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Covid-19: Wo die Übersterblichkeit die höchste war seit der Spanischen Grippe 1918

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AP, Ärzteblatt, Spektrum
Auf einer Intensivstation im Wallis in der Schweiz im April 2020
Auf einer Intensivstation im Wallis in der Schweiz im April 2020   -   Copyright  Laurent Gillieron/AP

Ein Forscherteam um Kaspar Staub von der Universität Zürich hat die Übersterblichkeit der vergangenen 100 Jahre anhand von monatlichen Todeszahlen in mehreren Ländern ausgewertet. Der Begriff "Übersterblichkeit" vergleicht die tatsächliche Zahl der Todesfälle mit der Zahl, die erwartet worden war. Allerdings liegen für viele Länder der Erde keine zuverlässigen Statistiken zu den Sterbefällen vor - weder für die vergangenen Jahrzehnte noch aktuell.

"Die Schweiz, Schweden und Spanien sind für die Ermittlung der Übersterblichkeit besonders gut geeignet“, schreiben die Expertinnen und Experten vom Institut für Evolutionäre Medizin an der Uni Zürich laut Ärzteblatt. "Sie verfügen über weit zurückreichende Todeszahlen und waren in beiden Weltkriegen militärisch neutral." Dadurch werden die Angaben weniger von den Kriegstoten beeinflusst als in anderen Ländern.

Die jetzt in den Annals of Internal Medicine veröffentlichten Ergebnisse der Studie zeigen, dass in der Schweiz, in Schweden und in Spanien die Übersterblichkeit im Jahr 2020 höher lag als die meisten monatlichen Übersterblichkeitsraten seit 1918. Damals wütete auch in Europa die Spanische Grippe.

**In der Schweiz lag die Übersterblichkeit 2020 der Studie zufolge bei 12,5 Prozent, **

**in Schweden bei  8,5 Prozent **

**und in Spanien sogar bei 17,3 Prozent. **

Kaspar Straub und sein Team erklären, dass die Übersterblichkeit im Jahr 2020 sogar noch höher gewesen wäre, wenn es nicht wirksame Eindämmungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gegeben hätte. 

Laut der Schweizer Studie hat keine saisonale Grippe und keine Hitzewelle seit dem Ende des Ersten Weltkriegs zu einer höheren Übersterblichkeit geführt als die Covid-19-Pandemie.

In einem ausführlichen Artikel auf Spektrum.de kommt Wissenschaftsjournalist David Adam zu dem Ergebnis, dass die Zahl der offiziell angegebenen Coronatoten weltweit sehr wahrscheinlich weit unter der tatsächlichen Zahl liegt. Einige Forschende beklagen, den Mangel an zuverlässigen Daten. So werden  Satellitenbilder von Gräbern und Friedhöfen hinzugezogen, um für einige Regionen der Welt, Todeszahlen zu ermitteln. 

Doch auch in Deutschland bereitet die Ermittlung der Übersterblichkeit Probleme, weil die Altersstruktur der Bevölkerung offenbar nicht immer ausreichend berücksichtigt wurde. Giacomo De Nicola, Statistiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, meint, dass die übliche Auswertung der Rohdaten zu Fehlern führen könne.

Andere Wissenschafter:innen weisen darauf hin, dass sich viele Menschen zur Übersterblichkeit durch Covid-19 äußern, die gar keine Ahnung von Statistik und wissenschaftlichem Arbeiten mit Todeszahlen haben.