Computerspielen mit Hirn

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Für einige Computerspiele braucht man Köpfchen. Dass man ein Spiel aber nur mit dem Gehirn steuert, ist ungewöhnlich. Menschen mit körperlichen Einschränkungen kann diese Technologie viele Möglichkeiten eröffnen.

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Samuel Kunz sitzt vor einem Computerbildschirm, auf seinem Kopf etwas, was wie eine Bademütze mit Kabeln aussieht. Auf dem Bildschirm vor ihm bewegt sich ein grünes Fahrzeug über eine Rennstrecke.

Samuel Kunz, seit einem Unfall gelähmt, steuert das Computerspiel mit seinem Gehirn. Die Mütze registriert seine Gehirnströme, die dem Computer verraten, wohin der Rennwagen fahren soll – wenn alles gut geht. Entwickelt wurde das Spielsystem an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich.

"Für so ein Interface zwischen Gehirn und Computer brauchen wir einen Verstärker und eine Mütze mit Elektroden, die die Signale im Gehirn des Piloten misst", erklärt die Neurowissenschaftlerin Rea Lehner. "Das Hirnsignal ist sehr schwach, die Muskelaktivität dagegen liefert sehr starke Signale. Also müssen wir die Muskelaktivität herausfiltern, damit das reine Signal des Gehirns übrigbleibt.

Diese Elektroden sind mit einem Verstärker verbunden und der wiederum mit dem Computer. Am Ende stehen dann unsere Algorithmen. Mit denen verarbeiten wir das Signal aus dem Hirn und senden die Befehle an das Spiel, das unser Pilot kontrolliert."

Während die Mütze nur auf den Kopf gezogen wird, arbeiten die Wissenschaftler aber auch an invasiveren Methoden. Sie wollen noch besser an die Signale rankommen, damit die Steuerung zuverlässiger und einfacher funktioniert.

"Die Schädeldecke wirkt stark abschirmend und schützt das Gehirn", so die Neurowissenschaftlerin Nicole Wenderoth, "das ist eigentlich gut, aber sie schützt auch die Signale des Gehirns, die wir auslesen wollen. Mit zukünftigen Technologien werden wir eine Lösung dafür finden. Das könnte bedeuten, dass wir nicht mehr durch die Schädeldecke messen, sondern direkt im Innern des Schädels. Wir würden also Sensoren und Elektroden ins Gehirn implantieren."

Mit genug Training könnte Samuel Kunz fit werden für den "Cybathlon", einen E-Sports-Wettbewerb für gehirngesteuerte Computerspiele, den die Hochschule ausrichtet. Und irgendwann könnten mit der Technologie nicht nur Computerspiele, sondern auch andere Anwendungen und Geräte gesteuert werden, zum Beispiel Rollstühle.

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