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Proaktives Handeln hilft Fischbestände zu erhalten und nachhaltig zu befischen

Mit Unterstützung von The European Commission
Proaktives Handeln hilft Fischbestände zu erhalten und nachhaltig zu befischen
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Von Denis LoctierSabine Sans
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Der Zustand unserer Ozeane ist in vielerlei Hinsicht alarmierend, doch die Widerstandsfähigkeit des Seehechts im Mittelmeer und seine bemerkenswerte Erholung im Atlantik lassen hoffen. Könnten wir das Gelernte nutzen, um mehr Meeresarten wieder anzusiedeln?

Zwei Uhr morgens in Galicien an der spanischen Atlantikküste. Am Fischereihafen von Celeiro wird die ganze Nacht gearbeitet, um ein Schiff zu entladen, das eine Woche lang in der Keltischen See unterwegs war und randvoll mit Fang zurückgekehrt ist. Die längliche Form des Fisches lässt keinen Zweifel: Seehecht, der Eckpfeiler der lokalen Fischereiwirtschaft.

"Wenn die Seehechtfischerei eingestellt würde, wären wir alle arbeitslos. Wir sind alle vom Seehecht abhängig."
José Luis Fernández Louzao
Erster Offizier auf dem Fischerboot Eixil

Es ist noch gar nicht so lange her, dass diese wichtige Fischart fast aus dem Atlantik verschwunden war - um sich dann stärker denn je zu erholen. 

"In den Gewässern Nordwesteuropas hat sich der Seehechtbestand in den vergangenen zwei Jahrzehnten eindrucksvoll erholt", erzählt Euronews-Reporter Denis Loctier. "Aber was steckt hinter dieser bemerkenswerten Erholung? Und warum wiederholen sich solche Erfolgsgeschichten anderswo nur selten?"

Der entladene Seehecht wird schnell versteigert. Dank der selektiven Fanggeräte sind die Fische groß und unbeschädigt. Die Minimierung der Schäden an der Seehechtpopulation hat heute eine viel höhere Priorität als in der Vergangenheit. 

Der Meereswissenschaftler Javier López leitet die Kampagne für nachhaltige Fischerei bei Oceana, einer Naturschutz-Organisation. 

"In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde der atlantische Seehecht stark überfischt, was zu einem dramatischen Rückgang der Bestände führte. Der Seehecht war in einer kritischen Situation und stand kurz vor dem Kollaps", erklärt der Kampagnendirektor. "Das war nicht nur für die Umwelt und die Fischbestände alarmierend, sondern auch für die betroffenen Menschen. Viele Fischer und Küstengemeinden, die vom Seehecht abhängig sind, hätten Schwierigkeiten gehabt, ihren Job zu behalten."

Der Meereswissenschaftler Javier López leitet die Kampagne für nachhaltige Fischerei bei Oceana, einer Naturschutz-Organisation
Der Meereswissenschaftler Javier López leitet die Kampagne für nachhaltige Fischerei bei Oceana, einer Naturschutz-Organisationeuronews

Der Seehecht ist beliebt in Spaniens Küche

Das Verschwinden des Seehechts wäre auch für die Köche der Region ein großer Verlust. Der mit Kabeljau und Schellfisch verwandte Fisch ist in Galicien und ganz Spanien ein beliebtes Essen. Seine zarten, flockigen Filets passen hervorragend zu Gerichten wie gebratenem Gemüse oder frittierten Weichtieren. In jedem Fischrestaurant in Spanien findet man Seehecht auf der Speisekarte.

Der Koch des Restaurants Boa Vista Domingo Alló Puñal ist begeistert: "Dieser Fisch ist unglaublich vielseitig - man kann ihn auf fast jede erdenkliche Weise zubereiten."

Der Seehecht ist beliebt in Spaniens Küche
Der Seehecht ist beliebt in Spaniens Kücheeuronews

Entscheidende Maßnahmen der EU

Aber wie schaffen es die Menschen hier in Galicien - und an der gesamten Nordwestküste Europas - ihren Seehecht zu fangen und zu essen? Die Antwort liegt in rechtzeitigen Schutzmaßnahmen und einer Portion Glück. 

Ein Großteil des europäischen Seehechts kommt im Nordostatlantik vor. In den 1990er Jahren sank sein Bestand durch Überfischung weit unter ein nachhaltiges Niveau. Wissenschaftler, die diesen Rückgang beobachteten, schlugen Alarm und warnten vor dem Aussterben des nördlichen Seehechts.

Die Europäische Union ergriff daraufhin Anfang der 2000er-Jahre entscheidende Maßnahmen. Sie legte auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten strenge Fangbeschränkungen fest, vergrößerte die Maschenweite der Fischernetze, damit die jungen Seehechte entkommen konnten, und richtete zwei große Schutzgebiete ein, in denen die Jungfische aufwachsen konnten. Glücklicherweise waren die Seebedingungen günstig, was ebenfalls eine wichtige Rolle spielte. 

Die Bemühungen haben sich gelohnt: Der nördliche Seehechtbestand hat sich auf ein nie dagewesenes Niveau erholt. Diese Erholung ermöglichte eine schrittweise Anhebung der Fangquoten, so dass der Seehecht weiterhin nachhaltig befischt werden kann. 

