Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Gibt es in Zukunft mehr Erdbeben?

Access to the comments Kommentare
Von Verena Schad
Zerstörte griechisch-orthodoxe Kirche von Profitis Ilias nach einem starken Erdbeben im Dorf Arkalochori auf Kreta im September 2021
Zerstörte griechisch-orthodoxe Kirche von Profitis Ilias nach einem starken Erdbeben im Dorf Arkalochori auf Kreta im September 2021   -   Copyright  Harry Nakos/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Bereits zum dritten Mal innerhalb kürzester Zeit wurde die griechische Insel Kreta von einem Erdbeben erschüttert. Diese Häufung ist überdurchschnittlich, aber noch nichts Ungewöhnliches, sagen Forscher. Sehr langfristig betrachtet kann der Klimawandel durch Abschmelzen von Eispanzern zu Erdbeben führen, aber nicht in Griechenland.

Warum gibt es gerade so viele Erdbeben in Griechenland?

Am Dienstag hat wieder ein Seebeben die griechische Insel Kreta und Ortschaften der südwestlichen Küste der Türkei getroffen. Das Beben hatte laut des Geodynamischen Instituts Athen eine Stärke von 6,1. Das Zentrum lag rund 130 Kilometer südöstlich von Inseln wie Kreta und Karpathos entfernt im Meer.

Erst vergangene Woche hatte ein Seebeben der Stärke 6,3 nahe Kreta die Menschen aufgeschreckt. Das Beben war bis in die rund 400 Kilometer entfernte griechische Hauptstadt Athen zu spüren. Vor drei Wochen war bei einem ähnlich starken Beben auf Kreta ein Mensch ums Leben gekommen.

"Diese moderaten bis größeren Erdbeben in und um Kreta sind in den letzten Tagen überdurchschnittlich häufig aufgetreten, sagt Prof. Dr. Marco Bohnhoff vom Deutschen GeoForschungszentrum in Potsdam. "Aber geophysikalisch und tektoisch ist das überhaupt nichts Ungewöhnliches."

Gerade in dieser Gegend seien die Bewegungen der Kontinentalplatten besonders stark. "Die Insel Kreta ist eine Art Prellbock im östlichen Mittelmeerraum", erklärt Bohnhoff. Die afrikanische Platte schiebt sich unter die europäische, auf sehr lange Sicht schließt sich das Mittelmeer - ein Prozess der Jahrmillionen dauert.

Von einer anormalen Häufung kann also nicht die Rede sein; die Beben finden ständig, aber unregelmäßig statt. Die Forscher könnten vorhersagen, wo in etwa Erdbeben zu erwarten seien und mit welcher Stärke. Eine Unsicherheit bleibe der Zeitpunkt. Wann die Menschen von einem Beben heimgesucht werden, sei in der Regel nicht vorhersehbar, so Bohnhoff.

Kann der Klimawandel zu mehr Erdbeben führen?

Kurzfristig und global nein, sehr langfristig und lokal betrachtet durchaus. Durch den Klimawandel schmelzen zum Beispiel die schweren Gletscher auf Grönland, aber auch in den Alpen oder auf Island. Die darunterliegenden Landmassen und damit auch die Kontinentalplatten werden entlastet. Wenn die Eismassen schmelzen, werden die Platten leichter und steigen auf, denn sie liegen auf einer flexiblen, heißen Gesteinsmasse, dem Erdmantel. Das gehe allerdings sehr langsam vonstatten, wir reden hier von hunderten oder tausenden Jahren, sagt Marco Bohnhoff.

Die letzte Eiszeit liegt ungefähr 10.000 Jahre zurück. Und noch immer seien die Auswirkungen der danach einsetzenden Gletscherschmelze in Skandinavien zu beobachten. Damals von einem großen Gewicht befreit, hebe sich die Kontinentalplatte dort immer noch um etwa einen Zentimeter pro Jahr an. Diese Anhebungen könnten auch Entlastungsbeben auslösen, so Bohnhoff.

Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass die Gletschermassen in Grönland abschmelzen, könnte auch das Beben auslösen. Diese seien lokal begrenzt und würden sich dort an vorgeladenen Störzonen ereignen, erklärt Bohnhoff, der Professor für "Experimental and Borehole Seismology" an der Freien Universität Berlin ist und am Geoforschungszentrum Potsdam forscht.

Ein Entwicklungsprozess von Jahrhunderten und Jahrtausenden

Mögliche künftige Beben infolge von durch Schmelze entlasteten Kontinentalplatten wären ein Prozess, der lokal auftreten würde, nicht plötzlich, sondern über einen langen Zeitraum von Jahrhunderten und Jahrtausenden - selbst bei schnell voranschreitendem Klimawandel. Viele Untersuchungen gebe es dazu allerdings noch nicht, ergänzt der Forscher.

Langfristig betrachtet könnte der Klimawandel also zu mehr Erdbeben führen, allerdings nur an bestimmten Orten und über einen sehr langsamen Entwicklungszeitraum. Diese langsame kontinuierliche Landhebung bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es zu Erdbeben kommt.

Beben wie die aktuell um Kreta haben mit dieser Entwicklung nichts zu tun und stehen in keiner Verbindung mit dem Klimawandel, sie sind Auswirkung ganz gewöhnlicher tektonischer Verschiebungen.

***