ukraine - etwa im Rahmen einer internationalen Sicherheits- oder Stabilisierungsmission nach einem Kriegsende - würde sie aus russischer Sicht zu legitimen Zielen machen.

Zugleich weist Moskau die Idee zurück, man könne Russland "aus einer Position der Stärke" begegnen: Ultimaten und Druckrhetorik seien "absurd" und zum Scheitern verurteilt.

Wadephul kontert: "Billiger Ablenkungsversuch"

Die Bundesregierung hält dagegen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) nannte die Revanchismus-Erzählung bei seiner Ozeanien-Reise einen "billigen Ablenkungsversuch". Deutschland habe keine Schwierigkeiten, die eigene Vergangenheit kritisch zu betrachten, und bestreite nicht, dass die Befreiung vom NS-Regime auch durch die damalige Sowjetunion erfolgte – mit Opfern aus der Ukraine und anderen Völkern.

Gleichzeitig machte Wadephul deutlich, dass diese historische Verantwortung aus deutscher Sicht nicht dazu tauge, heutige russische Politik gegen Kritik zu immunisieren: Man werde sich nicht den Mund verbieten lassen, wenn es darum gehe, das aktuelle Handeln Russlands klar zu benennen und zu verurteilen.

Indopazifik-Reise: Partnersuche in unsicherer Weltordnung

Wadephuls Zurückweisung kommt dabei nicht aus dem Berliner Tagesgeschäft heraus, sondern von einer Auslandsreise, die politisch genau auf die großen Verschiebungen der Gegenwart zielt.

Der CDU-Politiker setzt seine Tour durch Südostasien und die Pazifik-Region in Neuseeland fort und traf dort seinen Amtskollegen Winston Peters – auch mit Blick auf die neue Unsicherheit in der internationalen Ordnung und die US-Politik unter Präsident Trump. Von seinem neuseeländischen Kollegen wurde Wadephul unterstützt. Peters betonte, die Wahrung der territorialen Integrität sei ein Grundprinzip des internationalen Systems.

Wadephul warb für zusätzliche Partnerschaften mit Staaten, die Einfluss eher über Regeln, Handel und Institutionen sichern wollen als über Machtpolitik. Neuseeland und Deutschland arbeiten bereits in Forschung und Bildung zusammen. Innerhalb der EU ist Deutschland zudem Neuseelands wichtigster Handelspartner.

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