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5 Jahre nach der Ahrtal-Flut: Hat die Bundesregierung aus der "Jahrhundertkatastrophe" gelernt?

Die "Jahrhundertkatastrophe" im Ahrtal: Bad Neuenahr - Ahrweiler Mitte Juli 2021 - Archivbild
Die "Jahrhundertkatastrophe" im Ahrtal: Bad Neuenahr - Ahrweiler Mitte Juli 2021 - Archivbild Copyright  AP Photo
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Von Kirsten Ripper & Euronews mit SWR, AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Am Gedenktag fünf Jahre nach der sogenannten "Jahrhundertkatastrophe" im Ahrtal reist Bundeskanzler Friedrich Merz nach Ahrweiler. Dort sind die Wiederaufbau-Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Und Forschende beklagen, dass entscheidende Konsequenzen nicht gezogen wurden.

Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal - die auch als "Jahrhundertkatastrophe" bezeichnet wird - ist der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen.

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Nach Angaben der Bundesregierung gab es durch die Flutkatastrophe, die vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen traf, mehr als 180 Tote.

Zur Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wollte der CDU-Ministerpräsident von Rheinland Pfalz, Gordon Schnieder, auch Bundeskanzler Friedrich Merz empfangen. Wohl nicht zuletzt wegen der Flutkatastrophe im Ahrtal hatte die SPD die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz verloren.

Am Abend und in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 fielen in der Ahrtalregion in 24 Stunden bis zu 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Nach einem verregneten Frühjahr konnten die gesättigten Böden die Wassermassen von Tief Bernd nicht aufnehmen. Der Pegel des Flusses Ahr stieg innerhalb weniger Stunden von 1 auf 7 Meter und an einigen Stellen sogar auf 10 Meter.

In zahlreichen Häusern stand das Wasser bis im zweiten Stockwerk, Menschen flüchteten sich auf Hausdächer und auf Bäume. Autos, Bahngleise und sogar Brücken wurden mitgerissen.

Zunächst reisten im Sommer 2021 hunderte Freiwillige Helfer ins Ahrtal, doch in den Monaten danach lief der Wiederaufbau nur sehr schleppend an und viele Betroffene zeigten sich extrem frustriert von der Politik.

Hat die Politik die Lektion der Ahrtal-Flut gelernt?

Nicht zuletzt die Flutkatastrophe von Valencia in Spanien im Herbst 2024 erinnerte die Menschen in Europa daran, dass extremes Hochwasser in Zeiten des Klimawandels nicht mehr als ein einzelnes "Jahrhundertereignis" bezeichnet werden kann.

Auch die aktuellen Hitzewellen rufen in Erinnerung, dass sich das Klima bereits grundsätzlich geändert hat. Und dass ein funktionierender Katastrophenschutz in Deutschland zu den Priotiäten gehört.

Wie der SWR berichtet, ist der Landkreis Ahrweiler gerade dabei, das Flussbett der Ahr zu verbreitern, damit das Wasser bei einer Flut Platz hat, in die Breite auszuweichen statt den Flusspegel dramatisch steigen zu lassen. Von den 25 geplanten Teilprojekten sind erst fünf fertiggestellt, weil mit jedem Eigentümer von Gelände entlang des Flusses einzeln verhandelt werden muss.

Doch zusammen mit einer Kollegin und einem Kollegen aus der Region forderte die parteilose Landrätin Cornelia Weigand in einem offenen Brief an Friedrich Merz einen flexibleren Einsatz der Mittel. Denn es würden riesige Regenrückhaltebecken benötigt, um eine Flut wie die von 2021 zu stoppen. Diese sind bisher noch nicht einmal geplant. Und der gerade gekürzte Wiederaufbaufonds aus Berlin stellt nur Gelder für lokale Maßnahmen zur Verfügung, aber keine überregionalen Projekte. "Flut kennt keine Grenzen" lautet die Forderung des Appells an den Kanzler.

Forschende kritisieren laut SWR zudem, dass bei den Aufbau-Maßnahmen im Ahrtal vielerorts zu kurzfristig geplant worden sei. Der Forschungsverbund MonAHR beklagt, dass zu oft an der gleichen Stelle wieder aufgebaut wurde, anstatt dem Fluss mehr Platz zu lassen.

Nicht nur die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert, dass die Bundesregierung von Kanzler Merz die Klimaziele im Vergleich zur Vorgänger-Regierung heruntergeschraubt hat. Im Mai erklärte der Expertenrat für Klimafragen, das Anfang des Jahres verabschiedete Klimaschutzprogramm aus dem Umweltministerium reiche nicht aus, um die eigentlich anvisierten Klimaziele zu erreichen.

SPD-Umweltminister Carsten Schneider betont zwar, Deutschland habe ein sehr hohes Ziel, Emissionen zu reduzieren, nämlich 60 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 verglichen mit 1990. Besonders Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stellt einzelne Maßnahmen - wie zuletzt das EU-Methangesetz - aber immer wieder in Frage. Und auch Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich hatte sich in Brüssel gegen das Verbrenner-Aus eingesetzt.

Die Lockerungen beim Gebäudemodernisierungsgesetz könnten die Prognosen laut Experten noch weiter verschlechtern. Die Klimaforscherin Julia Pongartz, die dem Expertenrat angehört, sieht laut Tagesschau "klimapolitischen Handlungsbedarf" und sagt: "Wir empfehlen eine Einbettung der Klimaschutzpolitik in eine kohärente politische Gesamtstrategie, die insbesondere auch soziale Verteilungswirkungen und ökologische Folgen stärker in den Blick nimmt".

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