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Last Minute: Brexit-Handelsgespräche, Merkel hofft noch auf Einigung

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Von Euronews mit dpa
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EU-Chefunterhändler Michel Barnier gefolgt von Anti-Brexit-Protestierenden in London
EU-Chefunterhändler Michel Barnier gefolgt von Anti-Brexit-Protestierenden in London   -   Copyright  Matt Dunham/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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In letzter Minute werden in London die Brexit-Handelsgespräche fortgesetzt. Ein Ausstieg aus dem Binnenmarkt ohne Freihandelsabkommen rückt bedrohlich näher. Zugeständnisse beider Seiten sind für eine Einigung erforderlich.

Eine große Hürde ist die Fischerei. Die EU will weiterhin in britischen Gewässern fischen, Großbritannien hingegen möchte den Zugang und die Quoten kontrollieren.

Aber auch die britischen Landwirte machen sich Sorgen, 70 Prozent ihrer Exporte gehen in die EU.

Mark Bridgeman, Präsident des britischen Landwirtschaftsverbands CLA: "Jeder guckt gerade auf den Schafsektor, weil 40 Prozent des Lammfleisches exportiert werden und 90 Prozent davon nach Europa. Wenn wir also nicht zu einer Einigung kommen, wird das für den britischen Agrarsektor ein wirklich großes Problem."

Während das Tauziehen auf beiden Seiten des Ärmelkanals für die Wirtschaftsverbände ein Nervenspiel ist, zeigt sich Schottlands Regierungsschefin Nicola Sturgeon kämpferisch. Sie hat sich auf dem Online-Parteitag ihrer Scottish National Party (SNP) mit einem emotionalen Appell an die EU gewandt. Sturgeon hat angekündigt, ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands anzustreben, wenn ihre Scottish National Party bei den Wahlen im Mai gewinnt.

Nicola Sturgeon: "Ihr seid ein Teil von dem, was wir sind"

Nicola Sturgeon: "Ich möchte diese Botschaft an unsere europäischen Freunde und Nachbarn senden: Ihr seid ein Teil von dem, was wir sind - und werdet es immer sein. Ihr seid uns nicht fern. Denjenigen, die aus anderen Ländern gekommen sind, um hier bei uns zu leben, vielen Dank, bitte bleibt. Und an die anderen Länder der EU: Schottland will zurückkommen und wir hoffen, dass wird das bald als unabhängiger Mitgliedstaat tun können."

In Schottland gibt es nach wie vor ein großes Bedürfnis nach Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich - in kürzlichen Umfragen sprach sich sogar eine Mehrheit der Schotten für eine Abkoppelung aus

Merkel hofft weiter auf Brexit-Einigung mit Großbritannien

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt bei den stockenden Gesprächen über einen Brexit-Handelspakt trotz knapp werdender Zeit auf eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien. "Wir hoffen, dass es noch ein sozusagen gutes Ende nimmt mit diesen Verhandlungen", sagte Merkel am Montag bei einer Videokonferenz mit den Europaausschüssen der EU-Staaten sowie des Europaparlaments.

Zugleich betonte Merkel, dass die EU kein Abkommen um jeden Preis brauche. "Wir wollen eins, aber wir werden sonst auch Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind."

Es sind nur noch fünf Wochen bis zum Ende der gegenwärtigen Übergangsperiode, in der die Handelsbeziehungen weitgehend unverändert geblieben sind. In seiner jetzigen Form wird Großbritannien den europäischen Handels- und Zollraum am 31. Dezember verlassen, ohne Aussicht auf eine Verlängerung.

Ein Scheitern der Einigung würde dazu führen, dass Großbritannien und die EU zu den Bedingungen der Welthandelsorganisation (WTO) Handel betreiben würden, wobei auf Waren, die von und nach Europa gehen, sofort Zölle erhoben würden.

Kommt keine Einigung zustande, erwarten Experten ein Chaos durch Zollkontrollen an den Grenzen.