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Erdwärme statt Gas aus Russland: Geothermie-Projekt im ungarischen Szeged

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Von Euronews mit AFP
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Szegeds Erdwärme-Projekt wird die Stadt weitgehend unabhängig von Gas aus Russland machen
Szegeds Erdwärme-Projekt wird die Stadt weitgehend unabhängig von Gas aus Russland machen   -   Copyright  Faludi Imre via MTI

In Szeged entsteht eines der größten Projekte Europas zur Erzeugung von Erdwärme. Bisher war die drittgrößte Stadt Ungarns bei der Beheizung von Wohnungen komplett vom russischen Gas abhängig, obwohl Ungarn reich ist an Quellen für thermische Energie aus dem Boden.

Tamás Medgyes, ein Geologe vom Fernwärme-Werk in Szeged, ist begeistert. Erdwärme sei lokal und sauber, warum sie also nicht nutzen. Er zeigt auf ein Hochhaus, das nun mit Erdwärme versorgt wird: "Dieses Wohnungsprojekt wurde in den 1980ern gebaut. Seitdem haben wir hier Millionen Kubikmeter von russischem Gas zum Heizen verbrannt. Letztes Jahr haben wir hier einen Brunnen gegraben. Er ist einer der neun Brunnen hier in Szeged. Wir bekommen saubere und unabhängige Energie aus dem Boden. Sie ist erneuerbar und lokal".

"Ich fühle da keinen Unterschied"

Der Umstieg vom Gas auf die umweltfreundliche Erdwärme ist im Endeffekt für die Hausbewohner:innen gar nicht bemerkbar. Wie zum Beispiel für Gabriella Maar Pallo. Sie fühle da keinen Unterschied, sagt sie, weder bei der Heizung noch beim Warmwasser.

In den Erdwärme-Anlagen wird die Wärme aus der Erde gewonnen, und zwar durch einen Wärmeaustausch. Das damit geheizte Wasser fließt dann durch Rohrleitungen in die verschiedenen Stadtteile.

Der Ingenieur Attila Bencsik erklärt das Prozedere: „Um die Geothermie zu einer erneuerbaren Energie zu machen, müssen wir, neben dem Förderbrunnen, zwei weitere Brunnen für die Rückstrahlung bohren. Der Grund aller drei Brunnen liegt in 2000 Metern Tiefe. Wir fördern das Thermalwasser aus einer Tiefe von 1500 und 1900 Metern aus der dortigen geologischen Schicht und pumpen es auch dorthin zurück."

Kostenpunkt: 50 Mio Euro

Das Erdwärme-Projekt in Szeged wird nächstes Jahr fertiggestellt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 50 Millionen Euro. Finanziert wird es zum Teil durch EU-Mittel. Expert:innen sagen, das Projekt könnte ein Vorbild sein für andere europäische Länder, die reich an geothermischen Quellen sind, wir Frankreich, Deutschland oder die Slowakei. Die Erdwärme werde in Europa als Quelle erneuerbarer Energie unzureichend genutzt.

Für Szeged wird sich die Umstellung auf jeden Fall lohnen. Die Stadt wird über 27,000 Wohnungen und 400 sonstige Gebäude mit Erdwärme heizen und somit vom russischen Gas unabhängiger werden.