Wohin mit den zahlreichen Überresten aus der Sowjetzeit? Kaja Kallas, die estnische Ministerpräsidentin, hat auf diese Frage eine klare Antwort gegeben. Ein Panzer sei eine Mordwaffe, kein Erinnerungsobjekt.
Ein sowjetischer Panzer vom Typ T-34 erinnert in Estlands östlichster Stadt Narva an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Und ist seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine zum zentralen Streitobjekt einer hitzigen Debatte geworden.
Wohin mit den zahlreichen Überresten aus der Sowjetzeit? Kaja Kallas, die estnische Ministerpräsidentin, hat auf diese Frage eine klare Antwort gegeben. Ein Panzer sei eine Mordwaffe, kein Erinnerungsobjekt.
"Die Hauptsache ist entschieden - sowjetische Denkmäler müssen aus dem öffentlichen Raum entfernt werden, und das werden wir so schnell wie möglich tun."
Aber in Narva, der Stadt, in der über 90 Prozent der Einwohner zur russischsprachigen Minderheit gehören, hängt man an dem Panzer. unmittelbar nach der Ankündigung der Ministerpräsidentin versammelten sich Dutzende Menschen am Fuß des Monuments, um für dessen Erhalt zu demonstrieren.
Russische Aggression hat alte Wunden aufgerissen
Aus Angst vor sozialen Spannungen hatte sich die Stadtverwaltung zuvor gegen eine Verlegung des Sowjetpanzers ausgesprochen. Dazu Kaja Kallas: "Es ist klar, dass die russische Aggression in der Ukraine die Wunden in unserer Gesellschaft aufgerissen hat, an die diese kommunistischen Denkmäler erinnern, und deshalb ist ihre Entfernung aus dem öffentlichen Raum notwendig, um weitere Spannungen zu vermeiden."
Nach Angaben der Ministerpräsidentin gibt es in Estland etwa 200 bis 400 sowjetische Denkmäler. Estland war im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt. Nach Kriegsende blieb der Baltenstaat bis 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion. Bis heute besteht die Bevölkerung zu rund einem Viertel aus ethnischen Russen, die häufig auch familiäre Bindungen nach Russland haben. Unter ihnen gibt es Umfragen zufolge teils Unterstützung für den Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Auch sowjetische Denkmäler in Lettland müssen weichen
Auch in baltischen Nachbarland Lettland müssen nach einem Parlamentsbeschluss alle Objekte, die totalitäre Regime verherrlichen, bis zum 15. November demontiert werden. Angefangen mit dem monumentalen sowjetischen Siegesdenkmal in der Hauptstadt Riga, an dem noch im vergangenen Mai zum "Tag des Sieges "Mitglieder der russischstämmigen Minderheit Blumen niederlegten und das in den kommenden Wochen demontiert werden soll.
Auch Lettland war im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von Deutschland und der Sowjetunion besetzt und nach Kriegsende bis 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion. Die meisten Letten sehen das Denkmal in Riga daher nicht als Symbol für den Sieg über Hitler-Deutschland, sondern für die erneute Besatzung Lettlands durch die Sowjetunion.
In Lettland, einem Nachbarland Russlands, besteht die Bevölkerung zu gut einem Viertel aus ethnischen Russen. Unter ihnen gibt es Umfragen zufolge teils Unterstützung für den Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine.