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Euronews-Umfrage: Europäer wollen keine EU-Krypto-Währung

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Von David Walsh
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Die EU prüft, wie sie Krypto-Vermögenswerte regulieren kann, und plant im September neue Rechtsvorschriften.
Die EU prüft, wie sie Krypto-Vermögenswerte regulieren kann, und plant im September neue Rechtsvorschriften.   -   Copyright  Canva
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Die Europäische Uinon hat mit dem „Größten Konjunkturpaket aller Zeiten“ auf die Folgen der Covid-Krise reagiert. Eine Folge: Brüsseler Institutionen mischen heute stärker als je zuvor in den nationalen Volkswirtschaften mit.

Wie findet Otto Normalverbraucher in Europa das? In Zusammenarbeit mit dem britischen Meinungsforschungsunternehmen Redfield und Wilton Strategies hat Euronews Meinungen auf dem ganzen Kontinent gesammelt.

Die Mehrheit der Befragten in jedem Land ist dafür, dass ihre eigene Regierung die Finanzvorschriften festlegt, etwa ein Viertel der Befragten würde diese Entscheidungen lieber von der EU treffen lassen. In Deutschland zum Beispiel sagen die meisten, dass Brüssel und die Europäische Zentralbank zu sehr in ihre Wirtschaft eingreifen.

Eine Mehrheit der Europäer möchte zum Beispiel, dass ihre eigenen Regierungen Kryptowährungen regulieren. Eine wachsende Zahl der Menschen würde auch nationale digitale Währungen unterstützen, um eine gewisse monetäre Unabhängigkeit von der Europäischen Union zu erlangen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 4. und 10. August durchgeführt und erfasste die Meinungen von 31.000 Befragten in 12 EU-Mitgliedstaaten: Estland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, die Niederlande, Polen, Portugal und Spanien.

Verlagerung weg vom Bargeld

Im September will die Europäische Kommission mit der Prüfung neuer Rechtsvorschriften beginnen, um einen neuen EU-weiten Regulierungsrahmen für Kryptowährungen zu schaffen.

Die Covid-19-Pandemie war gekennzeichnet durch eine verstärkte Konzentration der EU auf die finanzielle Gesundheit der Eurozone, einschließlich eines beispiellosen Covid-19-Rettungsfonds in Höhe von 750 Milliarden Euro im Juni.

In dieser Zeit fand auch eine deutliche Verlagerung vom Bargeld zum digitalen Bezahlen statt, ein Trend, den Bankinstitute wie die Europäische Zentralbank (EZB) genau beobachten.

Es gab jedoch erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie viel Einfluss die EZB auf die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten haben sollte.

Die wichtigsten Ergebnisse

Ein großer Teil der Bürger in Griechenland (61 Prozent), Deutschland (34 Prozent) und Lettland (31 Prozent) ist der Meinung, dass die EU und die EZB zu sehr in die Wirtschaft ihres Landes eingreifen.

"Der langwierige Kater der Eurokrise vor zehn Jahren ist in Ländern wie Griechenland und Italien immer noch zu spüren", sagte Dimitar Lilkov, Forschungsbeauftragter am Wilfried Martens Zentrum für Europäische Studien in Brüssel, gegenüber Euronews.

"Ein großer Teil der Bevölkerung ist immer noch davon überzeugt, dass die Krise durch schlechte Entscheidungen auf EU-Ebene ausgelöst wurde und nicht durch schwerwiegende Defizite im nationalen Bankensektor, steigende Staatsverschuldung und unreformierte Arbeitsmärkte."

Die Befragten in Litauen (41 Prozent), Spanien (39 Prozent), Portugal (36 Prozent) und Estland (36 Prozent) sagten, die EZB interveniere "im richtigen Maße".

Bei der Frage, wer für die Regulierung der Finanzmärkte zuständig sein sollte, war eine Mehrheit der Befragten (von 49 Prozent in Ungarn bis 76 Prozent in den Niederlanden) der Meinung, dass dies in der Verantwortung ihrer nationalen Regierung und nicht in der der EU liegen sollte.

In keinem der befragten Länder gab es eine klare Präferenz für eine EU-geführte Finanzregulierung, aber wie Lilkov betont, werden Finanzangelegenheiten hauptsächlich in den europäischen Hauptstädten und nicht in Brüssel entschieden.

