Nordkoreas Spionagesatellit sorgt für Unruhe in Südkorea

Nordkorea bringt einen Spionagesatelliten in die Umlaufbahn.
Nordkorea bringt einen Spionagesatelliten in die Umlaufbahn. Copyright uncredited/AP
Von Diana Resnik
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Anfang der Woche hat Pjöngjang einen Spionagesatelliten in die Umlaufbahn gebracht. Moskau soll Nordkorea dabei unterstützt haben.

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Die Führung in Pjöngjang soll Anfang dieser Woche einen Spionagesatelliten in die Umlaufbahn gebracht haben. Dies berichtete der südkoreanische Geheimdienst. Pjöngjang soll dabei Unterstützung von Moskau erhalten haben. 

Nach Information südkoreanischer Abgeordneten soll der Norden "Feedback" von Russland erhalten haben, nachdem der nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im September den russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen hatte.

Russland gab dem Norden Feedback.
Südkoreanischer Nachrichtendienst

Wie der Geheimdienst nach Angaben des Abgeordneten Yoo Sang-bum mitteilte, übergab der Norden Moskau den Entwurf und die Daten für den ersten und zweiten Satellitenstart. Russland wiederum soll diese Daten analysiert und dem Norden "Feedback" gegeben haben. 

Laut südkoreanischer Nachrichtenagentur war der Start des Satelliten erfolgreich. Dennoch sei es noch zu früh um zu sagen, ob der Satellit so funktioniert, wie Pjöngjang es behauptet.

Wenige Stunden nach dem Start berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien, Machthaber Kim Jong Un würde bereits Bilder von amerikanischen Militärstützpunkten in Guam betrachten.

Funktionsfähigkeit des Satelliten steht in Frage

Der Start des Satelliten "Malligyong-1" am Dienstag war der insgesamt dritte Versuch Pjöngjangs, einen militärischen Überwachungssatellit in eine Umlaufbahn zu bringen. Zwei Versuche im Mai und August waren bereits gescheitert.

Während der Norden erklärte, der Satellit funktioniere bereits, hält der südkoreanische Nachrichtendienst dies für unwahrscheinlich. Er hatte bereits nach einem der gescheiterten Satellitenstarts Trümmer gesammelt und analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass der Satellit keinen militärischen Nutzen hatte. 

"In Anbetracht der Tatsache, dass die Entwicklung eines Satelliten in der Regel drei Jahre dauert, sind die derzeitigen Behauptungen keine Garantie für die Funktionsfähigkeit des Satelliten - es sei denn, Pjöngjang veröffentlicht tatsächlich die erwähnten Fotos der Guam-Basis", so Yoo Sang-bum.

Vertrag teilweise ausgesetzt

Nach dem Start des Satelliten setzte Seoul ein fünf Jahre altes Militärabkommen teilweise aus und verlegte "Überwachungs- und Aufklärungseinrichtungen" an die Grenze zu Nordkorea. Dies sei die "wesentliche Maßnahme" zur Abwehr der wachsenden Bedrohung durch den atomar bewaffneten Norden, sagte der südkoreanische Verteidigungsminister Shin Won-sik am Donnerstag.

Das nordkoreanische Verteidigungsministerium bezeichnete das Vorgehen Seouls als "rücksichtslos" und kündigte an, das Abkommen vollständig auszusetzen.

Als Reaktion darauf werde Pjöngjang nun "stärkere Streitkräfte und neuartige militärische Ausrüstung in der Region entlang der militärischen Grenze stationieren", teilte das Ministerium in seiner Erklärung an die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA mit.

Gefahr bewaffneter Zusammenstöße wächst

Am frühen Donnerstag feuerte der Norden außerdem eine ballistische Rakete ab, wie der Generalstab in Seoul mitteilte. Auch dieser Raketenstart war jedoch nicht erfolgreich.

Der Start einer ballistischen Rakete sei ein schlechter Vorbote für die Zukunft, sagte Yang Moo-jin, Präsident der Universität für Nordkoreastudien in Seoul.

Yang Moo-jin erwartet von Nordkorea, dass es seine Stärke demonstrieren wird und hält deshalb eine mögliche Verletzung der Seegrenze, den Einsatz der Küstenartilllerie, sowie das Abfeuern verschiedener Raketen daher nicht für unwahrscheinlich.  

Infolgedessen wächst die Wahrscheinlichkeit zufällig bewaffneter Zusammenstöße entlang der Demarkationslinie. Die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts ist damit nicht ausgeschlossen. 

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Satellit in der Umlaufbahn

Nordkoreas Machthaber Kim beaufsichtigte den Start des Überwachungssatelliten persönlich. Die staatlichen Medien zeigten Fotos, auf denen Kim sich Bilder von US-Militärbasen in Guam ansah, die Nordkoreas neuer Überwachungssatellit gesendet haben soll.

Das Verteidigungsministerium in Pjöngjang betonte am Donnerstag, dass der Satellitenstart Teil des "Rechts auf Selbstverteidigung" sei und wies die "extrem hysterische" Reaktion insbesondere des Südens zurück.

Extrem hysterische Reaktion des Südens
Verteidigungsministerium in Pjöngjang

Südkorea "muss für seine unverantwortlichen und schwerwiegenden politischen und militärischen Provokationen, die die gegenwärtige Situation in eine unkontrollierbare Phase getrieben haben, teuer bezahlen", so das Verteidigungsministerium weiter.

Nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA wird der Satellit am 1. Dezember mit seiner offiziellen Aufklärungsmission beginnen.

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Wenn es Nordkorea wirklich gelingt, einen Spionagesatelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, würde dies nach Ansicht von Experten Pjöngjangs Überwachungsmöglichkeiten, insbesondere was Südkorea angeht, verbessern und im Falle eines militärischen Konflikts wichtige Daten liefern.

Ein Wettlauf ins All

Der Satellitenstart scheint ein Wettlauf ins All auf der koreanischen Halbinsel eingeleitet zu haben. Jedenfalls plant Seoul, noch in diesem Monat den Start seines ersten Spionagesatelliten mit einer SpaceX-Rakete.

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