Worum geht es beim Wirecard-Prozess? Marsalek wohl in Russland untergetaucht

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit dpa, AP
Ehemaliges Wirecard-Gebäude in Aschheim
Ehemaliges Wirecard-Gebäude in Aschheim   -   Copyright  Peter Kneffel/AP

An diesem Donnerstag beginnt in München in einem unterirdischen Sitzungssaal neben der JVA Stadelheim der Wirecard-Prozess/ Es geht um einen der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Vor Gericht stehen der derzeit inhaftierte Konzernchef Markus Braun und zwei ehemalige Top-Manager des bankrotten Finanzdienstleisters. 

Sie sollen von 2015 bis 2019 die Bilanzen gefälscht und Kredite von 3,1 Milliarden Euro aufgenommen haben, ohne je etwas davon zurückzahlen zu können. Etwa 5.000 Menschen verloren durch die Wirecard-Pleite ihren Job.

Zeitweilig war der Anbieter von Kreditkartenabrechnungen an der Börse in Frankfurt mehr als 20 Milliarden Euro wert - mehr als die Deutsche Bank oder Lufthansa. Doch diese Summe war nur Schall und Rauch...

Der Wirecard-Skandal wurde auch von einem Ausschuss im Bundestag untersucht, dem die damalige Kanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Olaf Scholz Rede und Antwort stehen mussten.

Wird untergetauchter Marsalek von Russland versteckt?

Ein Beschuldigter fehlt beim Prozess in München: Jan Marsalek. Der Österreicher ist im Sommer 2020 untergetaucht und wird seit 2021 in Russland vermutet. Laut einem Bericht von BILD soll Marsalek sich in einem Versteck des russischen Geheimdienstes FSB befinden. Medienberichten zufolge hat Moskau den deutschen Justizbehörden angeboten, den Angeklagten zu befragen.

Die Polizei Bayern hat eine weltweite Fahndung nach Jan Marsalek eingeleitet.

Polizei Bayern
Fahndung nach Jan MarsalekPolizei Bayern

Der Österreicher und Ex-Wirecard Chef Markus weist die Vorwürfe des Betrugs zurück. Oliver Bellenhaus - der ehemalige Leiter der Wirecard-Tochtergesellschaft in Dubai sagt als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft aus.

Fabrizio Bensch/REUTERS
Ex-Wirecard-Chef Markus Braun ist in München im GefängnisFabrizio Bensch/REUTERS

Der Prozess in München soll bis 2024 dauern. Am ersten Prozesstag sollte die 89 Seiten lange Anklage verlesen werden - in etwa fünf Stunden.