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Umstrittene "Juden in der AfD" haben offenbar 24 Mitglieder

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Umstrittene "Juden in der AfD" haben offenbar 24 Mitglieder

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An diesem Sonntag ist in Wiesbaden die umstrittene Vereinigung "Juden in der AfD" gegründet worden. Vera Kosova ist die neue Vorsitzende dieser Vereinigung. Zahlreiche jüdische Organisationen haben sich gegen die AfD und gegen diese Gruppe ausgesprochen - in Frankfurt gab es auch Proteste.

Laut Beobachtern haben die "Juden in der AfD" bisher 24 Mitglieder.

Vize Wolfgang Fuhl wehrt sich gegen Kritik. Er sagt: "Die AfD hat sich klar dafür ausgesprochen, Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen, als einzige Partei in Deutschland. (...) Die AfD ist eine außerordentlich pro-israelische Partei, vermutlich die pro-israelischste Partei im Deutschen Bundestag."

Im Vorfeld hat viele kontroverse Diskussionen gegeben - auch über die Mitglieder dieser Untergruppe der rechtspopulistischen Partei, deren Führung häufig durch den Holocaust verharmlosende Äußerungen Aufsehen erregt hat.

So hatte AfD-Chef Alexander Gauland Hitler und die NS-Zeit als "Fliegenschiss in der Geschichte" bezeichnet.

Einige Hundert Menschen demonstrierten am Sonntag in Frankfurt gegen die Gründung. "Ihr bekommt keinen Koscher-Stempel von uns", sagte Dalia Grinfeld, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), während der Protestveranstaltung. Die JSUD hatte zu der Aktion aufgerufen. Die Polizei sprach von 250 Teilnehmern.

Judenfeindlichkeit? Gibt es in der AfD nicht, erklärte der baden-württembergische AfD-Vorsitzende Ralf Özkara unlängst der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten». "Wir haben einige Juden in der Partei - wären wir so ein antisemitischer Haufen, wie es uns nachgesagt wird, dann wären die nicht bei uns."

"Die AfD ist die einzige Partei der Bundesrepublik, die (...) muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen", schrieb Gründungsmitglied Dimitri Schulz. Allerdings wollte Dimitri Schulz deutschen Medien zufolge keine Auskunft über seinen jüdischen Glauben geben - und bei der Gründung derVereinigung "Juden in der AfD" wurde Vera Kosova die Vorsitzende. Sie sagte nach der Gründung in Wiesbaden, die AfD distanziere sich von Antisemitismus in jeglicher Form.

Voraussetzung für eine Aufnahme in die Bundesvereinigung sei neben der AfD-Mitgliedschaft eine ethnische oder eine religiöse Zugehörigkeit zum Judentum, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fuhl. Die Bundesvereinigung will sich nach bisherigen Plänen den Namen JAfD geben, wie der Beisitzer im Vorstand, Leon Hakobian, erklärte.

AfD-Bundesvorstandsmitglied Joachim Kuhs meint, er könne die Sorge jüdischer Mitbürger vor einer «muslimischen Einwanderung» verstehen. Viele dieser Zuwanderer verträten antisemitische Positionen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Kuhs ist einer der Vorsitzenden der «Christen in der AfD».

Jüdisch und AfD-Mitglied zu sein, das sei kein Widerspruch, findet Schulz. "Dass sich in den Reihen der AfD einzelne tatsächliche Antisemiten (...) finden, leugnen wir nicht; nur wird in der öffentlichen Wahrnehmung der Einfluss dieser einzelnen Mitglieder maßlos überschätzt."

Karin Prien (CDU), Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, sieht das anders. "Die AfD mit ungeklärtem Verhältnis zu Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus kann kein guter Ort für Menschen jüdischen Hintergrundes sein", sagte Prien. Sie ist zugleich auch Sprecherin des Jüdischen Forums in der Union. "Am Ende sind Antisemitismus und Islamfeindlichkeit zwei Seiten der gleichen Medaille."

Auch das ehemalige Zentralratsmitglied Michel Friedman ist überzeugt, "dass für Bürger jüdischen Glaubens die AfD die falsche Partei ist". Es handle sich um eine Partei, "in der Judenhass und die Relativierung des Holocaust in Teilen der Führung ein Zuhause hat", sagte der Frankfurter Publizist der FAZ. "Sie ist autoritär und antidemokratisch. Deswegen ist diese Partei nicht nur für Juden, sondern für jeden Demokraten der falsche Ort."

Was hat die jüdischen AfD-Mitglieder nun aber zu diesem Schritt getrieben? Für den Rechtspopulismus-Forscher Matthias Quent ist die geplante Vereinsgründung vor allem ein taktisches Kalkül. Sie sei Teil einer "janusköpfigen Strategi"», sagte der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena dem HANDELSBLATT.

Einerseits würden antisemitische Karikaturen, Stereotype und Verschwörungstheorien von AfD-Funktionären verbreitet, andererseits werde das Verhältnis zu Juden instrumentalisiert. Dabei hätten Studien gezeigt, dass Antisemitismus in der Wählerschaft der AfD "signifikant weiter verbreitet ist, als bei den anderen Parteien und im Bevölkerungsdurchschnitt".

Mehrere jüdische Vereinigungen in Deutschland haben sich klar und deutlich gegen die JAfD ausgesprochen.