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Merkel bei Johnson und Queen

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Von Euronews mit dpa
Der britische Premierminister Boris Johnson hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seinem Landsitz in Chequers getroffen, 02.07.2021
Der britische Premierminister Boris Johnson hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seinem Landsitz in Chequers getroffen, 02.07.2021   -   Copyright  Stefan Rousseau/AP
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Bei dem Treffen zwischen dem britischen Premierminister Boris Johnson und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dessen Landsitz Chequers nordwestlich von London haben beide die guten Beziehungen ihrer beiden Staaten in der Vordergrund gestellt. Diese wollen sie mit einem Kooperationsvertrag und regelmäßigen Konsultationen pflegen. Letztere sollen einmal pro Jahr stattfinden und Vertretern beider Länder die Möglichkeit geben, über zentrale Fragen der Beziehungen auszutauschen.

Engere, bilaterale Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland?

Zwar beginne mit dem Brexit ein neues Kapitel, so Merkel, allerdings ist Johnson der Auffassung, dass sein Land trotz der Spannungen mit der EU seine Beziehung zu Deutschland vertiefen könne.

Konkret genannt wurde der als "Würstchenstreit" bekannt gewordene Disput um die Einfuhr von gekühlten Fleischprodukten nach Nordirland, der nach längerem Hin und Her für drei Monate aufgeschoben wurde. "Stellen Sie sich vor, Bratwurst könnte nicht von Dortmund nach Düsseldorf gebracht werden. Das müssen wir wirklich klären", so Johnson. Eine endgültige Lösung ist noch nicht in Sicht. Merkel betonte, dass es an der Umsetzung des Nordirland-Protokolls noch hapere.

Der Brexit-Austrittsvertrag legt fest, dass Nordirland als Teil des europäischen Binnenmarktes behandelt werden soll, um so beispielsweise Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland zu verhindern. Umgekehrt entstehen diese aber, wenn Waren von England, Schottland, Wales nach Nordirland gebracht werden sollen. Die Briten und die EU machen sich dafür gegenseitig verantwortlich.

"Das soll jedoch einer engeren bilateralen Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland nicht im Wege stehen", erklärte Johnson.

Großbritannien schon bald Hochinzidenz-Gebiet?

Hoffnungen machte die deutsche Kanzlerin den Briten mit Hinblick auf die Einreisebeschränkungen. Sie gehe davon aus, dass Großbritannien in "absehbarer Zeit" vom Virusvariantengebiet zum Hochinzidenz-Gebiet heruntergestuft werde. Inzwischen macht die in Großbritannien vorherrschende Delta-Variante schon mehr als 30 Prozent der Neuinfektionen in Deutschland aus.

Auf Nachfrage eines Journalisten brachte die Kanzlerin ihre Besorgnis angesichts der Zuschauer-Regelungen im Londoner Stadion Wembley zum Ausdruck. Dort sollen für die Halb- und Endfinalspiele der Fußball-EM 54.000, bzw. 60.000 Fans die Spiele live verfolgen können. Nach einem Spiel Englands gegen Schottland in der Vorrunde hatten sich mindestens 400 schottische Fans angesteckt, sie waren danach positiv getestet worden.

Briten dürfen derzeit nicht ohne weiteres in Deutschland einreisen, auch wenn sie vollständig geimpft sind. Für Einreisende mit deutscher Staatsbürgerschaft oder mit ständigem Wohnsitz in Deutschland gilt diese Regelung nicht. Sie müssen aber dennoch 14 Tage lang in Quarantäne bleiben.

In andere EU-Länder können Briten allerdings weiterhin relativ problemlos einreisen. Merkel hatte sich dafür ausgesprochen, EU-weit eine einheitliche Regelung für britische Touristen durchzusetzen, ist aber damit bislang am Widerstand der stark vom Tourismus-abhängigen Staaten wie Spanien oder Griechenland, gescheitert.

Zum Schluss kam auch das Aus für die deutsche National-Elf bei den Europameisterschaften zur Sprache. Premier Boris Johnson bedankte sich und sagte: "Manche Dinge haben sich während deiner Amtszeit bis zur Unkenntlichkeit verändert, aber die längste Zeit war es Tradition, dass England bei internationalen Fußballturnieren gegen Deutschland verliert. Ich bin dir natürlich dankbar, dass du mit dieser Tradition gebrochen hast, wenigstens einmal."

Nach dem Treffen mit Johnson ist Merkel zum dritten Mal während ihrer 16-jährigen Amtszeit zu Gast bei Queen Elizabeth II., für die die deutsche Bundeskanzlerin schon häufiger ihre Anerkennung zum Ausdruck gebracht hat.