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Wintersport bedroht vom Klimawandel: Wissenschaftler bieten Lösungen

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Wintersport bedroht vom Klimawandel: Wissenschaftler bieten Lösungen
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Von Jeremy Wilks  & Sabine Sans
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Unser monatliches Update zum Klimawandel kommt aus den Alpen. Dort helfen Klimawissenschaftler Betreibern von Skistationen, vor dem Hintergrund steigender Temperaturen strategische Entscheidungen zu treffen. Sollten sie sich auf Kunstschnee verlassen? Ist es an der Zeit, Pisten aufzugeben? Und warum ist der Hundeschlittensport so widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel? Eine Reportage und aktuelle Daten vom Copernicus Climate Change Service in dieser Folge von Climate Now.

"Schnee ist ein Bonus, aber unsere Skistationen müssen auch dann funktionieren, wenn es keinen Schnee gibt."
Cédric Fermond
Geschäftsführer der Drôme-Skistationen

Aktuelle Klimadaten

Aber zunächst die aktuellen Daten vom Copernicus Climate Change Service.

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Euronews-Reporter Jeremy WilksEuronews

Weltweit war es der sechst wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen, mit Temperaturen, die mehr als 0,2 Grad Celsius über dem neuen Durchschnitt von 1991 bis 2020 lagen.

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Temperatur-Anomalien Januar 2021, Referenzperiode 1991-2020Euronews

Auf der Karte der Temperaturanomalien sieht man, dass es an einigen Orten wesentlich kälter und an anderen wärmer als normal war. Norwegen, Schweden und Russland erlebten sogar den kältesten Januar seit 2010. Im norwegischen Dorf Leirflaten lagen die Temperaturen im vergangenen Monat 10 Grad Celsius unter dem Durchschnitt. Die ersten zehn Tage des Monats waren sogar die mildesten in der 160-jährigen Messreihe von Athen.

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Niederschlagsanomalien Januar 2021, Referenzperiode 1991-2020Euronews

Bei den Niederschlagsanomalien sieht man, dass es in Italien und entlang der Adriaküste viel feuchter war als im Durchschnitt. In Spanien gab es in den zentralen und östlichen Teilen des Landes deutlich mehr Schnee und Regen als im Durchschnitt.

Änderung des Bezugszeitraums der Klimadaten

Der Bezugszeitraum für die Copernicus-Klimadaten wurde gerade von 1981-2010 auf 1991-2020 geändert, um ihn mit den Empfehlungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Einklang zu bringen und um sicherzustellen, dass der Bezugszeitraum unser aktuelles Klima widerspiegelt. Copernicus wird auch weiterhin über langfristige Trends berichten, wie sich das Klima im letzten Jahrhundert entwickelt hat, und natürlich bleiben die historischen Höchst- und Tiefstwerte gleich.

Während sich unser Wetter von Stunde zu Stunde ändert, prägen die vom Menschen verursachte globale Erwärmung und natürliche Schwankungen von Jahr zu Jahr und Jahrzehnt zu Jahrzehnt unser Klima. Daher verwenden Klimaforscher, darunter auch die Mitarbeiter des Copernicus Climate Change Service, Standard-Referenzzeiträume, wie sie von der WMO definiert werden, um durchschnittliche "Klimanormale" zu erstellen, die repräsentieren, was als typisches Klima für diesen Zeitraum angesehen werden kann. Diese Klimanormale werden dann zum Vergleich kurzfristigerer Daten auf lokaler, nationaler oder globaler Ebene verwendet. Bis Ende 2020 war der aktuellste und am weitesten verbreitete Standard-Referenzzeitraum für die Berechnung von Klimanormalen der 30-jährige Zeitraum 1981-2010. Dieser Zeitraum umfasst Satellitenbeobachtungen der wichtigsten Klimavariablen, einschließlich der Meeresoberflächentemperatur und der Meereisbedeckung, sowie die unterstützenden Reanalysedaten von ERA5.

Da wir uns jedoch in ein neues Jahrzehnt bewegen, empfiehlt die WMO, die neuen Klimanormalwerte so schnell wie möglich zu berechnen, obwohl es üblich ist, dass Organisationen eine Übergangsphase einlegen, in der sie ihre regelmäßigen Berichte sowohl auf der Grundlage des alten als auch des neuen Referenzzeitraums erstellen. Die WMO befürwortet die Verwendung eines historischen Basiszeitraums (1961-1990) für die Bewertung des Klimawandels sowie des jüngsten 30-Jahres-Zeitraums, um eine Standardisierung und Harmonisierung zwischen den Institutionen zu erreichen. Der Zeitraum 1961-1990 beginnt jedoch mehrere Jahre vor der Satelliten-Ära und die meisten C3S-Datensätze reichen nicht so weit zurück. Um also eine breite Palette von Variablen vergleichen zu können, wird die C3S die Klimanormalperiode 1991-2020 als Hauptbezugszeitraum für die monatlichen Klimabulletins ab Januar 2021 und für den europäischen Klimazustand für 2021 verwenden. Wichtig ist, dass die Änderung des Bezugszeitraums keinen Einfluss auf die langfristigen Änderungen im Vergleich zu vorindustriellen Werten hat. Daher wird die C3S zusätzlich zum neuen Klimanormalwert auch weiterhin die globale Temperaturänderung relativ zu einer definierten vorindustriellen Basislinie berichten, um sicherzustellen, dass auch historische Änderungen vollständig widergespiegelt werden.

