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Euroviews. COP28: Hat die UN-Klimakonferenz ausgedient?

Zwei Arbeiter klettern im November 2000 von einem der Tanks eines Öltanklagers in Jebel Ali, 40 Kilometer südlich von Dubai, herunter.
Zwei Arbeiter klettern im November 2000 von einem der Tanks eines Öltanklagers in Jebel Ali, 40 Kilometer südlich von Dubai, herunter. Copyright AP Photo/Euronews
Copyright AP Photo/Euronews
Von Dr. Marc Nebojsa Vukadinovic, Programmdirektor bei EuropaNova, und Isabelle Négrier, Geschäftsführerin bei EuropaNova
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Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen sind die der Autoren und stellen in keiner Weise die redaktionelle Position von Euronews dar.
Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Es müssen andere, flexiblere und regionalere Gipfeltreffen und Organisationen entstehen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens gemeinsam zu erreichen, schreiben Dr. Marc Nebojsa Vukadinovic und Isabelle Négrier.

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Seit 1995 kommen jedes Jahr die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf der UN-Klimakonferenz (COP) zusammen, um über Umweltfragen zu diskutieren.

Im Jahr 2015, während der COP21, markierte das Pariser Klimaabkommen einen Wendepunkt im Kampf gegen die globale Erwärmung.

Zum ersten Mal verpflichteten sich alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren, mit dem ehrgeizigen Ziel, die globale Erwärmung bis 2100 unter 2°C zu halten.

Endlich gab es nicht mehr nur Debatten, Beobachtungen oder Absichtserklärungen, sondern eine echte Verpflichtung mit harten Zahlen, zu der sich vor der ganzen Welt, vor den Augen der Beobachter:innen und der künftigen Generationen bekannt wurde.

Das Abkommen war auch ein großer Erfolg für die europäische und französische Diplomatie: Es war gelungen, die umweltschädlichsten Länder der Welt dazu zu bringen, das Abkommen zu unterzeichnen.

Und doch sind wir hier

Seitdem sind acht Jahre vergangen. Die folgenden UN-Klimakonferenzen brachten kaum nennenswerte Fortschritte, der Kampf gegen die globale Erwärmung wird inzwischen anderswo organisiert: in anderen Institutionen, bei anderen Veranstaltungen, in bilateralen Beziehungen zwischen Staaten oder einfach unter dem Druck der öffentlichen Meinung.

Die Ziele, die sich die Regierungen selbst gesteckt haben, sind eindeutig: Es liegt an ihnen, sie zu realisieren, und es liegt an den Unternehmen, sich der Herausforderung zu stellen.

Das Modell [...] mag 2015 effektiv gewesen sein, aber jetzt werden die Grenzen offensichtlich: Seitdem wurde kein weltweites Abkommen mehr unterzeichnet.
Ein Mann in einem Eisbärenkostüm läuft zwischen den Delegierten während der Eröffnung der COP 23 Fidschi UN-Klimakonferenz in Bonn im November 2017.
Ein Mann in einem Eisbärenkostüm läuft zwischen den Delegierten während der Eröffnung der COP 23 Fidschi UN-Klimakonferenz in Bonn im November 2017.AP Photo/Martin Meissner

In der Zwischenzeit wurde die UN-Klimakonferenz zum Sinnbild großer diplomatischer Tagungen, dem die Luft ausgegangen ist und dessen Grenzen sich bei der bevorstehenden Veranstaltung in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen werden.

Das Modell, alle Nationen der Welt zusammenzubringen, was von Natur aus mühsam und komplex ist, mag 2015 effektiv gewesen sein, aber inzwischen werden die Grenzen offensichtlich: Seitdem wurde kein weltweites Abkommen mehr unterzeichnet.

Schlimmer noch, das COP-Modell scheint inzwischen kontraproduktiv geworden zu sein. Allmählich wird die Konferenz zur Karikatur eines großen diplomatischen Greenwashing-Akts. Die COP28, die im November und Dezember in Dubai stattfinden wird, treibt diese Entwicklung auf die Spitze.

Die Emirate als Organisatoren, die Emirate als Verschmutzer

Es wird schwer sein, die europäische, asiatische, afrikanische oder amerikanische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, einem grüneren Wachstumsmodell aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zuzustimmen.

