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1961 - Sprung über den Stacheldraht

1961 - Sprung über den Stacheldraht
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Einer der letzten Mauerreste, die in Berlin noch existieren, während die meisten Betonteile in alle Welt verkauft oder zu Baumaterial zerstampft wurden, steht zur Erinnerung dieses Mauerstück an der Bernauer Straße.

Das ist ein weltbekannter Ort.

Weltbekannt durch den spektakulären Sprung über den Stacheldraht, mit dem im August 1961 der damals 19-jährige Grenzpolizist Conrad Schumann in den Westen gelangte.
Zufällig waren sowohl eine Fernsehkamera als auch ein Westberliner Polizeiauto zur Stelle, das den Flüchtenden sofort wegbrachte.

In jenen ersten Tagen, als noch keine Mauer stand, verlief die Grenze in einigen Straßen direkt vor der Haustür – weshalb nicht wenigen Ostberlinern die Flucht aus dem Fenster gelang. Die Westberliner Feuerwehr fing sie unten mit Sprungtüchern auf, wie sie bei Bränden zur Rettung der Menschen aus höheren Etagen benutzt werden.
Später wurden Fenster und Türen Richtung Westen zugemauert.

Auch durch die Stacheldraht-Barrieren schafften es noch einige in den ersten Tagen.

Andere schafften es nicht, ihre Fluchtversuche endeten im Gefängnis oder schlimmer.

In der Kreuzberger Sebastianstraße 82 erinnert eine Gedenktafel an einen Tunnelbau.
Dieter Hötgen aus dem Westen liebte ein Mädchen aus dem Osten, das er durch den Tunnel zu sich holen wollte. Sein Freund Siegfried Noffke hatte Frau und Kind im Osten. Die beiden Freunde machten sich an die Arbeit. Der Brief, in dem Noffke seine Familie über das Vorhaben informierte, wurde abgefangen.
Dieter Hötgen sagt 2009: “Ich werde das nie vergessen, was hier damals ’62 im Juli um 12 Uhr mittgas geschah. Mein Kamerad Siegfried Noffke wurde hier erschossen beziehungsweise drüben auf der anderen Seite am Tunnelausgang. Dieser Tunnel wurde ja bekanntlich verraten. Und ich habe meinen Kameraden nie wiedergesehen. Seine Leiche ist auch nie aufgetreten . Ich wurde in die Haftanstalt der Stasi Hohenschönhausen gebracht.”
Die Nachrichtenagentur APTN fügt hinzu: “Er ist möglicherweise später von der westdeutschen Regierung freigekauft worden.”

Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße, der Übergang in den amerikanischen Sektor. Er war alliierten Militärs und Diplomaten vorbehalten, die von den DDR-Grenzern nur bedingt kontrolliert werden durften. Deshalb gelangen hier so viele Fluchten im Kofferraum von Diplomatenwagen.

Christa Feurich liebte einen Schweizer Diplomaten. Ihr Fluchtversuch misslang, sie verbrachte drei Jahre im Gefängnis, ehe sie in den Westen ausreisen durfte und ihren Schweizer heiraten konnte.
Sie sagt 2009 anlässlich einer Gedenkverantstaltung ihrem Schicksalsort: “Das ist halt so im Menschen bedingt, dass man immer nur das Positive bedingt. Und diese Verklärung . Und deswegen sind wir heute auch hier, um zu sagen, das war eben nicht so. Das war die DDR nicht. Es war eine Diktatur.”