Nun hofft man, diesen Erfolg auch bei anderen Beständen wiederholen zu können. Laut Javier López liegt der Schlüssel dazu in der Festlegung konkreter langfristiger Bestanderholungsziele und der anschließenden Durchsetzung der Maßnahmen, um die Pläne in wirksame Aktionen umzusetzen:

"Die Erholung der Bestände und der derzeitige Überfluss an nördlichem Seehecht im Atlantik sind kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer sorgfältigen Bewirtschaftung, von Kontrollmaßnahmen und günstigen Meeresbedingungen. Es ist aber auch das Verdienst des Fischereisektors, der diese Maßnahmen unterstützt hat."

Die lokalen Fischer sehen sich heute vielen Herausforderungen gegenüber, von niedrigen Marktpreisen bis hin zu harter Konkurrenz durch Billigimporte. Dennoch sind sie mit dem Zustand des Seehechtbestands zufrieden. Die Beschränkungen der Vergangenheit scheinen sich auszuzahlen. 

"Es gab einige Jahre, in denen die Fischerei ziemlich stark zurückgegangen ist. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Wenn wir früher 4.000 Kilo pro Tag gefangen haben, schaffen wir jetzt 1.000 Kilo pro Tag - Europa hat die Fänge reduziert und dann wieder erhöht", erzählt der Geschäftsführer des Hafens von Celeiro José Novo Rodríguez. "Jetzt ist der Fischbestand gut, wir fischen sehr gut."

Und Manuel Bermúdez Díez, der Projektleiter des Hafen von Celeiros, schwärmt: "In Celeiro ist die Gemeinde stolz darauf, ein Fischerdorf zu sein. Für uns ist der Seehecht eine Liebesgeschichte. It’s a love story."

Während der atlantische Seehecht heute nachhaltig befischt wird, sind die Bestände im Mittelmeer in einem wesentlich schlechteren Zustand. Kommen wir von Galicien nach Mallorca. Ein aktueller Bericht der Europäischen Kommission zeigt, dass die Seehechtbestände im Mittelmeer mehr als verzehnfacht werden müssten, um nachhaltig zu sein. 

Beatriz Guijarro, die für die Bewertung der Fischbestände in der Region zuständig ist, beschreibt die Situation des Seehechts als "anhaltende Nichtnachhaltigkeit". Die Unterwasserlandschaft scheint einigen Seehechten zu helfen, den Trawlern auszuweichen und so ihr Überleben zu sichern. 

"Der Seehecht wird überfischt, aber nach unseren Daten ist er nicht vom Kollaps bedroht", meint die Forscherin für Fischerei im Mittelmeer beim COB-IEO CSIC. "Ein wichtiger Teil der Population, die großen Weibchen, leben in Gebieten, die für die Fischerei normalerweise unerreichbar sind. Dies trägt dazu bei, dass die Population trotz der anhaltenden Überfischung über die Jahre hinweg erhalten bleibt."

Beatriz Guijarro ist für die Bewertung der Fischbestände in der Region zuständig
Beatriz Guijarro ist für die Bewertung der Fischbestände in der Region zuständigeuronews

Das Mittelmeer ist vielfältig und komplex, was die Erholung der Seehechtbestände zu einer langfristigen Herausforderung macht. Gebietsschließungen, der Einsatz selektiverer Fanggeräte und die Begrenzung der Fangtage wurden hier 20 Jahre später eingeführt als im Atlantik, und es ist noch zu früh, um die Ergebnisse zu beurteilen.

Im Hafen von Alcúdia kehrt ein Grundschleppnetzfischer nach einem Tag auf See zurück. Der Seehecht macht nur einen kleinen Teil des gemischten Fangs aus. Die Fischereiwirtschaft hat sich anfangs gegen die Beschränkungen gewehrt. Der Kapitän hält sie nun für gerechtfertigt, auch wenn er nur vier Tage pro Woche fischen darf. 

"Die meisten von uns Fischereikapitänen sind nicht dagegen, sondern unterstützen diesen Ansatz", sagt Joan Jesús Vaquero Enseñat, Kapitän auf dem Fischerboot Punta des Vent. _"_Schließlich geht es um unsere Ressourcen. Wir sind von den Reichtümern des Meeres abhängig und haben die Pflicht, sie zu schützen und zu bewahren."

Die Bestände des Mittelmeer-Seehechts steigen langsam wieder an. Die Art ist nach wie vor gefährdet und könnte weiter zurückgehen. Aber mit den richtigen Maßnahmen besteht eine gute Chance auf Erholung, so der Naturschützer Javier López:

"Die wichtigste Lehre hier ist, dass wir nicht auf eine Krise warten sollten, bevor wir handeln. Durch frühzeitiges Handeln lassen sich komplexere Probleme und sozioökonomische Auswirkungen vermeiden. Das Meer ist großzügig; mit den richtigen Maßnahmen kann es seine Ressourcen wieder auffüllen. Es gibt Grenzen, die wir nicht überschreiten dürfen, aber wenn wir klug handeln, können wir sicher sein, dass die Fische zurückkehren werden."

Der Zustand unserer Ozeane ist in vielerlei Hinsicht alarmierend, doch die Widerstandsfähigkeit des Seehechts im Mittelmeer und seine bemerkenswerte Erholung im Atlantik lassen hoffen. Könnten wir das Gelernte nutzen, um mehr Fischarten wieder anzusiedeln?

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