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Spaniens Haustiere gehören per Gesetz zur Familie: Was passiert bei Scheidung?

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Von Laura Llach
Tiere gelten in Spanien jetzt als "fühlende Wesen".
Tiere gelten in Spanien jetzt als "fühlende Wesen".   -   Copyright  Fermín Rodríguez Penelas

Haustiere gelten in Spanien nicht mehr als "Sachen" im Sinne des Gesetzes, sondern als Familienmitglieder. Von nun an werden als" Lebewesen mit eigener Sensibilität" angesehen, eine juristische Übersetzung eines Gefühls, das in der Gesellschaft bereits existiert.

Das Gesetz trat am Mittwoch Inkraft und hat zugleich Einfluss auf das Bürgerliche Gesetzbuch, das Hypothekengesetz und das Zivilprozessrecht in Bezug auf den rechtlichen Status von Tieren.

Der Ursprung liegt in einer Initiative, die 2015 vom Observatorio Justicia y Defensa Animal ins Leben gerufen wurde und mehr als 500.000 Unterschriften sammelte. Darin wurde gefordert, Tiere im Zivilgesetzbuch nicht mehr als Gegenstände, sondern als fühlende Wesen zu betrachten.

Spanien reiht sich damit in die Liste der europäischen Länder ein, die ebenfalls Tiere als fühlende Wesen anerkennen, darunter Frankreich (2015), Deutschland (1990), die Schweiz (2003), Belgien (2009), Österreich (1986) und Portugal (2017). Außerhalb der Europäischen Union gibt es ähnliche Vorschriften in Kanada und Neuseeland.

Was bedeutet dieses Gesetz in der Praxis?

Sie besagt im Wesentlichen, dass Tiere mit der Fähigkeit ausgestattet sind, zu fühlen und in einigen Fällen auch Gefühle zu haben. Der Aspekte dieses Gesetzes, der am meisten Aufmerksamkeit erregt, ist die Regelung des gemeinsamen Sorgerechts für Haustiere im Falle einer Scheidung oder Trennung eines Paares.

Familiengerichte müssen jetzt sowohl das Wohl des Tieres als auch die Bedürfnisse der Familie berücksichtigen, wenn sie entscheiden, wer sich um ein Haustier kümmert. Dabei kann es sich um einen Hund, eine Katze, eine Schildkröte oder einen Vogel handeln. Der Richter kann so weit gehen, dass er die Beteiligung der Ehepartner am Unterhalt und an der Pflege des Tieres festlegt.

Darüber hinaus wird festgelegt, dass die Besitzer für das Wohlergehen des Tieres "garantieren" müssen. Das Sorgerecht für das Tier kann ihnen aber auch verweigert oder entzogen werden, wenn eine/r von ihnen wegen Tierquälerei vorbestraft ist. Das Gericht entscheidet zudem, wer sich um das Tier kümmert, wenn es keine Einigung zwischen den beiden Parteien gibt.

Was geschieht mit Haustieren nach dem Tod ihres Besitzers?

Das Gesetz soll Haustiere davor schützen, entführt, verpfändet oder ausgesetzt zu werden und soll Leiden oder Schmerzen verhindern. Hinterlässt eine Verstorbene oder ein Verstorbener kein schriftliches Testament, geht das Haustier an das Familienmitglied, das es beansprucht.

Ist dies nicht der Fall, wird das Tier in ein Tierheim gebracht oder in eine Übergangseinrichtung, bis eine Einigung über das Schicksal erzielt wird. Wenn die Verwandten sich weigern, sich um das Tier zu kümmern, kann eine andere Person gefunden werden, die sich um das Tier kümmern kann.

Das Gesetz sieht vor, dass derjenige, der ein streunendes Tier auffindet, es seinem Besitzer oder der für seine Pflege verantwortlichen Person übergeben muss - es sei denn, es gibt begründete Hinweise auf Misshandlung oder Aussetzung. Im Falle der Abgabe des Tieres können die Kosten für die Behandlung und Pflege des Tieres geltend gemacht werden.