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Das sind die Kandidaten für den CDU-Vorsitz

Diskussionsrunde der Kandidaten für den CDU-Vorsitz, 14.12.2020
Diskussionsrunde der Kandidaten für den CDU-Vorsitz, 14.12.2020   -   Copyright  Markus Schreiber/Copyright {yr4} The Associated Press. All rights reserved
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Auf ihrem ersten komplett digitalen Parteitag werden die Christdemokraten am kommenden Samstag über einen neuen Vorsitzenden entscheiden. Ins Rennen gehen Friedrich Merz, Wirtschaftspolitiker und zuletzt Lobbyist für den weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Norbert Röttgen, alle drei stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Der neue Parteivorsitzende hat zudem gute Chancen, Bundeskanzlerin Angela Merkel im Amt zu beerben. Denn im September 2021 stehen Bundestagswahlen an und Merkel, die seit 2005 Regierungschefin ist, will nicht noch einmal antreten. In Umfragen liegen derzeit die Unionsparteien CDU und die nur in Bayern antretende CSU, klar vorn.

Die verschobene Wahl

In zwei Runden am 14. Dezember und am 8. Januar haben sich Kandidaten live in 15-minütigen Reden präsentiert. CDU-Mitglieder konnten ihnen einzeln Fragen stellen. Am kommenden Samstag werden nun 1001 Delegierte digital den neuen CDU-Chef wählen. Anschließend müssen ihre Wahl per Brief bestätigen, um so ein rechtssicheres Ergebnis zu garantieren. Das finale Ergebnis soll am 22. Januar feststehen, nachdem die Wahlbriefe öffentlich ausgezählt wurden.

Mitverfolgen kann man die beiden Plenartage live auf cdu-parteitag.de.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet

2017 hatte Laschet als Oppositionsführer die Sozialdemokraten in deren einstiger Hochburg besiegt. Seither regiert er in einer Koalition mit den Liberalen in Nordrhein-Westfalen. Laschet gilt als derjenige unter den Kandidaten, die den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel am ehesten fortsetzen wird. Er wirbt mit seiner Regierungserfahrung in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland Nordrhein-Westfalen. "Es ist gut, Parteivorsitzende zu haben, die auch in Regierungsverantwortung stehen. Das hat sich bewährt", sagte er gegenüber dem Spiegel.

Außenpolitiker Norbert Röttgen

Nach seiner Wahlschlappe 2012 als Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen und seiner Entlassung als Bundesumweltminister ist der promovierte Jurist zuletzt als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag zu Ansehen gelangt. Der lange als Außenseiter geltende Röttgen hat in den vergangenen Wochen in den Umfragen zugelegt. Er positioniert sich mit zwischen dem konservativen Merz und dem Merkel-getreuen Laschet. Zuletzt hatte er verstärkt auf Wirtschafts- und Umweltthemen gesetzt. Man dürfe diese Themen nicht gegeneinander ausspielen.

Wirtschaftslobbyist Friedrich Merz

Der Rechtsanwalt Friedrich Merz war einige Zeit von der Bildfläche der CDU/CSU verschwunden. Erst als Angela Merkel 2018 den Parteivorsitz aufgab, erschien 65-Jährige wieder und kandidierte für den Parteivorsitz. In der Stichwahl gegen Annegret Kramp-Karrenbauer unterlag er jedoch knapp. Es gilt als wirtschaftsliberal und ist vor allem beim konservativen Teil der Partei und in der Parteijugend beliebt. Bis 2009 war er Mitglied des Bundestags, arbeitete dann aber für längere Zeit in der Wirtschaft. Zuletzt war er Vorsitzender des Aufsichtsrates der BlackRock Asset Management Deutschland AG, die Milliarden verwaltet. Merz ist allerdings auch der umstrittenste der drei Kandidaten. So hatte er beispielsweise nach der Verschiebung eines Parteitags aufgrund der Corona-Krise Teilen des "Partei-Establishments" vor, ihn an der Parteispitze verhindern zu wollen.

In der Öffentlichkeit haben einige seiner Äußerungen für Empörung gesorgt. So hatte er im September 2020 während eines Interviews auf die Frage, ob er sich einen homosexuellen Bundeskanzler vorstellen könne gesagt "Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion." Aus der Sicht zahlreicher Kritiker kam das einem Vergleich zwischen Homosexualität und Pädophilie gleich.

Kanzlerfrage wird erst nach den Landtagswahlen entscheiden

Eine Bewährungsprobe für den neuen CDU-Chef werden die anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März. Erst danach will sich die Union auf einen Kanzlerkandidaten einigen. Für Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble reiche ein Zeitpunkt nach Ostern (Anfang April) aus, "damit die Union einen gemeinsamen und überzeugenden Wahlkampf führen kann."

Wer letztendlich Kanzlerkandidat wird, bestimmen CDU und ihre Schwesterpartei CSU gemeinsam. Traditionell stellt der Chef der Christdemokraten auch den Kanzlerkandidaten. Doch in diesem Jahr werden auch Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) wegen anhaltender guter Umfragewerte und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als mögliche Kandidaten gehandelt. Spahn hatte Berichte, wonach er diese Option in Erwägung ziehe, zuletzt dementiert. Auch Söder hatte betont, dass sein Platz in Bayern sei.