"Während die Eurozone eine Währungsunion ist, gibt es keine Fiskalunion. Die europäischen Länder stimmen sich in der Finanzpolitik (Defizite, Schulden) ab, aber die endgültigen Entscheidungen in Finanzangelegenheiten (d. h. nationaler Haushalt, finanzielle Prioritäten) werden von den nationalen Regierungen getroffen."

Krypto-Regulierung in Europa

Die Idee, eine nationale E-Währung zu schaffen, um die geldpolitische Unabhängigkeit von der EU zu wahren, stieß auf gemischte Reaktionen, obwohl eine Mehrheit der Befragten dies bis zu einem gewissen Grad befürwortete.

In Italien (41 Prozent), Griechenland (40 Prozent), Estland (39 Prozent) und Spanien (37 Prozent) war die Unterstützung für die Initiative am größten, während die Niederlande das einzige Land ist, in dem es mehr Gegner als Befürworter gibt (37 Prozent).

In Deutschland herrscht in dieser Frage keine Einigkeit. 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine solche Maßnahme unterstützen würden, während 30 Prozent sie ablehnen. Mehr als ein Viertel der Teilnehmer würde einen solchen Schritt weder befürworten noch ablehnen.

Die Überlegungen zu digitalen Währungen - die im Gegensatz zu dezentralen Kryptowährungen von einer Zentralbank gestützt werden - nehmen weltweit zu. Länder wie China, die Vereinigten Staaten und Großbritannien untersuchen die Möglichkeit, eine digitale Version ihres Papiergeldes einzuführen.

In Europa kündigte die EZB im Juli an, dass sie die Einführung eines digitalen Euro oder "E-Euro" aktiv prüft, während im Nicht-Euro-EU-Mitgliedstaat Schweden bereits ein Pilotprojekt für eine E-Krone angelaufen ist.

Für Länder, die den Euro verwenden, könnte die Mitgliedschaft in der gemeinsamen Währung jedoch jegliche Pläne für nationale E-Währungen im Keim ersticken, so Lilkov.

"Länder der Eurozone, die eine digitale Währung verwenden wollen, wären an einen möglichen digitalen Euro gebunden, der von der EZB in Abstimmung mit dem Bankensystem der Eurozone verwaltet wird", sagte er.

"Wenn sich ein Land wie Griechenland oder die Niederlande für eine nationale digitale Währung entscheiden würde, die sich vom Euro unterscheidet (eine E-Drachme oder E-Guilden), würde dies bedeuten, dass es aus der Eurozone ausscheidet. Dies wird nicht geschehen.

Die EU-Mitglieder, die nicht der Eurozone angehören, hätten dagegen relativ freie Hand bei der Erkundung potenzieller nationaler digitaler Währungen, fügte Lilkov hinzu.

Wenig Wissen über Kryptowährungen

Die Umfrage zeigt auch, dass die meisten Europäer nur "ein wenig" über Kryptowährungen gehört haben. Mangelndes Wissen wird als Hauptgrund genannt, warum sie sie nicht kaufen.

Die Minderheit, die Kryptowährungen besitzen, tun dies wegen der Aussicht auf hohe Renditen und aus persönlichem Interesse. Der Umfrage zufolge ist Bitcoin auch die bei weitem bekannteste Kryptowährung.

Wie bei der Finanzregulierung im Allgemeinen, gab auch bei der Regulierung von Kryptowährungen eine Mehrheit der Bürger:innen in Griechenland (51 Prozent), Italien (47 Prozent), Estland (46 Prozent), den Niederlanden (41 Prozent), Deutschland (40 Prozent), Lettland (39 Prozent) und Frankreich (37 Prozent) an, dass sie eine Regulierung von Kryptowährungen im eigenen Land vorziehen würden.

Der Umfrage zufolge ist die Nutzung von Kryptowährungen in der EU zwar nach wie vor gering, doch ihre steigende Beliebtheit wirft die Frage nach der Regulierung auf.

In einer Analyse der Umfrage für Euronews, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, glaubt Louisa Idel, Head of European Insights bei Redfield & Wilton Strategies, dass sich diese Fragen als strittig erweisen werden.

"Im Wesentlichen stehen die Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt vor zwei Optionen: die künftige Ausrichtung von Krypto-Assets streng zu kontrollieren und zu zentralisieren, zum Beispiel durch die Schaffung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC), oder einen offenen rechtlichen und regulatorischen Rahmen zu schaffen, der einen reibungslosen Betrieb von Stablecoins ermöglicht, insbesondere von solchen, die an mehrere Währungen gekoppelt sind."

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