Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

G7-Staaten vereinbaren globalen Pakt gegen den Hunger

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit dpa, AFP, AP
euronews_icons_loading
Traktor bei der Getreideernte - Symbolbild
Traktor bei der Getreideernte - Symbolbild   -   Copyright  Michael Probst/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Mit einem Bündnis wollen die G7-Staaten für globale Ernährungssicherheit sorgen. Darauf einigten sich die Entwicklungsminister der führenden, westlichen Industrienationen in Berlin. Mit mehr Geld und einer engen Koordination der Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft soll Hungersnöten vorgebeugt werden.

Die drohende Lebensmittelkrise ist durch den Ukraine-Krieg verschärft worden, zuletzt hatte Russland Weizen-Lieferungen aus der Ukraine blockiert. Russland und die Ukraine produzieren ein Drittel des weltweiten Weizenangebots, und der kriegsbedingte Exportausfall hat nicht nur zu steigenden Lebensmittelpreisen geführt, sondern auch zur Ungewissheit über die Zukunft der weltweiten Ernährungssicherheit geführt, insbesondere in armen Ländern.

Andere Getreide-Exportländer wie Indien hatten nach einer extremen Hitzeperiode einen Export-Stopp verhängt, um sicherzustellen, dass die eigene Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen versorgt werden kann.

UN-Generalsekretär António Guterres erklärte: "Es gibt keine wirksame Lösung gegen die Nahrungsmittelkrise, ohne dass die ukrainische Nahrungsmittelproduktion sowie die von Russland und Belarus produzierten Nahrungsmittel und Düngemittel wieder in die Weltmärkte integriert werden - trotz des Krieges. Russland muss die sichere Ausfuhr von in ukrainischen Häfen gelagertem Getreide erlauben. Und russische Lebensmittel und Düngemittel müssen uneingeschränkten Zugang zu den Weltmärkten ohne indirekte Hindernisse haben."

Die USA, mehrere global agierende Entwicklungsbanken haben einen milliardenschweren Plan zur Bewältigung der weltweiten Krise der Ernährungssicherheit vorgestellt. So hat die Weltbank angekündigt, in den nächsten fünfzehn Monaten 12 Milliarden US Dollar zu gewähren, von denen der Großteil an Länder in Afrika, im Nahen Osten, in Osteuropa und in Zentral- und Südasien gehen wird.

Die Entwicklungsbanken arbeiteten "zügig daran, ihre Finanzmittel, ihr politisches Engagement und ihre technische Hilfe zum Einsatz zu bringen", um die durch den Ukraine-Krieg, die steigenden Lebensmittelkosten und die klimabedingten Ernteschäden verursachten Hungersnöte zu verhindern.

Auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die Interamerikanische Entwicklungsbank, der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung und die Weltbank werden in den kommenden Monaten und Jahren Dutzende von Milliarden bereitstellen, um die Nahrungsmittelproduzenten zu unterstützen und Versorgungsengpässe zu beheben.

Die Verknappung von Treibstoff und Düngemitteln in vielen Ländern und der zunehmende Anstieg der Lebensmittelpreise drohen ohnehin fragile Gesellschaften zu destabilisieren, Hunger und Unterernährung zu verstärken, die Migration voranzutreiben und schwere wirtschaftliche Krisen zu verursachen.

"Die Krise wird sich im Vergleich zur Lebensmittelpreiskrise 2007-2008 noch verschlimmern und zahlreiche arme Haushalte treffen. Die Ernährungsunsicherheit ist bereits jetzt sehr hoch. Die Mittel werden zum Schutz armer Haushalte eingesetzt, indem die sozialen Sicherheitsnetze ausgebaut werden. Sie werden den Landwirten helfen, sich auf die anstehende Saison vorzubereiten. Und sie werden auch eingesetzt, um Ausfuhrbeschränkungen zu vermeiden. Und dafür dass der Handel mit Lebensmitteln offen bleibt, damit Preissteigerungen vermieden werden", ist Martien van Niewukoop, Direktor für Landwirtschaft und Ernährung bei der Weltbank überzeugt.

Im vergangenen Jahr litten nach Angaben der Vereinten Nationen 193 Millionen Menschen in 53 Ländern unter akuter Ernährungsunsicherheit - sie benötigten dringend Hilfe, um zu überleben. 

UN-Generalsekrtär Guterres stellte heraus, dass die Zahl der Hungernden weltweit einen neuen Höchststand erreicht habe. Die Zahl der Menschen, die von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen seien, habe sich in nur zwei Jahren von 135 Millionen vor der Pandemie auf heute 276 Millionen verdoppelt. Er sagte, dass mehr als 500.000 Menschen unter Hungersnotbedingungen leben - ein Anstieg von mehr als 500 Prozent seit 2016.

Der Chef der Vereinten Nationen erklärte am Mittwoch, er stehe in "intensiven Kontakten" mit Russland und anderen wichtigen Ländern und sei "zuversichtlich", dass eine Einigung erzielt werden könne, um die Ausfuhr von in ukrainischen Häfen gelagertem Getreide zu ermöglichen und sicherzustellen, dass russische Lebensmittel und Düngemittel ungehinderten Zugang zu den Weltmärkten erhalten. Allerdings sei es bis dahin noch ein langer Weg.