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Klima in der Antarktis: ungewöhnlicher Schneefall

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Klima in der Antarktis: ungewöhnlicher Schneefall
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Von Jeremy Wilks  & Sabine Sans

**Im vergangenen Monat gab es in der Antarktis eine rekordverdächtige Hitzewelle und an einigen Orten ungewöhnlich hohe Schneemengen – was passiert dort, fragen wir in einer Sonderfolge von Climate Now auf euronews.
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"Auch wenn wir das nicht direkt auf die globale Erwärmung zurückführen können, kann man sich ausrechnen, dass es damit zusammenhängt."
Julien Witwicky
Glaziologe vom Institut Polaire Francais

Copernicus-Klimadaten März

Weltweit war der März 2022 um 0,39 °C wärmer als der Durchschnitt der Jahre 1991-2020 und damit der fünftwärmste März aller Zeiten. Die europäische Durchschnittstemperatur für März 2022 war 0,43 °C niedriger als der Durchschnitt von 1991 bis 2020. Der Monat war der drittkälteste März der letzten 10 Jahre.

Copernicus-Daten
Die Meereisausdehnung in der Antarktis lag im vergangenen Monat 26 Prozent unter dem Durchschnitt und ist damit die zweitniedrigCopernicus-Daten

In Bezug auf das Eis in der Antarktis zeigen aktuelle Copernicus-Daten, dass die antarktische Meereis-Ausdehnung im vergangenen Monat 26 Prozent unter dem Durchschnitt lag, der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Die rot markierten Gebiete, das Ross- und das Amundsenmeer, waren besonders meereisarm.

Copernicus-Daten
Die rot markierten Gebiete, das Ross- und das Amundsen-Meer, waren besonders eisarmCopernicus-Daten

Diese Grafik der Temperaturanomalien zeigt, dass ein großes Gebiet der Ostantarktis im vergangenen Monat eine Art Hitzewelle erlebte. Eine Masse wärmerer Luft fegte über den Kontinent und trieb die Temperaturen an der Concordia-Forschungsstation von den üblichen minus -55 Grad Celsius auf ein neues Allzeithoch für die Station von minus -11,5 Grad.

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Euronews-Reporter Jeremy Wilks erklärt die Klimadateneuronews

Die Temperaturen in der Antarktis können sehr stark schwanken - war dieses Ereignis wirklich ungewöhnlich? Dazu der Klimatologe Jonathan Wille:

"Nach unserem Kenntnisstand über das antarktische Klima, ist das ein noch nie dagewesenes Ereignis", so der Polarklimatologe von der Université Grenoble Alpes. "Unsere Aufzeichnungen für die Antarktis reichen natürlich nicht so lange zurück wie die der übrigen zivilisierten Welt, aber das ist ein Ereignis, das mit der Hitzewelle im pazifischen Nordwesten im Juni 2021 vergleichbar ist - ein Ereignis, das das, was wir für das Klimasystem für möglich hielten, neu definiert."

Ungewöhnlicher Schneefall in der Antarktis

Wie haben die Forscher eine solche Hitzewelle erlebt? Und wie ist das Gesamtbild der Klimaveränderung in der Antarktis?

Die Concordia-Polarforschungsstation liegt hoch und trocken - über 1000 Kilometer von der Küste entfernt und in über 3000 Metern Höhe ist sie normalerweise eine tiefgefrorene Wüste.

Foto: Julien Witwicky
Ungewöhnlicher Schneefall in der AntarktisFoto: Julien Witwicky

Doch Mitte März bot sich ein anderes Bild: Als die Temperatur auf minus -11,5 Grad anstieg, machte Wissenschaftler Julien Witwicky Fotos von seltenem Schneefall, der das alte Eis bedeckt:

"Es gab eine Schneedecke von 10 cm. Das ist mehr Schnee, als normalerweise in einem Jahr fällt", erzählt der Glaziologe vom Institut Polaire Français. Statt auf hartem Schnee herumzulaufen, versanken wir also mehrere Tage lang im Pulverschnee. Das erinnert mehr an die französischen Alpen als an die Antarktis."

Der ungewöhnliche Schneefall bei der Concordia-Station könnte Teil eines größeren Trends sein. Die deutsche Kohnen-Station, die ebenfalls auf dieser Höhe und weit im Landesinneren liegt, hat in den vergangenen 20 Jahren einen Anstieg der Schneefälle um 20 % verzeichnet.

Alfred Wegener Institute / Realnature TV / DLR
Die deutsche Küstenstation Neumayer in der AntarktisAlfred Wegener Institute / Realnature TV / DLR

Und die deutsche Polarforschungsstation Neumayer verzeichnete im vergangenen Jahr 50 % mehr Schnee als im Durchschnitt. Olaf Eisen, Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut und Professor an der Universität Bremen, erklärt:

"Das ist etwas, das auch im Rahmen der globalen Erwärmung vorhergesagt wird. Wenn die Atmosphäre wärmer wird, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen, und mehr Feuchtigkeit bedeutet mehr Schneefall."

Eine oft gestellte Frage ist, ob zusätzlicher Schneefall auch nur einen kleinen Teil des Eisverlustes an die Ozeane ausgleichen könnte. Ein Eisverlust, den man vom Weltraum aus sehen kann.

Europäische Union / Copernicus Sentinel-2 imagery
Der Eisverlust ist aus dem All sichtbarEuropäische Union / Copernicus Sentinel-2 imagery

Man geht davon aus, dass die Antarktis weiter an Masse verlieren wird, da die wärmeren Ozeane und die wärmere Luft dazu beitragen, dass die Schelfeis-Decke dünner und damit instabiler wird.

"Was ich sagen kann, weil ich vor Ort bin und das seit mehr als 15 Jahren beobachte, ist, dass all diese Schelfeis-Flächen, die vom Kontinentaleis freigesetzt werden - also eine direkte Auswirkung auf den Meeresspiegel - das wird zunehmen und weitergehen", meint Alain Hubert, Vorsitzender der internationalen Polarstiftung. _"Das ist sicher, denn das Wasser erwärmt sich, und wir werden das in den nächsten zehn Jahren nicht ändern, das ist sicher."
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Ende April erscheint der jährlicheeuropäische Copernicus-Klimabericht (European State of the Climate, ESOTC): Er hilft Ihnen zu verstehen, wie und warum sich das Klima dort, wo Sie sind, verändert.