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Geschäftsklima in Deutschland sinkt im Juni: Kein Euro 2024-Sommermärchen?

Fans warten auf das Spiel der Gruppe A zwischen der Schweiz und Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Frankfurt, Deutschland, Sonntag, 23. Juni
Fans warten auf das Spiel der Gruppe A zwischen der Schweiz und Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Frankfurt, Deutschland, Sonntag, 23. Juni Copyright Themba Hadebe/Copyright 2024 The AP. All rights reserved
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Von Piero Cingari
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Die Stimmung der deutschen Unternehmen ist im Juni stärker als befürchtet gesunken, erstmals seit Dezember 2023. Es wird erwartet, dass die Fußball-Europameisterschaft zwar zusätzliche Einnahmen bringen wird, aber keine nennenswerten Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird.

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Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im Juni stärker als erwartet verschlechtert. Dies ist der erste Rückgang gegenüber einem Vormonat seit Dezember 2023, berichtet das ifo-Institut.

Die monatliche Befragung von rund 9.000 deutschen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Dienstleistungssektors, des Handels und des Baugewerbes ergab, dass der ifo-Geschäftsklimaindex von 89,3 Punkten im Mai auf 88,6 Punkte im Juni fiel. Er verfehlte damit die Erwartungen der Ökonomen, die einen Anstieg auf 89,7 Punkte erwartet hatten.

Der Rückgang des Gesamtvertrauens war in erster Linie auf die Verschlechterung der Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate zurückzuführen. Der Erwartungsindex fiel von 90,4 im Mai auf 89 im Juni und blieb damit hinter den prognostizierten 91 zurück. Der Index für die aktuelle Lage blieb unverändert bei 88,3 und verfehlte damit nur knapp die erwarteten 88,5.

Im verarbeitenden Gewerbe ging das Geschäftsklima nach drei aufeinander folgenden Monaten der Verbesserung zurück, wobei die Unternehmen vorsichtiger in die Zukunft blicken.

Im Dienstleistungssektor stieg der Index an. Die Dienstleister bewerteten ihre Lage positiver, und auch die Aussichten für die zweite Jahreshälfte verbesserten sich weiter.

Im Handel verschlechterte sich das Geschäftsklima aufgrund der wachsenden Skepsis gegenüber der Zukunft deutlich. Im Baugewerbe hingegen stieg der Index leicht an, was auf weniger pessimistische Erwartungen zurückzuführen ist, auch wenn der Mangel an Aufträgen weiterhin ein großes Problem darstellt.

"Die deutsche Wirtschaft hat Schwierigkeiten, die Stagnation zu überwinden", schreibt das ifo-Institut.

Konjunkturaussichten in Deutschland leicht verbessert

In der vergangenen Woche hat das ifo-Institut seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im zweiten Halbjahr 2024 leicht angehoben.

Für das Gesamtjahr 2024 rechnet das deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut mit einem Wachstum von 0,4 %, eine Verbesserung gegenüber dem Rückgang von 0,2 % im Jahr 2023. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als in der Frühjahrsprognose 2024 des ifo Instituts. Für Deutschland wird für 2025 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 % prognostiziert, was mit früheren Schätzungen übereinstimmt.

Die Inflation soll im Jahr 2024 bei durchschnittlich 2,2% liegen und 2025 auf 1,7% sinken.

Das verarbeitende Gewerbe mit seinem Exportgeschäft stütze die Wirtschaft, während die Bauwirtschaft ihren Abwärtstrend fortsetzen und einen starken Rückschlag erleiden dürfte, so das Münchner Forschungsinstitut.

"Neue Hoffnung keimt derzeit auf. Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Krise heraus", sagte ifo-Prognoseleiter Professor Timo Wollmershäuser.

Euro 2024 wird nicht als Wendepunkt erwartet

"Die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland wird kein Sommermärchen für die deutsche Wirtschaft bringen", schreibt das ifo-Institut in einer Anfang des Monats veröffentlichten Studie.

Die Euro 2024 wird Deutschland voraussichtlich Einnahmen durch ausländische Fußballtouristen bescheren. Nach der aktuellen ifo-Konjunkturprognose entspricht dieser Zustrom etwa 0,1 % der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal des Jahres.

Das ifo-Institut schätzt jedoch, dass derartige Großereignisse aus gesamtwirtschaftlicher Sicht in der Regel nur geringe Auswirkungen haben, außer im Tourismus.

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"Zwar werden die inländischen Verbraucher während der WM auch im Gastgewerbe und im Lebensmitteleinzelhandel kurzzeitig mehr ausgeben, doch werden sie ihre Ausgaben an anderer Stelle reduzieren, sodass der private Konsum insgesamt unbeeinflusst bleiben dürfte. Darauf deuten zumindest die Erfahrungen aus der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hin", sagte Professor Wollmershäuser.

Ifo-Forscher Gerome Wolf wies darauf hin. "Der Effekt wird aber nur von kurzer Dauer sein, sodass die Dienstleistungsexporte aufgrund der nach dem Ende der Euro 2024 heimkehrenden Touristen im dritten Quartal wieder sinken und per Saldo gleich bleiben dürften."

Marktreaktionen

Die deutschen Vermögenswerte reagierten kaum auf die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimas.

Die Renditen von Bundesanleihen hielten sich am Montagmorgen in einem relativ engen Handel bei 2,40%.

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Der DAX-Index kletterte bis 10:30 Uhr MEZ um 0,7% und erholte sich damit von einem Rückgang von 0,5% am Freitag, angeführt von Gewinnen im Automobilsektor. Porsche AG, BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz AG stiegen um 3,2%, 3%, 2,2% bzw. 1,8%.

Zu den weiteren Top-Performern gehörten Puma und Fresenius Medical Care, die um 2,1% bzw. 2,4% zulegten.

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