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Leiter der Mordkommission: Gewalt gegen Floyd "völlig unangebracht"

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Leiter der Mordkommission: Gewalt gegen Floyd "völlig unangebracht"
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Im Prozess um den Tod von George Floyd hat der Leiter der Mordkommission von Minneapolis, Richard Zimmerman, ausgesagt. Ihm zufolge haben sich Polizist Derek Chauvin und seine Kollegen falsch verhalten.

Knie auf dem Hals "absolut unnötig"

Floyd habe durch die mit Handschellen auf dem Rücken fixierten Arme ohnehin schon schwer atmen können. Niemals dürfe man eine Person in dieser Situation in Bauchlage auf den Boden drücken.

Diese Formen von Gewalt bei der Verhaftung Floyds seien "absolut unnötig" gewesen. "Ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu pressen und noch dazu das Knie so lange auf den Hals zu drücken, war völlig unangebracht. Ich sehe keinen Grund, warum die Beamten sich bedroht gefühlt haben sollten, wenn es das war, was sie fühlten", so Zimmerman.

Er selbst und auch kein anderer Polizist in Minneapolis sei je darin geschult worden, sich in solch einer Situation auf den Nacken einer Person zu knien. Vielmehr seien die Beamten dazu verpflichtet gewesen, einen Notarzt zu rufen, als Floyd um Hilfe rief.

Damit entkräftet der hochrangige Ermittler das Argument der Verteidigung, Chauvin habe nur das getan hat, wozu er ausgebildet wurde und die eigentliche Todesursache sei eine Überdosis Drogen.

Urteil Ende April erwartet

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Videos haben dokumentiert, wie Polizisten den unbewaffneten Floyd zu Boden drückten.

Chauvin presste dabei sein Knie fast neun Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten Floyd wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Chauvin hat auf nicht schuldig plädiert. Der schwerwiegendste Anklagepunkt lautet Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Nach deutschem Recht entspräche dies eher Totschlag.

Das Urteil gegen Chauvin fällt voraussichtlich Ende April. Ihm drohen mehrere Jahrzehnte Haft. Neben Chauvin sind drei weitere Ex-Polizisten angeklagt, die in einem separaten Verfahren ab August vor Gericht stehen werden. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten langjährige Haftstrafen drohen.