Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Feuchtgebiete: eine Geheimwaffe der Natur gegen den Klimawandel?

euronews_icons_loading
Feuchtgebiete: eine Geheimwaffe der Natur gegen den Klimawandel?
Copyright  euronews
Von Jeremy Wilks  & Sabine Sans

Eine Reportage aus der Lagune von Venedig über das außergewöhnliche Potenzial von Feuchtgebieten, Kohlenstoff aus unserer Atmosphäre zu binden - sind diese Gebiete eine Geheimwaffe der Natur gegen den Klimawandel? Darum geht es in dieser Climate-Now-Folge.

"Die Rolle der Salzwiesen wird unterschätzt. Wir müssen den Menschen begreiflich machen, dass sie eine Ressource sind und dass es wichtig ist, sie zu erhalten".
Andrea D'Alpaos
Professor für Hydrologie

Aktuelle Klimadaten

euronews
Weltweit lagen die Temperaturen im vergangenen Monat um 0,3 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 1991-2020.euronews

Doch zuerst die Klimadaten des Copernicus Climate Change Service für Januar. Weltweit lagen die Temperaturen im vergangenen Monat um 0,3 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 1991 bis 2020. Es gab einige bemerkenswerte Hotspots rund um den Planeten.

Quelle: Copernicus Climate Change Service, implementiert vom ECMWF
TEMPERATURANOMALIE JANUAR 2022, Referenzzeitraum 1991-2020Quelle: Copernicus Climate Change Service, implementiert vom ECMWF

Auf dieser Karte sind sie rot markiert. In Argentinien führte die anhaltende Hitzewelle dazu, dass das Land im Januar 75 neue Temperaturrekorde aufstellte. In Ostkanada und den USA war es kälter als im Durchschnitt, und in ganz Russland bis hin zur Halbinsel Kamtschatka war es im vergangenen Monat deutlich wärmer.

Quelle: Copernicus Climate Change Service, implementiert vom ECMWF
TEMPERATURANOMALIE JANUAR 2022, Referenzzeitraum 1991-2020Quelle: Copernicus Climate Change Service, implementiert vom ECMWF

Schaut man auf Europa, so wurde in Oslo Mitte des Monats mit 12,5 Grad ein neuer Höchstwert für Januar erreicht. In den meisten Teilen Frankreichs und in Teilen Spaniens war es kühler. Die iberische Halbinsel ist weiterhin viel trockener als der Durchschnitt.

Quelle: Copernicus Climate Change Service, implementiert vom ECMWF
Die Grafik zeigt die Anomalie der Bodenfeuchte im JanuarQuelle: Copernicus Climate Change Service, implementiert vom ECMWF

Diese Grafik zeigt die Anomalie der Bodenfeuchte im Januar, und das ist die Fortsetzung eines Trends über die vergangenen vier Monate.

Feuchtgebiete: wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel

Diesen Monat berichten wir aus der Lagune von Venedig über die wichtige Rolle von Feuchtgebieten bei der Bekämpfung des Klimawandels. Salzwiesen sind Oasen der Artenvielfalt und wirken als natürliche Barrieren gegen Stürme - faszinierend ist, dass sie auch 50-mal schneller Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden können als ein tropischer Wald.

Vom Markusplatz aus geht es zu den Salzwiesen der Lagune von Venedig. Diese empfindlichen Ökosysteme müssen mehr geschätzt und besser geschützt werden, meint Professor Andrea d'Alpaos: "Das Potenzial dieser Systeme, organischen Kohlenstoff zu speichern und zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen, ist noch nicht ausreichend bekannt."

Das Potenzial, von dem die Rede ist, beruht auf einem relativ einfachen Prozess: Zunächst binden die Pflanzen vor Ort während ihres Wachstums CO₂ aus der Atmosphäre. Dann werden sie regelmäßig von sedimentreichen Gezeiten überflutet, die Blätter und Wurzeln im Schlamm vergraben. In der Lagune kann man die Kohlenstoffbindung buchstäblich in Aktion sehen:

"Im oberen Teil des Bohrkerns kann man viele verschiedene Elemente sehen, darunter sowohl kleine als auch große Wurzeln wie die, die wir gerade abgeschnitten haben", erklärt Massimiliano Ghinassi, Professor für Sedimentologie an der Universität Padua. _"Es gibt auch viele andere sehr kleine Pflanzenfragmente wie Blätter oder Reste von Pflanzenästen, die den Kohlenstoff im Sediment speichern."
_

Schutz der Feuchtgebiete ist wichtig

In ihren Laboren an der Universität Padua können die Wissenschaftler berechnen, wie viel Kohlenstoff in den verschiedenen Feuchtgebieten gespeichert ist, und sogar seine Quelle bestimmen: In der Lagune von Venedig gibt es große Unterschiede in der Kohlenstoffspeicherung, so Alice Puppin, Doktorandin an der Universität von Padua:

"Es gibt einen Durchschnittswert von etwa 270 Tonnen Kohlenstoff pro Quadratkilometer und Jahr. Die Schwankungsbreite ist jedoch recht groß und reicht von einem Minimum von etwa 50 Tonnen pro Quadratkilometer pro Jahr bis zu einem Maximum von über 500 Tonnen pro Quadratkilometer pro Jahr."

Anhand der Laborergebnisse soll genau ermittelt werden, welche Arten von Pflanzen, Böden und Umweltbedingungen sich am besten für die Bindung von Kohlenstoff eignen. Aber vor allem müssen die Feuchtgebiete geschützt werden, meint Professor Andrea d'Alpaos:

"Wir müssen sie vor Erosion an ihren Rändern schützen. Und wir müssen sie in ihrem vertikalen Wachstum unterstützen, indem wir ihnen Sedimente zur Verfügung stellen, die sich auf der Oberfläche der Sandbänke absetzen und ihnen helfen, vertikal zu wachsen und dabei organisches Material für Hunderte oder Tausende von Jahren in den Böden zu vergraben."

Und noch eine Zahl, die die Bedeutung dieser Gebiete unterstreicht: Die 43 Quadratkilometer Feuchtgebiete in der Lagune von Venedig können ein Viertel der gesamten jährlichen Emissionen des Bootsverkehrs in Venedig binden.