Warum Behörden in Frankreich vor dem Konsum von Eiern warnen

In Frankreich wird vor dem Verzehr von Eiern privat gehaltener Hühner gewarnt.
In Frankreich wird vor dem Verzehr von Eiern privat gehaltener Hühner gewarnt. Copyright Canva
Von Ian Smith
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Millionen Menschen in Frankreich wurden vor dem Essen von Eiern selbst gehaltener Hühner gewarnt. Tests ergaben, dass sie hohe Werte gefährlicher Chemikalien enthalten.

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Die französischen Gesundheitsbehörden haben Millionen Einwohnerinnen und Einwohner davor gewarnt, Eier aus privaten Hühnerställen unter anderem in der Region Île de France zu essen. Eine neue Studie hatte zuvor bestätigt, dass Boden und Eier mit ewigen Chemikalien (PFAS) und Toxinen kontaminiert sind.

Eine erste vorsorgliche Warnung erging im Februar 2022 für bestimmte Gebiete der Region um Paris. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde dann im Mai 2023 nach einer Voruntersuchung auf die gesamte Region ausgeweitet. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt bestätigt und zeigen, was die Behörde veranlasste, ihre Warnung zu bestätigen.

Die Warnung vor dem Verzehr von Eiern gilt für die 410 Gemeinden des Pariser Stadtgebiets (einschließlich Paris, alle Gemeinden von Seine-Saint-Denis, Hauts-de-Seine, Val-de-Marne, bestimmte Gemeinden von Seine-et-Marne, Yvelines, Essonne und Val-d'Oise).

Auch in der Region um Lyon hatte es zu Beginn des Jahres Warnungen vor dem Verzehr von Eiern gegeben.

Bei Tests der Stiftung ToxicoWatch waren im Jahr 2022 sehr hohe Dioxinkonzentrationen in Hühnerställen in der Nähe der größten Müllverbrennungsanlage in Europa in Paris festgestellt. Die Behörden haben nun ihre eigenen Untersuchungen in 25 Hühnerställen durchgeführt und ihre erste Warnung bestätigt.

Es gibt eine "allgegenwärtige [weit verbreitete] Kontamination von Böden und Eiern aus Hühnerställen in Paris und den inneren Vororten durch persistente organische Schadstoffe [POPs]" wie Dioxine, Furane, polychlorierte Biphenyle und Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (bekannt als PFAS oder "forever chemicals"), erklärten die französischen Behörden in einer Pressemitteilung.

Was sind PFAS oder "ewige Chemikalien"?

Per- oder polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) ist die Bezeichnung für Tausende komplexer, von Menschen hergestellten Chemikalien. Sie werden in zahlreichen Produkten verwendet, von antihaftbeschichteten Bratpfannen bis hin zu Toilettenartikeln, Lebensmittelverpackungen und Feuerlöschschaum.

PFAS stellen seit den 1950er Jahren eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar - also seit die Zahl der Verwendungen, Bezeichnungen und Anwendungen für diese Gruppe von Chemikalien schnell zu wachsen begann.

Das Problem bei PFAS ist, dass sie besonders lange in der Umwelt verbleiben. Sie bestehen aus Ketten von miteinander verbundenen Kohlenstoff- und Fluoratomen. Da diese Kohlenstoff-Fluor-Bindung eine der stärksten ist, die es gibt, werden einige Chemikalien erst nach mehr als 1.000 Jahren abgebaut.

Warum sind ewige Chemikalien gefährlich?

Der französischen Gesundheitsbehörde zufolge führt regelmäßiger Konsum "mehrmals pro Woche über mehrere Jahre" zu "einer potenziell endokrin wirksamen Wirkung, die chronische Krankheiten auslösen und die Entwicklung der Fortpflanzungs- und Immunfunktionen beeinträchtigen kann".

Frühere Untersuchungen haben PFAS mit einer schwächeren Reaktion auf Impfstoffe und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere Nieren- und Hodenkrebs, in Verbindung gebracht.

Warum gilt die Warnung nur für Eier aus privater Erzeugung?

Da die neue Studie nur nicht-professionelle Hühnerställe untersuchte, gelte die Empfehlung auch nur für diese, private Haltung, so die französische Gesundheitsbehörde.

"Die Hühner werden in der Regel länger gehalten als in einem professionellen Betrieb, in dem es darum geht, den Ertrag zu maximieren", heißt es. "Die Anreicherung von persistenten organischen Schadstoffen nimmt mit der Dauer der Belastung zu. So ist ein Huhn, das mehrere Jahre im Hühnerstall verbracht hat, mit größerer Wahrscheinlichkeit kontaminiert als ein Huhn, das nur ein paar Monate dort verbracht hat".

Die im Handel erhältlichen Eier würden regelmäßig kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie den europäischen Vorschriften entsprechen.

Was kann gegen ewige Chemikalien in Eiern getan werden?

In einem der jüngsten Berichte von ToxicoWatch stellt die niederländische Stiftung fest, dass "ein Verbot des Verzehrs von Eiern von Hinterhofhühnern als Antwort auf die Ergebnisse der Biomonitoring-Studie über Dioxinemissionen die eigentliche Ursache der Dioxinbelastung nicht bekämpft".

Private Hühner leben in der Natur, scharren in der Erde und fressen Pflanzen und Insekten. Es handelt sich also nicht um ein Eierproblem, sondern um ein Problem der Umweltverschmutzung durch die giftigen Industrieemissionen in unserer Umwelt, so das Labor.

Weiter heißt es: "Weitere Forschung ist erforderlich, um herauszufinden, wie die Quelle(n) der Dioxin- und PFAS-Kontaminationen die toxische Belastung der Umwelt durch eine wirklich vernünftige Bewirtschaftung zum Nutzen der Gesundheit von Mensch und Umwelt als nachhaltige Lösung verringern können."

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