Die USA schwächen den Schutz vor gesundheitsgefährdenden Emissionen: Welche Folgen drohen der Bevölkerung langfristig für ihre Gesundheit?
Die Regierung Trump hat am Donnerstag, dem zwölften Februar, einen wissenschaftlichen Befund aufgehoben, wonach der Klimawandel eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt – eine Einschätzung, die Präsident Donald Trump als „Schwindel“ bezeichnet. Zahlreiche Studien zeigen jedoch, dass diese Schäden real, gut dokumentiert und messbar sind.
Immer wieder kommen Forschende zum Ergebnis, dass in einer sich erwärmenden Welt mehr Krankheiten auftreten und mehr Menschen sterben – jedes Jahr Tausende.
Die Feststellung der US-Umweltbehörde EPA aus dem Jahr 2009 unter Präsident Barack Obama bildet die rechtliche Grundlage für fast alle Vorschriften der USA gegen die Erderwärmung.
„Es ist unfassbar, dass die Regierung diese Gefährdungsfeststellung zurücknimmt – das ist, als würde man behaupten, die Erde sei eine Scheibe oder die Schwerkraft gebe es nicht“, sagt Dr. Howard Frumkin, Arzt und emeritierter Professor für öffentliche Gesundheit an der Universität von Washington.
In den vergangenen fünf Jahren haben Tausende Studien die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit untersucht. Sie zeigen überwiegend, dass der Klimawandel für Menschen zunehmend gefährlich ist.
Hitzebedingte Todesfälle haben sich in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren mehr als verdoppelt
Viele Arbeiten kommen zu dem Schluss, dass in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Menschen infolge des Klimawandels gestorben sind und noch weit mehr erkrankt sind.
Ein Beispiel: Eine Studie zu den „Trends hitzebedingter Todesfälle in den USA 1999–2023“ im renommierten Fachjournal JAMA zeigt, dass sich Zahl und Rate der jährlichen hitzebedingten Todesfälle im vergangenen Vierteljahrhundert mehr als verdoppelt haben – von 1.069 im Jahr 1999 auf den Rekordwert von 2.325 im Jahr 2023.
Eine Studie aus dem Jahr 2021 im Fachjournal Nature Climate Change hat 732 Orte in 43 Ländern untersucht, darunter 210 in den USA. Das Ergebnis: Mehr als ein Drittel der Hitzetoten geht auf menschengemachten Klimawandel zurück. Das entspricht weltweit mehr als 9.700 Todesfällen pro Jahr, die auf die Erwärmung durch das Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas zurückgehen.
Eine neue Studie, die in dieser Woche erschienen ist, kommt zu dem Schluss, dass in Texas zwischen 2010 und 2023 rund 2,2 Prozent aller Todesfälle im Sommer auf Hitze zurückgehen, „weil der Klimawandel Texas häufiger und intensiverer Hitze aussetzt“.
Forschung zu Gesundheitsschäden durch den Klimawandel boomt
Seit mehr als fünfzehn Jahren, seit die US-Regierung den Klimawandel erstmals offiziell als Gesundheitsgefahr eingestuft hat, sind nach Angaben der National Library of Medicine mehr als 29.000 Fachartikel erschienen, die das Zusammenspiel von Klima und Gesundheit untersuchen, über 5.000 davon mit Blick auf die USA. Erfasst sind sie in der PubMed-Datenbank.
Mehr als 60 Prozent dieser Arbeiten sind in den vergangenen fünf Jahren erschienen.
„Studie um Studie belegt, dass der Klimawandel die Gesundheit gefährdet – aus einem einfachen Grund: Es stimmt“, sagt Frumkin, früherer Direktor des National Center for Environmental Health, den einst Präsident George W. Bush berufen hatte.
Bei einem Auftritt im Weißen Haus am Donnerstag widersprach Trump: „Das hat nichts mit öffentlicher Gesundheit zu tun. Das ist alles ein Schwindel, ein riesiger Schwindel.“
Fachleute sehen das völlig anders.
