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Die große Erlösung? Elon Musk will Starlink-Internet in den Iran bringen

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Von Alexandra Leistner  & Persische Redaktion
Eine SpaceX Falcon 9-Rakete mit 34 Starlink-Satelliten an Bord startet vom Kennedy Space Center in Florida, Samstag, 10. September 2022.
Eine SpaceX Falcon 9-Rakete mit 34 Starlink-Satelliten an Bord startet vom Kennedy Space Center in Florida, Samstag, 10. September 2022.   -   Copyright  Malcolm Denemark/AP

Die iranische Bevölkerung kennt etwas, das in vielen anderen Ländern undenkbar wäre: Bei Unruhen und Protesten im Land kappt die Regierung das Internet. Im Jahr 2019 war der Iran ganze sieben Tage im sogenannten Blackout.

In diesen Momenten können Iranerinnen und Iraner meist nur das nationale Informationsnetzwerk nutzen, über das Bankangebote, staatliche Nachrichtenchats und Apps für Mietwägen genutzt werden können. 

Als am Wochenende im Iran heftige Proteste ausgebrochen sind nach dem Tod der 22 Jahre Mahsa Amini, die starb nachdem sie sich in Polizeigewahrsam befand, machte sich das Regime in Teheran an das schrittweise Abstellen der Internetversorgung.

Amini war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie gegen die strenge Kleiderordnung verstoßen und ihr Kopftuch nicht richtig getragen haben soll. Im Zuge der Proteste sollen iranischen Medien zufolge 17 Menschen ums Leben gekommen sein.

Nach Angaben der Polizei brach Amiri zusammen und wurde dann ins Krankenhaus gebracht. Ihre Familie dementierte die offizelle Version, nachdem die junge Frau unter einer Vorerkrankung litt, die zu ihrem Tod geführt hatte. Sie wirft den Sicherheitsbeamten vor, Amini misshandelt zu haben.

Der Monitor NetBlocks meldete Anfang der Woche einen "quasi-total" Ausfall des Internets in Teilen Kurdistans, im Westiran. Seit Mittwoch sei sowohl die Nutzung von Instagram und Whatsapp sowie mittlerweile auch alle mobilen Netzwerke landesweit eingeschränkt.

"In Iran gelten jetzt die strengsten Internetbeschränkungen seit dem Massaker im November 2019", so NetBlocks

Bringt Elon Musk die beste Alternative?

Einige Iranerinnen und Iraner setzen ihre Hoffnung nun auf das von Elon Musk entwickelte alternative Internet per Starlink-Satellit. Auf Twitter fragte der im Iran geborene Wissenschaftsjournalist Erfan Kasraie, ob es denkbar wäre, Starlink dem iranischen Volk zugänglich zu machen.

"Ich bin sicher, dass Sie diese Frage nicht beantworten werden, Herr Musk, aber ist es technisch möglich, Starlink für die iranische Bevölkerung bereitzustellen?" fragte Kasraie. "Das könnte die Zukunft entscheidend verändern."

Entgegen Kasraies Erwartungen antwortete Musk wenig später, Starlink werde versuchen, eine Ausnahmeregelung bezüglich der Sanktionen gegen den Iran zu bekommen, um die Technologie verfügbar zu machen.

Um sie zu nutzen, braucht man allerdings eine spezielle Ausrüstung, erklärt Mohammad Samizadeh Nikoo, Doktorand in Elektrotechnik am POWERlab der Polytechnischen Universität Lausanne, gegenüber Euronews. Der Empfang gehe nur über ein bestimmtes Gerät, so Samizadeh.

Auf der Internetseite von Musks Starlink ist für Privathaushalte ein Preis für Hardwarekosten von 460 Euro angegeben. Für die Nutzung muss mit 80 Euro monatlich gerechnet werden.

Wie kommen die Starlink-Empfänger in den Iran?

Allerdings hat die Technologie den Vorteil, sich der Kontrolle der Behörden weitgehend zu entziehen. Sogenannte "Jammer", mit denen die Satellitenfrequenzen etwa von TV-Sendern gestört werden können, könnten Starlink so leicht nichts anhaben, erklärt Samizadeh. 

"Im Starlink-Satelliten-Internetsystem, das eine Zwei-Wege-Verbindung nutzt, ist es möglich, ein Protokoll zu definieren, das mit den Verbindungsfrequenzen spielt, indem es die empfangenen und gesendeten Frequenzen ständig ändert, um es der Regierung unmöglich zu machen (...) die Verbindungen zu unterbrechen", sagte er.

Allerdings, kann man die speziellen Empfänger für das Starlink-Internet nicht selber bauen - nicht im Iran, glaubt Samizadeh. Ein Aussetzen der Sanktionen, damit Musk in den Iran liefern kann, wäre also notwendig.

Mitte September teilte Elon Musk auf Twitter mit, dass Starlink auf allen Kontinenten der Erde "aktiv" sei. Tausende Satelliten, die der Billionär mit seinem Unternehmen SpaceX ins All geschossen hat, decken den gesamten Globus ab.

Nach der russischen Invasion in der Ukraine stellte Elon Musk dem Land Empfangsanlagen zur Nutzung von Starlink-Satelliten zur Verfügung. Das ist vor allem dann für Behörden und das Militär hilfreich, wenn Mobilfunknetze und die Internetversorgung in Kampfgebieten zusammenbrechen.

Screenshot www.starlink.com/technology
Weil die Satelliten für Starlink in nur 550 km Höhe um die Erde kreisen, ist die Latenzzeit (Zeit zwischen User und Satellit) um ein vielfaches kürzer.Screenshot www.starlink.com/technology