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Rapperin Ana Tijoux über Las Tesis: "Kunst kann Grenzen überwinden"

Ana Tijoux bei einem Auftritt
Ana Tijoux bei einem Auftritt   -   Copyright  Archiv
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Von Chile aus ist die LasTesis-Hymne "Der Vergewaltiger bist Du" um die Welt gegangen. Aber nicht nur dieser Song steht für den Protest chilenischer Künstler.

Die 1977 im französischen Lille geborene Rap-Musikerin Ana Tijoux unterstützt die Protestbewegung in Chile. Ihre Eltern sind Chilenen, die vor der Pinochet-Diktatur geflohen waren. Euronews hat mit Ana Tjoux gesprochen.

Die Proteste in Santiago de Chile begannen 2019 nach einer Erhöhung der Fahrscheinpreise für die Metro. Die Demonstranten forderten aber auch eine bessere Gesundheitsversorgung und gerechtere Bildung sowie eine neue Verfassung.

Nach drei Monaten - teils gewaltsamer - Demonstrationen begann der Präsident einzulenken. Die Regierung und das Parlament wollen für Mai ein Referendum organisieren, bei dem entschieden werden soll, ob eine neue Verfassung ausgearbeitet werden soll.

Ana Tijous sagt, es gehe nicht nur um Chile und nicht nur um Musiker.

"Die Stimmen, die aufbegeheren, sind nicht nur die von Musikern, es geht um die Verantwortung für das Land."

"Siehst Du nicht, dass wir nicht allein sind? Wir sind Millionen - von Pol zu Pol! Wir alle fragen uns, was die Politik macht, ich denke, die Proteste hier werden andauern, sie waren schon immer hier, nicht dass sie es waren... aber jetzt sind die Kämpfe vereint", sagte sie Euronews.

"Tatsächlich erkennen wir uns so sehr wieder in dem, was im Libanon geschieht, im Irak, in Haiti oder in Kolumbien... wir erkennen uns selbst, sie kämpfen gegen sehr ähnliche Dinge, es hat mit Bildung zu tun, mit einem anständigen Leben [...] was jetzt passiert, ist, dass wir uns jetzt vereint haben, und deshalb werden wir sichtbarer".

Ana Tijoux ist eine Stimme der Revolte, ihre Lieder sind Hymnen des gesellschaftlichen Aufstands in Chile, auch wenn sie in Frankreich lebt. Die Französin verließ das südamerikanische Land einige Monate, bevor sich der Protest schließlich vor allem gegen die chilenische Regierung richtete.

"Cacerolazo" - (der laute Protest mit Töpfen) von Ana Tijoux

Ana Tijourx erklärt, dass sie mit Widersprüchen leben muss. "Ich denke, dass wir Künstler sehr viel Macht haben", obwohl sie einschränkt, dass die Stimme von "allen getragen wird, nicht nur von den Musikern". Sie meint, es gebe etwas, das eine allgemeine Verantwortung für das Land sei. "Es ist eine Verantwortung, die wir als Volk tragen und die uns auch kennzeichnet und identifiziert. Ich denke, es ist nicht nur die Musik... es sind offensichtlich Schulen, die Welt der Gewerkschaften, die Welt der Bauern, die Welt der Studenten, die Welt der Künstler".

In diesem Sinne ist Ana Tijoux sehr "bewegt" vom internationalen Erfolg von Lastesis. Sie meint, dass die Performance, die Aufführungen die Botschaft des Songs transportieren.

Kunst kann "Sprachen, Grenzen und Länder überwinden"

Darüber hinaus erneuert und rechtfertigt die Leistung dieses feministischen Kollektivs für Tijoux die Rolle der Kunst als Vehikel zur Vermittlung von Ideen und Forderungen. "Es zeigt ganz und gar, dass Kunst, Kunst in all ihren Formen und Arten eine Antwort auf die Macht ist. Es ist eine Kritik an allem, was sich etabliert hat. Und auch bei den Vorschlägen handelt es sich nicht nur um Kritik, sondern um Vorschläge. Ich denke, dass man endlich beginnt, über Kunst zu sprechen und die Kunst ernst zu nehmen."

"Kunst muss nicht mitfühlend sein, sie muss herausfordern, sie muss etwas provozieren, sie muss emotional etwas erzeugen und das Herz für das Denken öffnen", fügt Tijoux hinzu. "Lastesis hat, gezeigt, dass es möglich ist, Sprachen, Grenzen, Länder zu überschreiten, dass wir uns in den Kämpfen mit unseren Singularitäten erkennen, aber wir erkennen uns selbst, und das zeigt, dass es eine grundlegende internationalistische Rolle gibt".

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