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"Wir haben eine moralische Verantwortung": Diese Fotografen zeigen, dass Klimawandel Realität ist

Schmelzendes Eis in der Antarktis
Schmelzendes Eis in der Antarktis   -   Copyright  Claudio Ghiglione/ Picfair
Von Gabrielle de Ferrer

Der lang erwartete COP26-Gipfel hat begonnen und Gespräche über den Klimawandel in den sozialen Medien nehmen zu. Es kann überwältigend sein, die endlosen Statistiken zu lesen, die das wahre Ausmaß des Klima-Chaos aufzeigen, dem wir alle ausgesetzt sind.

Zahlen sind schockierend, aber es kann schwierig sein, sich vorzustellen, wie sich Dinge wie der CO2-Gehalt auf die Landschaften um uns herum auswirken. Es ist praktisch unmöglich, die Schäden an unserem Planeten zu begreifen, ohne die visuelle Dokumentation der Umweltkrise.

Seit Jahrzehnten ist die Fotografie ein wichtiges und wirkungsvolles Medium, um zu zeigen, was nur schwer in Worte zu fassen ist. Geschichten werden durch die Linse sichtbar gemacht. Der Satz "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" mag ein Klischee sein, aber im Fall der Klimafotografie trifft diese Aussage sehr wohl zu.

Peter Naik/ Picfair
Ein Seelöwe frisst Plastik in Neuseeland.Peter Naik/ Picfair

Euronews hat mit vier Fotografen gesprochen, deren Arbeiten einen exklusiven Einblick in die Auswirkungen der ökologischen Krisen auf der ganzen Welt geben:

  • Claudio Ghiglione, ein Polarforscher, der sich für den Erhalt der Landschaften einsetzt, die er auch fotografiert
  • Cory Lescher, ein Outdoor-Abenteurer, der jeden Monat 50 % seiner Fotoverkäufe an verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen spendet
  • Kílian Jornet, ein Rekord-Bergsteiger, der mit seinen Fotos und Bildverkäufen Bewusstsein für Umweltfragen schafft und Geld für seine Stiftung sammelt
  • Peter Naik, Tauchlehrer und Wildnisführer: Bei seinen Tauchgängen macht er unter anderem atemberaubende Bilder von der australischen Meeresfauna

Wie kann die Fotografie Umweltthemen beeinflussen?

[Claudio Ghiglione] Die Sprache der Wissenschaft ist für die Gemeinschaft zu kompliziert und nicht für jeden leicht zugänglich, weshalb die Botschaft oft nicht ankommt. Dank der Bilder wird das Problem oft "greifbarer".

[Cory Lescher] Viele von uns kennen den Satz "ein Bild sagt mehr als tausend Worte", und noch nie war dies so wahr wie angesichts des Klimawandels, den wir alle gerade erleben.

Ein einziges Foto kann tiefe Emotionen in den Menschen auszulösen, und wenn das ausreicht, damit auch nur ein einziger Mensch innehält, nachdenkt und etwas unternimmt, dann war dieses Foto meiner Meinung nach mehr als tausend Worte wert.

[Kílian Jornet] Einer der Schlüsselfaktoren für Nachhaltigkeit ist immer noch das Bewusstsein. Die Fotografie ist eine sehr visuelle Methode, um die Veränderungen in der Natur aufzuzeigen und zu zeigen, was wir bewahren sollten.

[Peter Naik] Die Lektüre von Statistiken über Plastik im Meer wird die Problematik niemals auf dieselbe Weise vermitteln, wie wenn man Fotos von Tieren sieht, die sich von Plastik im Meer ernähren. Die Fotografie macht Umweltprobleme für die Welt sichtbar und beweist, dass diese Probleme real sind.

Kilian Jornet/Picfair
Schneebedecktes GebietKilian Jornet/Picfair

Welche technischen Herausforderungen gibt es beim Fotografieren in abgelegenen und oft extremen Gebieten?

[Claudio Ghiglione] Die größten Gefahren gehen von den Temperaturen, der Feuchtigkeit, dem Wasser und dem Wind aus, Variablen, die in allen Breitengraden vorkommen, hier aber extrem sind. Das zeigt, wie wichtig es ist, über eine professionelle Ausrüstung zu verfügen und sie jederzeit schnell einsetzen zu können.

[CL] Es geht nicht nur um das Foto im Hinterhof, wo man sich jede Nacht auf die Lauer legen kann, sondern man muss diese Reisen gut planen und das Beste aus jeder sich bietenden Fotomöglichkeit machen.

[KJ] Man muss erstmal an den Ort kommen. Dazu gehören vielleicht technische Fähigkeiten beim Klettern, Ausdauer, um weit laufen zu können, Schnelligkeit, um das gute Licht zu erwischen, die Risikoabschätzung, um sicher zum Aufnahmeort zu gelangen, usw.

[PN] Es gibt Herausforderungen, die mit der Ausrüstung, den Wetterbedingungen und den Tieren selbst zu tun haben.

