Diese EU-Länder bürgern die meisten Ausländer ein

Die Länder der Europäischen Union haben 2021 mehr als 800.000 neue Bürger:innen aufgenommen
Die Länder der Europäischen Union haben 2021 mehr als 800.000 neue Bürger:innen aufgenommen   -  Copyright  - Canva -
Von Charlotte Elton

Von Schweden bis Litauen: Das sind die EU-Länder, die die meisten - und die wenigsten - neuen Bürger:innen aufnehmen.

Neue Zahlen zeigen, dass die EU-Länder im Jahr 2021 eine Rekordzahl von Einbürgerungen vorgenommen haben. Insgesamt 827.300 Menschen erhielten 2021 die Staatsbürgerschaft in den EU-Mitgliedstaaten - ein Anstieg um 98.300 gegenüber 2020.

Der sprunghafte Anstieg um 14 Prozent liegt einerseits an einem pandemiebedingten Rückstau, spiegelt aber andererseits auch einen Aufwärtstrend gegenüber 2019 wider, als 706.400 neue Staatsbürgerschaften vergeben wurden.

85 Prozent der neuen Bürger:innen hatten zuvor keine Staatsbürgerschaft eines anderen EU-Landes. 

Welche Länder haben 2021 die meisten Einbürgerungen vorgenommen?

Spanien vergab 2021 die meisten neuen Staatsbürgerschaften und nahm 144.800 neue Einwohner:innen auf. Dicht gefolgt von Frankreich und Deutschland mit jeweils 130.000 neuen Bürger:innen, Italien mit 121.500 und Schweden mit 89.400.

Die Einbürgerung kann ein langwieriger und mühsamer Prozess sein - aber sie ist nicht überall in der EU gleich schwierig.

Wohlhabenden Menschen bieten mehrere Länder Staatsbürgerschaftsprogramme durch Investitionen an. Wer in Griechenland eine Immobilie im Wert von mehr als 500 000 € erwirbt, kann 7 Jahre später die Staatsbürgerschaft beantragen - vorausgesetzt, er hat in dieser Zeit dort gelebt und Steuern gezahlt. In Malta kann man die Staatsbürgerschaft durch Investitionen in nur 18 Monaten erhalten, vorausgesetzt, man kann 700.000 € für Immobilien aufbringen.

Die meisten Menschen werden über den konventionellen Weg eingebürgert, nämlich indem sie mehrere Jahre im Land leben und arbeiten.

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Schweden hat im Jahr 2021 einen hohen Anteil seiner ausländischen Einwohner eingebürgert.- Canva -

In welchen Ländern ist es am einfachsten, die Staatsbürgerschaft zu erhalten?

Im Jahr 2021 vergab Schweden 10 Einbürgerungen pro 100 ansässige Ausländer - die höchste Einbürgerungsquote in der EU. Auf Schweden folgten die Niederlande mit 5,4 Einbürgerungen je 100 ansässige Ausländer, Rumänien mit 4,6, Portugal mit 3,7 sowie Belgien und Spanien mit jeweils 2,7.

In einigen Teilen Europas ist die Einbürgerung unüblich, selbst für Menschen, die schon seit Jahren dort leben.

In Litauen wurden nur 0,2 Staatsbürgerschaften pro 100 ansässige Ausländer vergeben, gefolgt von Lettland (0,3), Estland (0,5) sowie Tschechien, Kroatien und der Slowakei (jeweils 0,7).

Die Einwanderungsbestimmungen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Österreich beispielsweise muss man mindestens zehn Jahre lang ansässig gewesen sein, bevor man die Staatsbürgerschaft erhalten kann - und man muss die deutsche Sprache auf einem hohen Niveau beherrschen.

Vergeben die Länder mehr Staatsbürgerschaften als früher?

Die meisten Länder gewähren mehr Einbürgerungen als in den vergangenen Jahren. Frankreich hat im Jahr 2021 43.900 zusätzliche Einbürgerungen im Vergleich zum Jahr 2020 vorgenommen.

Deutschland gab es den zweitgrößten Anstieg in absoluten Zahlen, hier wurden 2021 18.800 mehr Menschen eingebürgert, gefolgt von Spanien (17.700 mehr), Schweden (9.200 mehr) und Österreich (7.200 mehr).

Allerdings verzeichneten auch 10 EU-Länder einen Rückgang der Einbürgerungen. Italien gewährte 2021 10.300 weniger Menschen die Staatsbürgerschaft als 2020.

Bezogen auf die lokale Bevölkerung wurden in Schweden mit 8,6 Einbürgerungen je 1.000 Einwohner:innen die meisten Menschen eingebürgert, dicht gefolgt von Luxemburg mit 7,8 je 100 Einwohner:innen und den Niederlanden mit 3,6 je 1.000 Einwohner:innen. Dies unterscheidet sich von der "Einbürgerungsquote" - hier wird die Zahl der neuen Bürger mit der Gesamtbevölkerung verglichen, nicht nur mit den ansässigen Ausländern.

Wer sind die neuen Bürger:innen in der EU?

Die meisten Neubürger:innen in Europa kommen aus Marokko und Syrien.

86.200 Marokkaner:innen erhielten die EU-Staatsbürgerschaft in der EU, was 10,4 % der neuen Bürger:innen ausmacht. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) dieser Personen ließen sich in Spanien oder Frankreich einbürgern. Syrer sind mit 83.500 Menschen die nächstgrößte Gruppe, 70 Prozent von ihnen ließen sich in Schweden und den Niederlanden nieder.

Von 32.300 in der EU eingebürgerten Albaner:innen erhielten 70 Prozent die italienische Staatsbürgerschaft. Nach Albanien kamen die meisten Neubürger:innen aus Rumänien (3,5 Prozent aller Neubürger:innen in der EU), Türkei (3,1 Prozent), Brasilien (2,5 Prozent), Algerien (2,3 Prozent) und der Ukraine(2,2 Prozent).

Das Durchschnittsalter der Neubürger:innen in der EU lag bei 32 Jahren. Etwa ein Viertel waren Kinder im Alter zwischen 0 und 14 Jahren.

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