Eilmeldung

Eilmeldung

Gleichberechtigt am spanischen Schinken

Gleichberechtigt am spanischen Schinken
Schriftgrösse Aa Aa

Den Schinken zu schneiden – das ist in Spanien eine Kunst, ähnlich wie in Japan das Sushi zubereiten. Ein gefeierter "Cortador" kann schon mal dreieinhalbtausend Euro verdienen – an einem einzigen Abend. Ein Normalo bringt es immerhin auf 3000 Euro pro Monat bei Einsätzen in China und anderen Ländern.

Und wie in Japan der Sushi-Koch ist diese kulinarische Kunst bisher eine männliche Domäne: "Normalerweise hat man männliche Schinkenschneider gesehen", sagt die Cortadora Raquel Acosta, "das weibliche Wort für den Beruf hat man nie gehört. Wenn man es gegoogelt hat, hat man nur Schinkenschneidemaschinen gefunden, keine Menschen."

Inzwischen findet man Frauen, die den Schinken in Blätter dünn bis zur Transparenz zerkleinern, auch auf prestigeträchtigen Veranstaltungen wie den spanischen Meisterschaften im Schinkenschneiden. Die haben gerade in Jabugo stattgefunden.

"Ich habe angefangen, an Wettbewerben teilzunehmen", so Acosta. "Das war ein bisschen wie ein Aha-Effekt. Die meisten Frauen, die spanischen Schinken geschnitten haben, haben waren bisher eher unsichtbar, sie haben bei spezialisierten Metzgern oder in Supermärkten gearbeitet."

Den Schinken zu schneiden – dazu müsse man den Schneidevorgang in Gefühle und Harmonie verwandeln, sagt Florencio Sanchidrian, der unter anderem für Robert de Niro und Al Pacino den Schinken gefitzelt hat. Es spricht nichts dagegen, dass Frauen sich diese Domäne ebenfalls erobern. Raquel Acosta schätzt allerdings, dass bisher nur etwa fünf bis zehn Frauen auf zum exklusiven Kreis der Edelcortadoras gehören.