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Immun gegen Corona? Neugeborene von infizierten Müttern haben Antikörper

Haare ziehen
Haare ziehen   -   Copyright  Zach Lucero on Unsplash
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Können Babys schon im Mutterleib eine Immunität gegen Corona entwickeln, wenn sich ihre Mutter während der Schwangerschaft mit Corona angesteckt hat? Dieser Frage sind die Forscher aus Philadelphia, Pennsylvania, nachgegangen. Ihre Ergebnisse haben sie jüngst in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht.

Für ihre Studie haben die Forscher Blutproben von 1.470 Schwangeren zum Zeitpunkt der Entbindung analysiert, von denen 83 Antikörper gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 enthielten. Bei diesen Frauen entnahmen sie zusätzlich Nabelschnurblutproben der Säuglinge.

Dabei konnten sie feststellen, dass die überwiegende Mehrheit der Babys, die von den Frauen entbunden wurden, ebenfalls Antikörper gegen das Coronavirus enthielten. Den Forschern zufolge deutet das daraufhin, dass die Babys diese passive Immunität über die Mutter mitbekommen hatten.

Neugeborene mit Antikörpern gegen Corona

Die Anzahl der Antikörper, die an das Baby weitergegeben wurden, hing weitgehend von der Art und Menge der Antikörper ab, die bei der Mutter vorhanden waren, und davon, wann sie sich während der Schwangerschaft mit COVID-19 infiziert hatte.

Je länger der Zeitraum zwischen der Infektion der Mutter und der Geburt, desto mehr Antikörper konnten bei den Babys nachgewiesen werden. Diese Beobachtung war unabhängig davon, ob die Mutter COVID-19-Symptome entwickelte oder nicht.

Die Autoren schreiben: "Es bleibt noch einiges zu tun, um festzustellen, welche Menge und Art von Antikörpern benötigt werden, um Neugeborene vor einer SARS-CoV-2-Infektion zu schützen, und wie lange diese Antikörper bei Neugeborenen erhalten bleiben".

Eine weitere wichtige Frage ist zudem, wie gut die von der Mutter übertragenen Antikörper das Coronavirus daran hindern können, neue Zellen zu infizieren, sprich eine Infektion beim Baby auszulösen.

Nicht alle Antikörper gelangen zum Fötus

In der Studie hat das Team nun speziell nach Antikörpern gesucht, die sich an das Spike-Protein des Coronavirus heften, eine Struktur auf der Oberfläche des Virus'. Diese von den Forschern gesuchten Antikörper, auch RBD-Antikörper genannt, zielen alle auf den Teil des Spikes, der sich direkt an den Rezeptor der Zellen bindet. Sie sind besonders wichtig, um das Coronavirus beim Eindringen in die Zellen zu blockieren.

Doch die mütterliche Plazenta lässt nicht alle dieser Antikörper ungehindert zum Fötus vordringen. Nur besonders kleine, Y-förmige Antikörper namens Immunglobulin G (IgG) können den Fötus über ein ausgeklügeltes Transportsystem erreichen und einen entsprechenden Immunschutz bieten.

Was passierte bei den Babys ohne Antikörper?

Die Studie ergab folgendes: 72 der 83 Babys, die von Antikörper-positiven Müttern geboren wurden, hatten IgG in ihrem Nabelschnurblut. Die Gesamtmenge korrelierte mit den IgG-Konzentrationen im Blut der Mütter. Bei elf Neugeborenen könnten keine Antikörper nachgewiesen werden.

Die Forscher erklären das wie folgt: Sechs der Mütter hatten einen relativ niedrigen IgG-Werte. Das deutet den Forschern zufolge daraufhin, dass sie sich relativ frisch infiziert hatten und die Zeit, um Antikörper zu produzieren und über die Plazenta zu übertragen, zu kurz war.

Die Mütter der anderen fünf Babys wurden nur auf sogenannte IgM-Antikörper positiv getestet, die die Plazenta nicht passieren können. Sie treten in der Frühphase einer Infektion auf und verschwinden wieder, sobald die Infektion abgeklungen ist. Wenn diese IgM-Antikörper bei einem Fötus oder Neugeborenen nachgewiesen werden, ist das ein Hinweis darauf, dass sich das Baby direkt mit dem Virus infiziert hat. Bei den Babys der Studie war das nicht der Fall.

Die Studie zeigt vor allem eins: Das die IgG-Antikörper über die Plazenta zum Baby vordringen. Nun muss daran geforscht werden, wie gut diese Antikörper das Neugeborene vor einer tatsächlichen Infektion schützen können und ob man in Erwägung ziehen sollte, zukünftig Schwangere gegen Corona zu impfen. Zwar dürfte es dabei primär um den Schutz der Mutter gehen, dennoch wäre der Schutz des Babys ein großes Plus.

Weitere Quellen • JAMA Pediatrics