„Die Gesundheitsrisiken nehmen zu, weil der menschengemachte Klimawandel längst Realität ist. Denken Sie an die Hitzeglocke von 2021 im Nordwesten der USA, die [mehr als] 600 Menschen das Leben kostete“, sagt Dr. Jonathan Patz, Arzt und Leiter des Center for Health, Energy and Environmental Research an der University of Wisconsin-Madison. „Neue Attributionsstudien zeigen, dass ein solches Ereignis durch den Klimawandel 150-mal wahrscheinlicher geworden ist.“
Patz und Frumkin betonen, dass die „weit überwiegende Mehrheit“ der begutachteten Studien gesundheitliche Schäden durch den Klimawandel nachweist. Solche Peer-Review-Studien gelten als Goldstandard der Wissenschaft, weil andere Fachleute Daten, Methoden und Schlussfolgerungen genau prüfen, Änderungen verlangen und Ergebnisse in Frage stellen.
Studien untersuchen weit mehr als nur Hitze und Todesfälle
Die verschiedenen Arbeiten beleuchten unterschiedliche Aspekte der Gesundheit. Einige analysieren Todesfälle, die ohne den Klimawandel nicht eingetreten wären. Andere betrachten Erkrankungen und Verletzungen, die nicht tödlich endeten. Da die Forschenden unterschiedliche Zeiträume, Rechenmethoden und Gesundheitsindikatoren nutzen, weichen die absoluten Zahlen voneinander ab.
Studien untersuchen auch Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsgruppen und Regionen. Ein wachsendes Feld sind Attributionsstudien: Sie berechnen, welcher Anteil von Todesfällen oder Krankheiten auf menschengemachten Klimawandel entfällt, indem reale Sterbe- und Krankheitszahlen mit Computersimulationen einer Welt ohne stark erhöhte Treibhausgaskonzentrationen verglichen werden.
Im vergangenen Jahr hat ein internationales Forschungsteam frühere Arbeiten ausgewertet, um die jährlichen Gesundheitskosten des Klimawandels abzuschätzen.
Viele Studien konzentrieren sich nur auf Hitzetote. Das Team bezog dagegen verschiedene Arten klimabedingter Todesfälle ein – Hitzewellen, extreme Wetterkatastrophen wie Hurrikan „Harvey“ 2017, Waldbrände, Luftverschmutzung und von Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria – und kommt auf weltweit mehrere Hunderttausend klimabedingte Todesfälle pro Jahr.
Die Forschenden nutzten anschließend eine Kennziffer der EPA, die dem Wert eines Menschenlebens einen Geldbetrag zuweist – 11,5 Millionen Dollar (2014, rund 9,7 Mio. Euro) – und berechneten daraus jährliche weltweite Kosten „in der Größenordnung von mindestens 10 Milliarden Dollar“ (etwa 8,4 Mrd. Euro).
Weitere Studien bringen den Klimawandel in Verbindung mit durch Wasser übertragene Infektionen, die Durchfall auslösen, mit psychischen Erkrankungen und sogar mit Ernährungsproblemen, erklärt Frumkin.
„Öffentliche Gesundheit bedeutet nicht nur, Krankheiten, Tod und Behinderung zu verhindern, sondern auch das Wohlergehen zu sichern. Wir sehen zunehmend, dass Menschen durch steigende Meere, heftigere Stürme und Brände ihre Heimat verlieren“, sagt Dr. Lynn Goldman, Ärztin und emeritierte Dekanin der School of Public Health der George Washington University.
„Wir fangen erst an zu verstehen, welche Folgen der Klimawandel für die Gesundheit insgesamt hat.“
Auch Kälte tötet – diese Fälle nehmen aber ab
Die Lage wird komplexer, wenn kältebedingte Todesfälle einbezogen werden. Diese Zahlen gehen zwar zurück, doch in den USA sterben laut Studien noch immer 13-mal mehr Menschen an Kälte als an Hitze.
Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl temperaturbedingter Todesfälle insgesamt zunächst kaum verändert, solange sich die Erde von heute an um nicht mehr als 1,5 Grad Celsius weiter erwärmt – sinkende Kältetote gleichen steigende Hitzetote ungefähr aus.
Sobald die Temperaturen diese Schwelle jedoch überschreiten und die Gesellschaft sich nicht ausreichend an die zusätzliche Hitze anpasst, „steigt die Gesamtsterblichkeit rasch an“.