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Impf-Debatte um Kimmich (26): Falsches Vorbild oder Unfug?

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Von Euronews  mit dpa
Joshua Kimmich
Joshua Kimmich   -   Copyright  Michael Sohn/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Mit seinem Bekenntnis, bislang nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein, hat Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich eine emotionale, gesellschaftliche Debatte ausgelöst.

Der 26-Jährige gilt als reflektierter Profi im Fußballgeschäft und möglicher Erbe von Manuel Neuer als Bayern- und DFB-Kapitän. Joshua Kimmich ist als Topstar ein Vorbild für viele Menschen und hat in der Vergangenheit für die selber ins Leben gerufene Hilfsinitiative "We kick Corona" gewor´ben.

Seit seinem Outing in Sachen Impfzurückhaltung werfen ihm Einige, vor allem in den sozialen Netzwerken, mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor, während andere die öffentliche Diskussion um den Impfstatus des Sportlers für überzogen halten.

Er habe "persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht", hatte Kimmich am Samstag erklärt. Er sage nicht kategorisch, dass er sich "überhaupt nicht impfen lasse". Es sei "auch sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse", betonte Kimmich im TV-Sender Sky.

Thomas Mertens: Kimmich ist "kein Fachmann in Fragen der Impfung"

Nun hat sich auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, zur Causa Kimmich geäußert. "Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich, und die soll es auch bleiben! Die Debatte um Kimmich ist ein grenzenloser Unfug", sagte der 71-Jährige der Bild-Zeitung. Man würde niemals über private medizinische Entscheidungen von Kimmich diskutieren, "wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert", erklärte der Stiko-Vorsitzende.

Allerdings sagte Mertens gegenüber der Deutschen Presseagentur auch, dass Kimmich sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe sei. Das 18-köpfige Expertengremium der Stiko spricht sich klar für die Impfung gegen Covid-19 aus.

Alena Buyx: Kimmich ist beim Thema Impfen "ganz schlecht beraten"

"Joshua Kimmich ist einfach ein Vorbild, zu ihm schauen Leute auf, ihm hören Millionen zu", sagte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, am Montag dem Sender Sky. Sie findet den Nationalspieler beim Thema Impfen "ganz schlecht beraten" und hofft, dass er sich noch impfen lässt. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert hatte auf die "Vorbildwirkung" des Nationalspielers verwiesen.

Bayern-Ehrenpräsdent Uli Hoeneß sieht die Medien als Triebfeder der heftigen Impf-Debatte um Kimmich. Sie seien "verantwortlich für den Tsunami", sagte der 69-Jährige am Rande der Premiere der Doku-Serie "FC Bayern - Behind The Legend".

Der ehemalige Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge sagte bei derselben Veranstaltung: "Wenn ich einen Spieler kenne, der extrem verantwortlich und vorbildlich mit vielen Dingen im Leben umgegangen ist, dann war es immer Joshua".

Kimmichs Aussage könnte jedoch der Impfkampagne des DFB schaden ("Schiri, ich hab' schon Gelb"). Bundestrainer Hansi Flick, Kapitän Neuer und viele weitere Spieler und Trainer engagieren sich dafür. Schließlich sorgen die Impfungen für volle Stadien, denn ungeimpfte Fans vieler Bundesligisten kommen da nicht rein, wenn sie weder immunisiert noch genesen sind.

Kimmich muss nun damit leben - vermutlich ungewollt - eine Welle losgetreten zu haben, auf der auch Impfgegner mitschwimmen können.

In eigener Sache: Entschuldigung für ungeprüfte Veröffentlichung

Comedian Fabian Köster, bekannt aus der heute-Show, hatte die hitzige Debatte um Kimmich genutzt, um dem ehemaligen Fußballprofi Mario Basler ein Zitat in den Mund zu legen. Diesen, am Samstag auf Twitter veröffentlichten Spruch, hat Euronews aufgegriffen, als bare Münze genommen und in einem Artikel veröffentlicht ohne die Quelle zu prüfen. Dafür bitten wir um Entschuldigung.