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Von der Politik im Stich gelassen? 1 Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal

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Von Kirsten Ripper  & Euronews
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Ahrweiler - ein Jahr nach der Flut bleiben viele Läden geschlossen
Ahrweiler - ein Jahr nach der Flut bleiben viele Läden geschlossen   -   Copyright  Sarah Branse

Ein Jahr nach der Flut-Katastrophe im Ahrtal mit 135 Toten fühlen sich viele Betroffene von der Politik allein gelassen. Fehlende Gelder, aber auch fehlende Handwerker und Baumaterialien, behindern den Wiederaufbau. Der Kampf gegen die Bürokratie macht vielen Betroffenen zu schaffen.

Intensivkrankenschwester Sarah Branse, die in Ahrweiler lebt und seit einem Jahr mit "Wunscherfüller Ahrtal" inzwischen vor allem Kindern aktiv Hilfe leistet, erklärt die Lage vor Ort. Abgesehen von einigen Bauarbeitern sei Ahrweiler eine Geisterstadt. Die meisten Erdgeschosse weiterhin Baustellen.

Es fehlen vor allem Cafés oder Stätten der Begegnung, in denen sich Menschen austauschen und das Erlebte gemeinsam bewältigen können. Die meisten Infostellen für Betroffene vor Ort sind seit Ostern geschlossen.

Sarah Branse
Viele unfertige Baustellen im Ahrtal - ein Jahr nach der FlutSarah Branse
Es geht sehr, sehr langsam voran - und das macht natürlich die Bewohner sehr mürbe.
Sarah Branse
Intensivkrankenschwester und "Wunscherfüllerin" zur Lage in Ahrweiler

Sarah Branse stellt fest: "Es hat sich nicht viel getan. Der Schlamm ist weg, der Schutt ist weg, aber es gibt immer noch vernagelte Restaurants, zugemachte Läden, die Infrastruktur ist noch nicht wieder hergestellt. Es geht sehr, sehr langsam voran - und das macht natürlich die Bewohner sehr mürbe."

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Sarah Branse ist Intensivkrankenschwester und "Wunscherfüllerin" im AhrtalEuronews

Viele Flutopfer stellen noch heute Anträge

Unglaublich, aber wahr: Viele Menschen stellen noch heute Anträge für Hilfsgelder. Sarah Branse schildert, dass es kompliziert sei, die Anträge auszufüllen, die Formulare beizubringen, die gefordert würden. "Viele haben ja auch gar nicht mehr die Formulare, die sind ja mit weggeschwommen. Alles, was schnell ging, kam von privaten Helfern, aus privaten Beständen", sagt Sarah Branse.

Von den Politikern, Politikerinnen und den Behörden fühlten sich viele Betroffene des Hochwassers im Stich gelassen. Dass am 14. Juli wieder viele Verantwortliche in die von der Flut heimgesuchten Regionen reisen, wird daran nicht viel ändern.

Als kritische Bürgerin sagt Branse: "Zum Jahrestag dieser Katastrophe, die uns hier passiert ist, kommen ja unsere Politiker. Die Frage ist nur, als Betroffener oder als Einwohner dieser Region: Habe ich da etwas davon, wenn die sich hier zeigen? Oder habe ich vielmehr etwas davon, wenn die mir zeigen, dass ich als Bürger dieses Staates ernst genommen werde und mir geholfen wird. Das wäre eigentlich das Maß, das ich erwartet hätte."

Touristinnen und Touristen sind wieder vor Ort

Die Region organisiert Tagesausflüge für Touristinnen und Touristen ins Katastrophengebiet. Wanderrouten führen durch die Weinberge. Oberhalb der Stadt Ahrweiler gibt es auch Unterkünfte für Besucherinnen und Besucher. Das Ahrtal hat vom Tourismus gelebt und will das auch in Zukunft wieder.

An die Bewohner des Ahrtals: Ich wünsche weiterhin viel Kraft, bleibt am Ball, lasst Euch nicht entmutigen. Wir sind alle füreinander da, gemeinsam stark.
Sarah Branse
An die Bewohner der Ahrtals

Sarah Branse hat neben der Arbeit im Krankenhaus viel Zeit in die Hilfe investiert, was für ihre Familie sicher nicht immer einfach war. Vor allem bleibt sie zuversichtlich und möchte einen Appell an alle Betroffenen richten.

"An die Bewohner des Ahrtals: Ich wünsche weiterhin viel Kraft, bleibt am Ball, lasst Euch nicht entmutigen. Wir sind alle füreinander da. Gemeinsam stark - so wie wir das hier auch als Motto im Ahrtal haben - und wir schaffen das gemeinsam. Es wird vielleicht nicht so schnell gehen, wie wir es uns wünschen, aber es wird passieren, dass wir wieder eine schöne und lebenswerte Heimat hier erschaffen können."