Während die Änderung des Bezugszeitraums keine Auswirkungen auf Trendberechnungen oder absolute Ranglisten hat - der bisher wärmste globale Januar in der ERA5-Aufzeichnung bleibt der Januar 2020 - hat sie Auswirkungen auf Aussagen darüber, ob ein Wert über oder unter dem Durchschnitt liegt und um wie viel. Zum Beispiel lag der Januar 2021 0,24 Grad Celsius über der Referenzperiode 1991-2020, aber 0,43 Grad Celsius über der Periode 1981-2010.

Die Zukunft des Skifahrens

Dieser Winter war für Skistationen in ganz Europa außergewöhnlich. Es gab überdurchschnittlich viel Schnee und aufgrund der Corona-Einschränkungen kaum Touristen. Die größte Sorge der Skigebiete ist jedoch der Klimawandel. Man arbeitet mit Wissenschaftlern zusammen, um dafür intelligente Lösungen zu finden.

Euronews-Reporter Jeremy Wilks trifft in 1300 Meter Höhe in den Bergen des französischen Departements Drôme einen Klimawissenschaftler. Er arbeitet mit den Skistationen-Betreibern an Möglichkeiten, ihre Pisten an den Klimawandel anzupassen. Aber warum sollte man sich über Schneemangel Sorgen machen, wenn man heute von Schnee umgeben ist:

"Wir reden von Klimawandel und Schneemangel, und trotzdem gibt es jetzt sehr viel Schnee", erklärt Carlo Carmagnola, CLIMSNOW-Projekt, Météo France. "Man darf Trends nicht mit Variabilität verwechseln. Man kann einen Trend mit steigenden Temperaturen haben und trotzdem eine Variabilität innerhalb einer Saison oder zwischen verschiedenen Saisons haben, mit Hochs und Tiefs."

Intelligente Lösungen

Skistationen-Betreiber passen sich an, indem sie sich breiter aufstellen. Vor allem in tiefer gelegenen Stationen wie dieser. Dort gab es im vergangenen Jahr nur wenige Tage Schnee. Betriebsleiter Marc Oboussier erklärt die Umstellung:

"Skistationen auf 1000 Meter Höhe haben keine Zukunft. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen. Man kann nicht an allen Fronten kämpfen. Über Verdichtung oder Import von Schnee sind sich die Leute einig. Aber das hier ist auch ein Sommerort: Wir haben geteerte Pisten, auf denen man Skiroller fahren kann. Es gibt also einen Ausgleich. Wir sind im Sommer sehr gut besucht."

Bei der Entscheidung, was man wo investiert, steuert die neue Anwendung CLIMSNOW die wissenschaftliche Perspektive bei: Das CLIMSNOW-Projekt arbeitet bereits mit über 70 Skistationen in Frankreich zusammen. Dort erstellt man detaillierte Klimaprognosen für die nächsten 30 Jahre.

"Jeder Gebirgszug in den Pyrenäen und den Alpen wird separat behandelt. Bei jedem Gebirgszug können wir die genaue Orientierung und Höhe des Hanges berücksichtigen, mit acht verschiedenen Orientierungen, verschiedenen Steilheitsgraden und verschiedenen Höhen alle 300 Meter", so Carmagnola.

CLIMSNOW kann verschiedene Klimaszenarien mit und ohne Kunstschnee modellieren - wichtige Informationen für strategische Investitionen, die sich erst nach Jahrzehnten auszahlen. Cédric Fermond sagt:

"Gehen wir in Richtung einer Konsolidierung unserer Aktivitäten, d.h. versuchen wir unsere Schneedecke zu halten? Oder lassen wir den Dingen ihren Lauf, und orientieren uns auf andere Geschäftsbereiche? Das ist die große Frage. Und die Klimaforscher können sie beantworten."

Außerdem gibt es Aktivitäten in den Bergen, die nicht unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Zum Beispiel Hundeschlittenfahrten. Wenn es keinen Schnee gibt, werden die Schlitten mit Rädern ausgestattet. Und Hunde haben bei jedem Wetter Spaß.

"Wir bieten das ganze Jahr über Aktivitäten an, sei es das erste Mal oder Kurse.Es gibt Aktivitäten mit Schlitten auf Rädern, Kufen, per Skier oder zu Fuß an", erklärt Maxime Allard, Hundeschlittenführer Max'Cimes.

Cutter • Jean-Christophe Marcaud