Zwei bestätigte Nipah-Fälle in Indien haben internationale Alarmbereitschaft ausgelöst. Behörden warnen und beobachten die Lage genau.
Indien hat in Westbengalen zwei Nipah-Fälle bestätigt. Der ostindische Bundesstaat grenzt an Bangladesch, Bhutan und Nepal.
Die beiden Infizierten arbeiten im Gesundheitswesen und stammen aus der Region. Sie werden auf der Intensivstation behandelt.
Die indische Regierung teilte zudem mit, dass 196 Kontaktpersonen der bestätigten Fälle allesamt symptomfrei sind und negativ auf das Virus getestet wurden.
Das Gesundheitsministerium betont, den vorliegenden Daten zufolge bestehe für die Bevölkerung kein Anlass zur Sorge um die eigene Sicherheit oder die von Angehörigen.
Dennoch überwachen die Behörden jeden Ausbruch engmaschig, wegen der möglichen hohen Sterblichkeit von bis zu 75 Prozent und weil es weder gezielte Therapien noch einen Impfstoff gibt.
Was ist das Nipah-Virus?
Das Nipah-Virus wird von Tieren, über verunreinigte Lebensmittel oder durch Kontakt mit infizierten Personen übertragen.
Es zirkuliert vor allem bei Fledermäusen in Küstenregionen und auf mehreren Inseln des Indischen Ozeans, in Indien, Südostasien und Ozeanien.
Es birgt beträchtliches Epidemie- und sogar Pandemiepotenzial, da es sich auch über Nutztiere verbreiten kann und sekundäre Ansteckungen von Mensch zu Mensch möglich sind.
Bei Infizierten reicht das Spektrum von symptomlos über akute Atemwegserkrankungen bis hin zu tödlicher Enzephalitis.
Die Sterblichkeit liegt je nach Virusvariante zwischen 40 und 75 Prozent.
Nachbarländer reagieren vorsichtig
Mehrere Nachbarländer Indiens führen Kontrollen für Reisende aus der betroffenen Region ein und veröffentlichen offizielle Warnhinweise.
Thailand hat an Flughäfen Kontrollen für Ankommende aus Westbengalen eingeführt. Außerhalb Indiens wurden bislang keine Fälle gemeldet.
Das Land empfiehlt außerdem eine besondere Überwachung für Besucher in fledermausassoziierten Gebieten.
Auch Nepal reagiert mit neuen Maßnahmen: Das Land verstärkt die Kontrollen an der Grenze zu Indien und an seinen Flughäfen.
Nipah-Ausbrüche 2025
In Hochrisikogebieten sind Nipah-Ausbrüche keine Seltenheit.
Seit 1998 wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ausbrüche in Bangladesch, Indien, Malaysia, den Philippinen und Singapur gemeldet.
Im Juli 2025 bestätigte Indien vier Fälle, darunter zwei Todesfälle in zwei Distrikten des Bundesstaates Kerala im Südwesten des Landes, eine Region mit regelmäßigen Ausbrüchen seit 2018.
Auch Bangladesch meldete zwischen Januar und August 2025 vier Fälle. Die Krankheit ist dort endemisch, und seit dem ersten anerkannten Ausbruch im Jahr 2001 werden fast jedes Jahr menschliche Infektionen festgestellt.
In beiden Fällen stufte die WHO das Risiko einer internationalen Ausbreitung als gering ein.
Die internationale Behörde betont jedoch, dass über Risikofaktoren besser aufgeklärt werden muss, denn gegen die Nipah-Erkrankung stehen derzeit weder spezifische Medikamente noch Impfstoffe zur Verfügung.