Es ist auch sehr wichtig, dass man sich auf die Wetterbedingungen vorbereitet, dass man den richtigen Schutz gegen die Elemente hat und dass man alle relevanten Sicherheitsausrüstungen für die jeweilige Umgebung hat.

Cory Lescher/ Picfair
Ein nackter Baum inmitten einer schneebedeckten Landschaft.Cory Lescher/ Picfair

Sollten mehr Fotografen ihre Praxis mit Aktivismus begründen sollten?

[CG] Ich persönlich nutze meine Bilder nicht, um zu protestieren oder zu widersprechen, sondern ich nutze meine Bilder, um Bücher, Ausstellungen und Veranstaltungen zu schaffen, die das Interesse der Menschen und damit das Bewusstsein für abgelegene Orte oder bestimmte Themen wecken können.

[CL] Aktivismus und Bildung durch Kunst, wie die Fotografie, ist ein mächtiges Werkzeug, aber ich glaube nicht, dass es unbedingt das ist, was jeden Fotograf motivieren muss.

[KJ] Auf jeden Fall haben Fotografen durch ihre Arbeit einen großen Einfluss. Die Bilder werden von vielen gesehen, und in den sozialen Medien folgen viele den Fotografen wegen der Schönheit der Bilder. Es ist eine großartige Plattform, um unsere Anliegen zu sozialen oder ökologischen Themen zu teilen.

Ich glaube, dass Natur- und Wildlife-Fotografen eine moralische Verantwortung haben, sich für ihre Motive einzusetzen.
Peter Naik
Naturfotograf

[PN] Ich glaube, dass Natur- und Wildlife-Fotografen eine moralische Verantwortung haben, sich für ihre Motive einzusetzen. Wenn wir durch das Schaffen von Kunst von der Tierwelt profitieren, sind wir es der Natur schuldig, unser Bestes zu tun, um sie zu schützen, und zu versuchen, andere davon zu überzeugen, das Gleiche zu tun.

Allerdings verstehe ich auch, dass viele Fotografen nicht in der Lage sind, ihre Arbeit auf Aktivismus auszurichten, sei es aus finanziellen Gründen, aus Gründen der psychischen Gesundheit oder einfach aus Mangel an Zeit.

Claudio Ghiglione/ Picfair
Ein Einsbär streift durch das Eis in Svalbard (Norwegen).Claudio Ghiglione/ Picfair

Welchen Ratschlag sollten Ihrer Meinung nach alle Fotografen beherzigen?

[CG] Eine gründliche Kenntnis des Themas ist von grundlegender Bedeutung, um die Situation und alle Variablen so gut wie möglich zu planen und die Aufnahme zu machen, die man im Kopf hat.

[CL] Glauben Sie an sich und Ihre Fotos. Die Fotografie ist für immer mehr Menschen ein wachsendes Geschäft und Hobby, aber das bedeutet nicht, dass man sich einschüchtern lassen sollte oder weniger stolz auf seine eigene Arbeit sein sollte.

[KJ] Wenn es um die Darstellung von Umweltthemen geht, sollte man keine Angst haben, seine Gedanken zu teilen. Viele haben Angst, über die Klimakrise zu sprechen, weil Fotografen oft viel unterwegs sind und Kritik einstecken müssen.

Aber es ist wichtig, darüber zu sprechen, um die Botschaft an die Verantwortung zu übermitteln, die auch Regierungen und Unternehmen tragen.

[PN] Ich denke, dass ein Fotograf, der etwas erfolgreich fotografieren will, zuerst sein Thema verstehen muss.

Welche Botschaft möchten Sie mit Ihrer Arbeit vermitteln?

[CG] Ich möchte meine Bilder, gestützt auf mein Wissen über die Polarforschung, als Lehrmethode einsetzen, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen und mit der nächsten Generation, Menschen und Institutionen darüber zu kommunizieren, was in diesen besonderen Gebieten vor sich geht.

Wir haben einen erstaunlichen und schönen Planeten voller Vielfalt, und wir sollten jetzt etwas unternehmen, wenn wir wollen, dass die nächsten Generationen das genießen können, was wir heute genießen.
Kílian Jornet
Fotograf

[CL] Mit meinen Fotos möchte ich den Menschen die Natur näher bringen und sie dazu inspirieren, die schöne Welt, in der wir leben, und die Tierwelt, die mit uns auf diesem Planeten lebt, zu schützen.

[KJ] Wir haben einen erstaunlichen und schönen Planeten voller Vielfalt, und wir sollten jetzt etwas unternehmen, wenn wir wollen, dass die nächsten Generationen das genießen können, was wir heute genießen.

[PN] Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit andere dazu inspirieren kann, die natürliche Welt genauso zu sehen wie ich. Als ein schönes, zerbrechliches Netzwerk lebender, atmender Wesen, die es verdienen, ihr Leben ohne Beeinträchtigung durch menschliche Aktivitäten zu leben.