Die kleine Monarchie am Golf mit nur zehn Millionen Einwohnern ist mit 22 Tonnen pro Person und Jahr der sechstgrößte Pro-Kopf-Verursacher von CO2-Emissionen weltweit.

Außerdem sind die Vereinigten Arabischen Emiraten der siebtgrößte Ölproduzent der Welt und fördern und exportieren täglich fast 4.000 Barrel.

Es fällt schwer, eine Veranstaltung zum Kampf gegen die globale Erwärmung abzusegnen, die von einem der größten Umweltverschmutzer der Welt organisiert wird.
Die Sonne geht im November 2016 über dem Hauptsitz des nationalen Ölunternehmens auf, der die Skyline von Abu Dhabi dominiert.
Die Sonne geht im November 2016 über dem Hauptsitz des nationalen Ölunternehmens auf, der die Skyline von Abu Dhabi dominiert.AP Photo/Kamran Jebreili

Es fällt schwer, eine Veranstaltung zum Kampf gegen die globale Erwärmung abzusegnen, die von einem der größten Umweltverschmutzer der Welt organisiert wird.

Zu allem Überfluss hat den Vorsitz einer der größten Umweltsünder des Landes inne: Sultan Ahmed Al Jaber ist nicht nur Präsident der COP28, sondern auch Geschäftsführer des staatlichen Ölkonzerns der Vereinigten Arabischen Emiraten.

In einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der Welt und die UNO forderten am 23. Mai Hunderte von europäischen und US-amerikanischen Parlamentarier:innen den Rücktritt von Sultan Al Jaber als Präsident der COP28, jedoch ohne Erfolg.

Einen ökologischen Irrweg in eine historische Chance verwandeln

Unter diesen Bedingungen und um künftige diplomatische und ökologische Enttäuschungen zu vermeiden, müssen wir uns dringend weiterentwickeln.

Es ist an der Zeit, sich für neue politische Modelle zu entscheiden, um den Kampf gegen die globale Erwärmung voranzutreiben und unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden.

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Es müssen andere, flexiblere und stärker regional ausgerichtete Gipfeltreffen und Organisationen entstehen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens gemeinsam zu erreichen.

Helfen wir [...] den Staaten, Unternehmen und NGOs der fünf Kontinente, neue, an ihre regionalen Gegebenheiten angepasste Organisationsformen zu schaffen, die wirklich wirksam sind, um unsere Klimaziele zu erreichen.
Teilnehmer:innen der COP22-Klimakonferenz posieren zur Unterstützung des Pariser Abkommens am letzten Tag der Konferenz in Marrakesch im November 2016.
Teilnehmer:innen der COP22-Klimakonferenz posieren zur Unterstützung des Pariser Abkommens am letzten Tag der Konferenz in Marrakesch im November 2016.Mosa'ab Elshamy/Copyright 2016 The AP. All rights reserved.

Europa war 2015 federführend und trug dazu bei, dass auf der COP21 ein Rahmen für die Strukturierung unserer Klimaziele für das kommende Jahrhundert geschaffen wurde.

Von nun an müssen die französische und die europäische Diplomatie weiterhin ihre Verantwortung wahrnehmen: Es gilt, die Entstehung neuer Institutionen zu fördern, um schließlich die UN-Klimakonferenzen zu ersetzen, die inzwischen nur noch Sinnlosigkeit und Ohnmacht miteinander verbinden.

Geben wir dieser COP28, die den Kampf gegen die globale Erwärmung diskreditieren wird, nicht unseren Segen.

Helfen wir im Gegenteil den Staaten, Unternehmen und NGOs der fünf Kontinente, neue, an ihre regionalen Gegebenheiten angepasste Organisationsformen zu schaffen, die wirklich wirksam sind, um unsere Klimaziele zu erreichen.

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Europa hat die Chance, sich von der Masse abzuheben, seine Werte zu demonstrieren und seine Bürger:innen stolz zu machen. Lassen Sie uns Geschichte schreiben und unserem Planeten dienen.

Dr. Marc Nebojsa Vukadinovic ist Dozent an der Sciences Po in Paris und Programmdirektor bei EuropaNova, Isabelle Négrier ist Industrielle und Geschäftsführerin von EuropaNova.

Wir bei Euronews glauben, dass alle Meinungen wichtig sind. Kontaktieren Sie uns unter view@euronews.com, um Vorschläge oder Beiträge einzureichen und an der Diskussion teilzunehmen.

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