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Kiews App für den öffentlichen Nahverkehr warnt jetzt vor Luftangriffen

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Von Tom Bateman  & Naira Davlashyan
Leben in der Metro in Kiew in der Ukraine im Krieg
Leben in der Metro in Kiew in der Ukraine im Krieg   -   Copyright  AFP

Das Leben der rund drei Millionen Einwohner Kiews hat sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine am 24. Februar vollkommen verändert.

Die U-Bahn-Stationen in der Hauptstadt sind zu Luftschutzbunkern geworden, viele Einwohnerinnen und Einwohner haben sich als Freiwillige gemeldet, um gegen die Invasoren zu kämpfen. Die App, mit der sie früher Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel gekauft haben, ist umfunktioniert worden – Dutzende Male am Tag sendet die App nun eine Warnung vor Luftangriffen.

"Kiew Digital" wurde von ihren Entwicklern "über Nacht" in ein Überlebenswerkzeug im Krieg verwandelt, so ein Sprecher des App-Teams gegenüber Euronews Next. "Die App meldet nun Luftangriffswarnungen, sagt Ihnen, wo der nächste Luftschutzbunker ist, eine geöffnete Apotheke, eine Tankstelle oder wo Sie genau das ukrainische Militär unterstützen können.“

In dem mittlerweile seit vier Wochen andauernden Krieg erfüllt die App "Kiew Digital" noch einen weiteren Zweck: Bewohnerinnen und Bewohner der ukrainischen Hauptstadt können damit auch Beweise für mutmaßliche Kriegsverbrechen des russischen Militärs hochladen und Blutspendezentren finden, um denjenigen zu helfen, die bei den Kämpfen verletzt wurden.

AP / Kyiv Digital / Euronews Next via Canva
Im unterirdischen Schutzraum eines Krankenhauses - und die neue AppAP / Kyiv Digital / Euronews Next via Canva

Kiew auf dem Laufenden halten

Die Software, die bereits von etwa 1,5 Millionen Menschen heruntergeladen wurde, spiele eine Schlüsselrolle im Krieg, erklärt der stellvertretende Bürgermeister von Kiew und Verantwortlicher für Digitalen Wandel, Petro Olenych, gegenüber Euronews Next.

"Die Arbeit jedes einzelnen ist heutzutage extrem wichtig. Der Monteur, der das Internet in die Wohnung bringt. Der Kurier, der Lebensmittel ausliefert. Die Freiwilligen, die den ganzen Tag über medizinische Hilfsgüter verteilen. Das Militär, das uns beschützt. Jeder hat seinen Platz und tut sein Bestes."

Die Hauptaufgabe bestehe nun darin, die Bevölkerung Kiews zu informieren sowie die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, sagt Olenych. Die Kommunikation und die Arbeit der städtischen Infrastruktur müsse ebenso aufrechterhalten werden. "Wir tragen dazu bei, zu gewinnen".

Unser Team arbeitet rund um die Uhr. Der Krieg kennt keine Wochenenden.
Sprecher von "Kiew Digital"

Bis jetzt sei das Feedback der Nutzer "denkwürdig und bewegend". Ganz besonders der Dank, den sie bekamen, als "Kiew Digital" die Warnungen vor Luftangriffen einführte, so ein Sprecher.

Mit diesem Feedback werden die digitalen Dienste auch insgesamt aktualisiert. Seit Beginn der Umgestaltung der App hat "Kiew Digital" auf Wunsch der Einwohner:innen der Hauptstadt Karten von noch geöffneten Lebensmittelgeschäften, Tierkliniken und Apotheken hinzugefügt.

Die App auf dem neuesten Stand zu halten, ist eine gewaltige Aufgabe. "Unser Team arbeitet rund um die Uhr. Im Krieg gibt es keine Wochenenden", so der Sprecher gegenüber Euronews Next.

Kyiv Digital / AFP / Euronews Next via Canva
Die App zeigt auf, welche Apotheken noch funktionierenKyiv Digital / AFP / Euronews Next via Canva

Technisch versiert

Die verstärkte Nutzung von Alltagstechnik in der Ukraine ist bisher ein entscheidendes Merkmal dieses Krieges. Minister der Regierung bis hin zum ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj haben die sozialen Medien genutzt, um Updates über den Messenger-Dienst Telegram zu schicken, Videos zu posten, die die Moral der Bevölkerung hochhalten und Twitter zu nutzen, um die Regierungen des Westens sowie Privatunternehmen zu härteren Sanktionen gegen Russland zu drängen.

Ein auf Twitter geäußerter Appell des ukrainischen Ministers für digitalen Wandel, Mychajlo Fedorow, an Elon Musk führte dazu, dass Empfangsanlagen des Satelliten-Internetdienstes Starlink in die Ukraine geliefert wurden.

Petro Olenych / Kyiv Digital
Petro Olenych von Kyiv DigitalPetro Olenych / Kyiv Digital

Mit dieser Technologie hat die ukrainische Militärverwaltung und der Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, weitere Kommunikationskanäle zur Verfügung gestellt bekommen, erklärt Olenych.

Kiew hat auch die Verfügbarkeit von freiem Wlan in der ganzen Stadt erhöht und mehr als 200 Luftschutzbunker damit abgedeckt. So will man den Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit geben, mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben zu können.

Fedorow ist der Ansicht, dass "Kiew Digital" nach dem Ende des Krieges seine frühere Funktion als App für öffentliche Verkehrsmittel und Parkplätze wieder aufnehmen wird. Aber auch beim Wiederaufbau der Hauptstadt werden digitale Dienste eine Rolle spielen.

"Wir werden helfen, die zerstörten Einrichtungen wieder aufzubauen, es ist wichtig für die Stadt und für die Ukraine, die Wirtschaft zu unterstützen", erklärt auch Olenych. "Vor dem Krieg hatten wir viele Pläne und Ideen, die wir zu 'Kiew Digital' hinzufügen wollten. Ich glaube, dazu werden wir wieder zurückkehren, aber mit einer neuen angepassten App."