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Prosecco gegen Prosek

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Von Julika Herzog  mit AP
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Prosecco gegen Prosek
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Prosecco gegen Prošek - der sogenannte "Weinkrieg" zwischen Kroatien und Italien geht in die nächste Runde. Die Kroaten wollen, dass die EU ihren Wein anerkennt, dessen Name so ähnlich klingt wie der des berühmten italienischen Schaumweins. Die Italiener wollen das verhindern.

Im vergangenen September stimmte die EU zu, den Antrag Kroatiens zu prüfen, seinem Prošek-Wein eine geschützte Ursprungsbezeichnung zu verleihen. Italienische Erzeuger schäumen, ihr Argument: der "italienisch klingende" Name würde die Verbraucher verwirren.

Beide Länder hatten 60 Tage Zeit, um Einspruch einzulegen. Die italienische Regierung und der italienische Bauernverband "Coldiretti" haben der EU-Kommission nun ihren formellen Einspruch gegen den kroatischen Antrag geschickt.

"Wir tun dies um den Endverbraucher zu schützen. Wenn der Verbraucher sowohl Prosecco als auch Prošek vor sich hat, könnte er ein wenig verwirrt sein. Es gibt viele Italiener, die glauben, dass Prošek die englische Übersetzung von Prosecco ist."

Obwohl die italienische Marke Prosecco schon mehrmals bedroht war, ist dieser Fall einzigartig, so der Staatssekretär für Landwirtschaft, Gian Marco Centinaio, weiter:

"Wenn ausgerechnet der Prosecco angegriffen wird - Italiens meistverkaufter Wein auf der ganzen Welt -, ist es normal, dass dies plötzlich zu einer nationalen Angelegenheit wird. Außerdem kommt der Angriff direkt aus einem europäischen Land, innerhalb der EU. Bisher hatten wir Probleme mit so genannten "italienisch klingenden" Namen, die in Ländern außerhalb der EU genutzt wurden, wie in den USA oder in China."

Kroatien argumentiert, der süße Dessertwein Prošek werde seit Jahrhunderten im Süden des Landes produziert und sei somit Teil des kroatischen Kulturerbes.

Die Italiener kontern, Prošek sei nur ein anderer Name für das Dörfchen Prosecco, nahe der slowenischen Grenze, wo vor Jahrhunderten die Geschichte des italienischen Proseccos begann.

"Es sind zum Beispiel immer noch Flaschen zu finden, die von italienischen Winzern aus dem letzten Jahrhundert unter dem Namen Champagner hergestellt wurden. Und genau dasselbe geschah in Kroatien im Jahr 1700. Der Name, den sie für ihren Wein benutzten, hat einfach an die ursprüngliche Bezeichnung erinnert, die von dem Dorf Prosecco kommt, das im Slowenischen den Ortsnamen Prošek trägt", erklärt Luca Giavi, Generaldirektor des Verbands "Consorzio di tutela Prosecco Doc".

Der Prosecco kommt also aus dieser italienischen Region, nur Weine aus dem Anbaugebiet zwischen Conegliano und Valdobbiadene - das 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde - dürfen sich Prosecco nennen.

Ein weiterer Grund für die Proseccoverbände sich dem kroatischen Antrag zu widersetzen, auch für Marina Montedoro, Präsidentin des Vereins "COLLINE DEL PROSECCO UNESCO".

"Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe ist ein wichtiger Beitrag zur Wirtschaft der Region. Touristen kommen, um die geologisch sehr besonderen Hügel zu besichtigen, die einzigartig auf der Welt sind. Aber sie kommen auch wegen der Produkte, die sie hier finden und die Teil der lokalen Kultur und Tradition sind. Das ist ein Element, das die Unesco berücksichtigt hat, als sie das Gebiet mit einer solchen Anerkennung ausgezeichnet hat".

Bei dem Streit geht es auf kroatischer Seite nur um einige hundert Flaschen Prošek pro Jahr. Für die Italiener geht es um mehr: 2020 wurden über fünf Millionen Flaschen Prosecco hergestellt, der Prosecco ist eines der meistverkauften Produkte Italiens in der Welt, mit einem Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro.

Viele EU-Länder unterstützen Italien. Denn die Entscheidung könnte einen wichtigen Präzedenzfall für den europäischen Schutz geografischer Bezeichnungen schaffen. Die Entscheidung der EU-Komission wird also nicht nur in Italien und Kroatien mit großer Spannung erwartet.