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Lauterbach: Aussetzung der Impfpflicht in Bayern "gefährliches Signal"

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Von Euronews
Gesundheitsminister Lauterbach im Gespräch mit Lothar Wieler (RKI) und Rolf Apweiler, Direktor des director of European Bioinformatics Institutes, 08.02.2022
Gesundheitsminister Lauterbach im Gespräch mit Lothar Wieler (RKI) und Rolf Apweiler, Direktor des director of European Bioinformatics Institutes, 08.02.2022   -   Copyright  Michele Tantussi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Nach dem Alleingang Bayerns, die Impfpflicht in der Pflegebranche aussetzen zu wollen, traf Ministerpräsident Markus Söder harte Kritik. Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach stellte klar, dass Söder damit ein gefährliches Signal gesetzt habe. 

Söder vermittle den Eindruck, dass "der Protest gegen die einrichtungsbezogene Impfpflicht auf der Straße ist wichtiger [sei] als der Schutz der Menschen, die hilflos auf eine gute Versorgung warten". Dass medizinischen Personal eine Impfung ablehne, sei nicht vertretbar. Mitarbeitende in derartigen Einrichtungen müssten den "westlichen Wissensstand" akzeptieren.

Bei einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht handele es sich nicht um "Schikane". Vielmehr gehe es darum, die den Angestellten dort anvertrauten Menschen bestmöglich zu schützen. Er erinnerte an die dramatischen Probleme, als in Pflegeeinrichtungen vor gut einem Jahr zahlreiche Menschen verstorben seien. 

Situation nicht wirklich unter Kontrolle

Lauterbach zeigte sich optimistisch, dass es vor Ostern "deutliche Lockerungen" geben könne. Einer schnellen Aufhebung von Maßnahmen erteilte er jedoch angesichts steigender Infektionszahlen eine Absage, denn die Situation sei nicht wirklich unter Kontrolle, mahnte er. Sollte man zu früh lockern, würde "sich das länger hinziehen". Zudem würde man dann "den Verlauf künstlich verlängern". Neben den steigenden Fallzahlen nannte der SPD-Politiker auch Deutschlands "vergleichsweise sehr alte Bevölkerung" in Europa. "Wir können breite Lockerungen, wie sie derzeit diskutiert werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht vertreten", so Lauterbach.

Insgesamt zeigte er sich dennoch optimistisch: "Ich bin bemüht und sehr ehrgeizig, dass wir gut durch die Omikron-Welle kommen. Im Großen und Ganzen sind wir auf dem richtigen Weg", erklärte Lauterbach und weiter: "Es würde mir viel bedeuten, wenn wir durch die allgemeine Impfpflicht einen schweren Rückfall im Herbst verhindern können."

Bezüglich mangelnder PCR-Test-Kapazitäten gab Lauterbach zunächst Entwarnung. So könnte all diejenigen, die einen positiven Antigen-Test vorzuweisen hätten, nun auch bestätigende PCR-Test machen. Als Obergrenze nannte Lauterbach 450.000 Tests pro Tag. 

"Bleiben wir ruhig" - Wieler

RKI-Chef Lothar Wieler, der zuletzt wegen der Verkürzung des Genesenenstatus in die Kritik geraten war, zeigte sich optimistisch, dass man die Omikron-Welle bald überstanden habe. Er betonte, dass die Krankheitsverläufe bei der Virusvariante leichter seien, auch wenn sich das nicht in den Krankenhausaufnahmen widerspiegele. 

Eine Entwarnung gab der RKI-Chef indes nicht. Derzeit infizierten sich vor allem Jüngere, bei den Älteren würden die Inzidenzen erst allmählich steigen. Nach wie vor sei die Zahl der Ungeimpften in der Gruppe der über 60-Jährigen zu hoch, das bereite ihm Sorge. "In wenigen Wochen haben wir die Omikron-Welle überstanden. Bleiben wir ruhig und achtsam und aufmerksam. Und dann können wir uns entspannt auf Ostern freuen", so Wieler.

Apweiler fordert globale Strategie zur Corona-Bekämpfung

Rolf Apweiler, Direktor am European Bioinformatics Institute des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) aus Cambridge betonte die Wichtigkeit eines globalen Public Health Managements und einer globalen Strategie der Pandemie-Bekämpfung. In Bezug auf die Entstehung neuer Varianten sei dies besonders wichtig: "Keiner ist auf diesem Planeten sicher, wenn nicht alle Menschen auf diesem Planeten sicher sind", so Apweiler.

Neue Varianten würden immer wieder auftauchen, damit müsse man rechnen: "Omikron hat uns gezeigt, wie stark eine neue Variante bestehende Immunität umgehen kann", so Apweiler. Er appellierte daran, auch zukünftig auf Pandemien vorbereitet zu sein, dass diese kommen würden, sei außer Frage. Ein miteinander verknüpftes Public Health Monitoring sei deswegen essentiell. 

Zum Abschluss erklärte Lauterbach: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es nicht zu neuen Varianten kommt oder dass die neuen Varianten harmloser sind als die vorangegangenen". Deshalb sei die Überwachung von neuen Varianten von "größter Bedeutung", die man "über Jahre hinweg" benötigen werde.