Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Warum verbreitet sich Omikron so schnell? Eine neue Studie hat vielleicht die Antwort.

Access to the comments Kommentare
Von Laura Llach  & Alexandra Leistner
Wintereinkäufe in Paris: Regierungen in ganz Europa suchen nach Lösungen, die schnelle Verbreitung von Omikron aufzuhalten.
Wintereinkäufe in Paris: Regierungen in ganz Europa suchen nach Lösungen, die schnelle Verbreitung von Omikron aufzuhalten.   -   Copyright  Christophe Ena/AP

Noch ist wenig über die neue Omikron-Variante bekannt, die zuerst in Südafrika entdeckt wurde, aber schon längst auch in anderen Ländern vorkam. Die Nachricht einer Variante, die sich schneller ausbreitet und von der man nicht wusste, ob die Impfungen gegen sie schützen, brachte eine gewisse Panik mit sich.

Schnell hatten Wissenschaftler:innen die Mutante analysiert und zahlreiche Veränderungen - vor allem auf dem sogenannten Spike-Protein - festgestellt.

Jetzt haben Forscher:innen möglicherweise den Grund gefunden, warum sich diese Variante so leicht ausbreitet. Omikron (auch Omicron) könnte genetisches Material enthalten, das dem des Virus ähnelt und das eine herkömmliche Erkältung auslöst, so die Forscher von Nference, einem US-amerikanischen Biomedizinunternehmen.

Die Wissenschaftler:innen glauben, dass mindestens eine seiner Mutationen diese Eigenschaft übernommen hat, was die hohe Übertragbarkeit der Variante erklären würde.

Ein "menschlicheres" Virus?

Die oben aufgeführte Mutation wurde bei anderen Covid-Varianten bisher nicht entdeckt. Die Wissenschaftler:innen erklären sich das Auftreten dadurch, dass sie bei einer Person entstanden sein könnte, die sich während einer Erkältung mit Covid infiziert hat. Auf diese Weise wäre das genetische Material des HCov-229E-Virus, das Erkältungen verursacht, mit dem von SARS-CoV-2 vermischt worden.

Studien haben bereits gezeigt, dass sowohl die Lunge als auch der Magen-Darm-Trakt gleichzeitig Träger von SARS-CoV-2 und Erkältung sein können. Dies ist nach Ansicht der Wissenschaftler auf eine virale Rekombination zurückzuführen.

Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem zwei verschiedene Viren in derselben Wirtszelle Elemente zusammenführen, um ein Hybridvirus zu schaffen. Das passiert, wenn das Enzym in der Lage ist, von einem Virus zum anderen zu springen und Elemente von beiden kombiniert.

Durch die Nachahmung dieses Fragments würde Omikron "menschenähnlicher" erscheinen, wie Venky Soundararajan, einer der Autoren der Studie, sagte. Das bedeutet, dass die neue Variante eher "an einen menschlichen Wirt gewöhnt" wäre.

"Die Mutation, die Omikron entwickelt hat, ist bisher noch nicht aufgetreten. Die Tatsache, dass diese spezielle Region der neuen Variante ihren genetischen Code mit Transkripten im menschlichen Genom teilt, lässt vermuten, dass diese Mutation einen Übertragungsvorteil gegenüber anderen hat", erklärt Soundararajan. "Dies ist das Ergebnis von Tests, die wir aber noch experimentell validieren müssen", fügt er hinzu.

Der Studie zufolge könnte dies einer der Gründe für den starken Anstieg der Fälle dieser Variante sein. "Wir untersuchen diesen Befund weiter, und wenn er sich bestätigt, könnte das bedeuten, dass es eine Möglichkeit gibt, die Übertragung einer Variante auf der Grundlage ihrer genomischen Beschaffenheit proaktiv zu verfolgen", sagt Soundararajan.

"Derzeit gibt es keine solche Methode und sie gilt als unmöglich, weil die virale Evolution zu komplex und die virale Rekombination unvorhersehbar ist", sagt er.

Die Tatsache, dass die Mutation genetisches Material mit einer Erkältung teilt, würde auch die milden Symptome erklären, die mit dieser neuen Variante verbunden sind.

Ein solcher Evolutionssprung sei bei Covid bisher nicht zu beobachten, so die Experten. Sie fragen sich sogar, ob Omikron in die Gesellschaft integriert werden und auf weniger aggressive Weise koexistieren könnte.

Bisher keine Todesfälle durch Omikron-Variante

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ihrerseits versicherte kürzlich, dass es etwa drei Wochen dauern werde, bis man das Verhalten dieser neuen Variante kenne. Bislang habe man jedoch keinen einzigen Covid-Todesfall durch Omikron registriert, was die Theorie einer Variante mit milden Symptomen bekräftigt.

Eine weitere offene Frage ist, ob Impfstoffe gegen diese Variante genauso wirksam sind. Die Wissenschaftler beobachten mit Sorge, dass die Infektionen sowohl in Europa als auch weltweit zunehmen.

Das letzte Land, in dem die neue Variante entdeckt wurde, war Russland: Am Montag waren zwei Infektionen bestätigt worden. In Dänemark hat sich die Zahl der Infektionen innerhalb von nur 48 Stunden verdreifacht - eine Besorgnis erregende Entwicklung für die Behörden des Landes, die bereits 183 Fälle von Omikron bestätigt haben.

Bislang hatte das Europäische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention nur 182 Fälle der neuen Variante in der gesamten Europäischen Union, Norwegen und Island gezählt.