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Welche Konsequenzen aus dem Wilke-Wurst-Skandal mit 3 Toten?

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Zum Fleischskandal um die Firma Wilke mit mindestens drei Toten legt die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) an diesem Montag in Wiesbaden ihren Abschlussbericht vor.

Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts vom Oktober waren Patienten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt "direkt oder indirekt an der Listeriose" verstorben. Zunächst war von zwei Toten in Hessen den Rede gewesen.

Der nordhessische Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte schließlich die Schließung der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Twistetal-Berndorf angeordnet.

"Katastrophales Krisenmanagement"

Die Organisation Foodwatch hatte dem zuständigen Landkreis und dem Regierungspräsidium katastrophales Krisenmanagement vorgeworfen. Zunächst war nicht klar gewesen, welche Betriebe von der Wurstfirma Wilke beliefert worden waren.

Entgegen der Annahme der Behörden verkaufte Wilke unter fremdem Namen. Der Hersteller war schon länger im Fokus, bereits im März soll es einen bestätigten Listerienfund gegeben haben. Das Unternehmen hatte nach dem Skandal im Herbst die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt.

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen erkranken aber an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Menschen.

So servierte auch Tage nach ersten Informationen zu dem Fleischskandal die Kölner Uniklinik eventuell kontaminierte Produkte. Einige Reha-Patienten hätten trotz des Rückrufs noch Wilke-Wurstwaren bekommen, hatte die Klinik mitgeteilt.

Etwa gleichzeitig mit dem Wilke-Skandal gab es beim niederländischen Wurstwarenbetrieb Offerman einen Listerien-Skandal. Dabei ging es um alle in der Fabrik im niederländischen Aalsmeer seit September verschnittenen und verpackten Wurstwaren. Nach Angaben des niederländischen Gesundheitsministeriums wurden dort insgesamt 300 000 Kilogramm Fleisch zurückgerufen.

Auch Spanien wurde im vergangenen Sommer von einem größeren Listeriose-Ausbruch mit vier Toten und mehr als 200 Infizierten erschüttert. Sieben Schwangere sollen deswegen ihre ungeborenen Babys verloren haben.

Zu wenig Kontrollen in Europa?

Europäische Verbraucherschützer kritisieren die sinkende Zahl von Lebensmittelkontrollen in mehreren EU-Ländern. Ein Grund dafür sei fehlendes Geld für regelmäßige Kontrollen, meint die EU-Verbraucherverbandes Beuc. Die finanziellen Mittel gingen seit Jahren zurück. *Sogar Produkte, die leicht zu Lebensmittelvergiftungen führen wie Fleisch, Eier und Milchprodukte, werden immer seltener kontrolliert3, kritisierte Beuc-Generaldirektorin Monique Goyens. Der Bericht untersucht die Lage in zwölf vornehmlich westeuropäischen Ländern.

In Deutschland gab es 2017 dem Bericht zufolge rund 225 000 Kontrollen weniger als noch zehn Jahre zuvor. Das entspricht einem Einbruch um mehr als 20 Prozent, obwohl die Zahl der Unternehmen in etwa konstant blieb. Deutschen Lebensmittelkontrolleuren in die Kritik. Ihnen wurde vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft zu spät über Mängel informiert zu haben.

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