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Geboosterte sollen auch bei 2G+ von der Testpflicht befreit werden

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Von Alexandra Leistner
Ein Testzentrum in einem Eislanden in Stuttgart: Fällt die 2GPlus-Testpflicht für Geboosterte bald weg?
Ein Testzentrum in einem Eislanden in Stuttgart: Fällt die 2GPlus-Testpflicht für Geboosterte bald weg?   -   Copyright  Marijan Murat/dpa via AP

Menschen, die schon ihre dritte Dosis der Impfung gegen Covid-19, die sogenannte Booster-Impfung, bekommen haben, sollen von der Testpflicht - auch bei geltender 2G-PLUS-Regel befreit werden. Darauf haben sich der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach und die Amtskolleginnen und -kollegen aus den Bundesländern verständigt. Das gab Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek nach der Sitzung bekannt. Ausnahmen gelten alledings für Pflegeheime und Krankenhäuser. Mit dieser Entscheidung sollen mehr Menschen dazu angeregt werden, sich möglichst bald boostern zu lassen..

Mit der Auffrischimpfung habe man nur noch ein geringes Risiko sich zu infizieren, sagte Karl Lauterbach. In einigen deutschen Bundesländern - zum Beispiel Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz - gilt diese vereinfachte Regelung für Geboosterte bereits.

Als die SPD bekannt gab, dass Prof. Dr. Karl Lauterbach Gesundheitsminister wird, sprach Kevin Kühnert, der gerade frisch zum Generalsekretär der Partei ernannt wurde, von einem Nikolauswunsch, der in Erfüllung ging. Damit spielte er auf die Beliebtheit Lauterbachs in der Bevölkerung an. Klar war aber wohl da schon, dass Lauterbach - der sehr aktiv in den sozialen Medien ist - auch polarisieren würde.

Knapp eine Woche nach seiner Ernennung bekam die Forderung des neuen Bundesgesundheitsministers, die Testpflicht für geboosterte Personen anzuschaffen, von Fachleuten heftigen Gegenwind. Nachzulesen ist ein Teil der Dikussion auf Twitter, denn auch Virolog:innen, Intensivmediziner:innen und sonstige Gesundheitsexpert:innen teilen auf der Plattform regelmäßig ihre Einschätzungen mit der Allgemeinheit.

Als am Dienstagmorgen ein Entwurf der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern öffentlich wurde, folgte eine Welle der Empörung in sozialen Netzwerken. Die Virologin Sandra Ciesek sprach von einer "irrsinnigen Idee in der aktuellen Lage und der aktuellen Gefahr durch Omikron: die Testpflicht abschaffen".

Es sei bekannt, dass man sich auch nach einer Boosterimpfung infizieren könne und die Omikron-Variante werde sich so weiter ausbreiten. Ciesek, die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität ist, sorgt sich zudem um die Auswirkungen, die die Abschaffung der Testpflicht auf längere Sicht haben könnte: Zwar wird die breite Gesellschaft erst seit kurzer Zeit geboostert, für viele immunschwache oder vorerkrankte Menschen liegt die Drittimpfung aber bereits weiter zurück.

Die Schutzwirkung des Boosters könnte in dieser Zeit nachlassen und Neuinfektionen somit unbemerkt bleiben. Die Politik sieht den Vorschlag, geboosterte Personen von Tests im Rahmen von 2G+ auszuschließen dagegen als einen neuen Anreiz für das Impfen.

Auch das Infektionsgeschehen, dass langsam zurückzugehen scheint, bestätigt Politiker:innen wie Bayerns Gesundheitsminister Holetschek in seiner Forderung.

Der Mediziner Marc Hanefeld nannte die Pläne eine "Dystopie". "Statt die Leute zu überzeugen oder aber eine allgemeine Impfpflicht einzuführen, versucht man es mit Taschenspieler-Tricks, die am Ende Schaden anrichten."

Kathrin Vogler, Gesundheitspolitikerin der Linken, warnte zudem in der ZEIT davor, dass Personen mit gefälschten Zertifikaten mit dem Wegfallen der Testpflicht sich leichter bei 2G-Plus-Veranstaltungen "reinmogeln" könnten.

Gegenüber den Funke-Medien kritisierte auch die Verbandschefin des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, die Pläne, weil nicht genug über die Schutzwirkung der Impfung gegen die Omikron-Variante bekannt sei.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, soll die Testpflicht für Drittgeimpfte in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen aber weiter gelten. So sollen besonders gefährdete Personen geschützt werden. Manche Gesundheitsexpert:innen fordern auch schon eine vierte Impfung für diese Personengruppen.

In Deutschland gilt bisher als "vollständig geimpft", wer zwei Impfungen erhalten hat. Jetzt wird diskutiert, ob die Auffrischungsimpfung für das Aufrechthalten des Impfschutzes Pflicht wird. In anderen Ländern ist das bereits längst der Fall, da Impfdurchbrüche rund fünf Monate nach der zweiten Impfung immer häufiger werden.

In Frankreich etwa verfällt der "Sanitätspass" sieben Monate nach der Zweitimpfung. Um weiter Zugang zu Veranstaltungen, öffentlichen Einrichtungen, Bars und Restaurants zu bekommen, muss man sich also boostern lassen. Tests, die den gleichen Zugang ermöglichen, sind in Frankreich nur noch 24 Stunden gültig. In Frankreich sind 76 Prozent der Menschen vollständig geimpft.