EventsVeranstaltungen
Loader

Find Us

FlipboardLinkedinInstagramTelegram
Apple storeGoogle Play store
Iwao Hakamada, seine Schwester Hideko und Untersstützer vor dem Gericht

Video. Ältester zum Tode verurteilter Mann der Welt bekommt neuen Prozess

Ein japanisches Gericht hat am Montag die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen einen 87-jährigen Mann angeordnet, der als der älteste zum Tode verurteilte Mann der Welt gilt.

Ein japanisches Gericht hat am Montag die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen einen 87-jährigen Mann angeordnet, der als der älteste zum Tode verurteilte Mann der Welt gilt.

Iwao Hakamada ist ein ehemaliger japanischer Boxer, der am 8. August 1966 verhaftet und des mehrfachen Raubmordes, der Brandstiftung und des Diebstahls beschuldigt wurde. Er wurde am 11. September 1968 vom Landgericht Shizuoka zum Tode verurteilt.

Hideko Hakamada, Hakamadas Schwester und wichtigste Unterstützerin, sagte Gerichtsentscheidung: "Ich habe 57 Jahre lang auf diesen Tag gewartet und er ist gekommen." Eine Last sei endlich von ihren Schultern genommen, fügte die 90-jährige hinzu.

Ihr Bruder hatte mehr als vier Jahrzehnte im Todestrakt verbracht, nachdem er 1968 wegen des vierfachen Mordes an seinem Chef und dessen drei Familienmitgliedern zum Tode verurteilt worden war.

Hakamada hatte das Verbrechen nach wochenlangen Verhören in der Haft gestanden, bevor er seine Aussage widerrief. Seitdem beteuerte er immer wieder seine Unschuld, doch die Strafe wurde 1980 bestätigt.

Blutige Kleidungsstücke - falsche Größe

Der ehemalige Boxer wurde 2014 freigelassen, nachdem ein Gericht aufgrund von DNA-Tests Zweifel an seiner Schuld eingeräumt und beschlossen hatte, ihm einen neuen Prozess zu ermöglichen.

Im Jahr 2018 kam es jedoch zu einem erneuten Rückschlag: Nach einer Berufung der Staatsanwaltschaft stellte das Oberste Gericht in Tokio die Zuverlässigkeit der DNA-Tests in Frage und hob die Entscheidung von 2014 auf, ohne dass Hakamada jedoch erneut ins Gefängnis musste.

Der Oberste Gerichtshof Japans hob dann Ende 2020 die Entscheidung auf, die Hakamada daran hinderte, erneut vor Gericht gestellt zu werden, um seinen Freispruch zu erwirken, eine Nachricht, die seine Schwester Hideko als "Weihnachtsgeschenk" begrüßte. 

Die Anklage stützte sich größtenteils auf blutige Kleidungsstücke, die mehr als ein Jahr nach der Tat aufgetaucht waren. Die auf diesen Kleidungsstücken gefundene DNA war jedoch nicht die von Iwao Hakamada.

Außerdem hatten die Kleidungsstücke nicht die richtige Konfektionsröße und die Blutflecken waren zu frisch, um mit den Morden in Verbindung gebracht werden zu können.

"Es gibt außer der Kleidung keine weiteren Beweise, um Herrn Hakamada als Täter zu identifizieren, und es besteht eindeutig ein begründeter Zweifel an seiner Schuld", sagte der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs von Tokio, Fumio Daizen, am Montag, wie der staatliche Fernsehsender NHK zitierte.

Japan ist neben den USA eines der letzten industrialisierten und demokratischen Länder, das noch auf die Todesstrafe zurückgreift. Dies wird in der japanischen Öffentlichkeit weitgehend befürwortet 

Ihm drohte Tod durch Erhängen - 40 Jahre lang

Die Angehörigen von Iwao Hakamada verweisen auf die psychologischen Folgen, die mehr als vier Jahrzehnte in der Zelle bei ihm hinterlassen haben, in denen er jeden Tag seine Hinrichtung durch Erhängen befürchten musste.

Seine Schwester erklärte am Montag auf einer Pressekonferenz, dass sie mit ihrem Bruder nie über die Gerichtsverhandlungen spreche. "Ich sage ihm nur, dass er sich beruhigen soll, weil wir ein gutes Urteil erwirkt haben. Ich muss nur dafür sorgen, dass ich den Beginn des neuen Prozesses miterleben kann."

Der Prozess könnte jedoch mehrere Jahre dauern, wenn eine Sonderberufung eingelegt wird, ein System, gegen das die Anwälte protestieren.

Der japanische Anwaltsverband begrüßte die Entscheidung vom Montag und forderte "die Staatsanwälte nachdrücklich auf, das Verfahren für einen neuen Prozess ohne Berufung vor dem Obersten Gerichtshof einzuleiten".

Amnesty International begrüßte die Entscheidung vom Montag als "eine zu lange erwartete Gelegenheit, Gerechtigkeit walten zu lassen".

"Die Verurteilung von Herrn Hakamada basierte auf erzwungenen Geständnissen und die anderen Beweise gegen ihn wecken ernsthafte Zweifel", sagte Hideaki Nakagawa, Leiter der japanischen Zweigstelle der NGO.

Aktuelles Video