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Kinder und Covid-19: Eher seelische als körperliche Auswirkungen?

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Dass Kinder seltener vom Coronavirus betroffen sind, gilt als gesicherte Erkenntnis. Doch wie sehr seelische Auswirkungen der Pandemie ins Gewicht fallen, ist weniger bekannt. Eine bayerische Studie will Licht ins Dunkeln bringen und auch Daten darüber liefern, welche Rolle Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bei der Ausbreitung des Erregers spielen.

„Unser Ziel ist dann auch eben, regional reagieren zu können, aber auch dafür müssen wir wissen, wie Schule und Kita ein Infektionsbereich sind, wie schnell das übertragen wird, was hat das für Auswirkungen auch für die Kinder, aber eben auch für die Eltern und dann die Lehrerinnen und Lehrer oder Erzieherinnen und Erzieher“, so der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. „Es wird also der Verlauf einer Infektion untersucht, es werden die Auswirkungen untersucht, es wird die Übertragbarkeit untersucht, und die Geschwindigkeit möglicherweise, in der sich das ergibt“, sagte er.

Wir gehen keine Experimente ein, sondern wir sagen: Wer öffnet, muss testen.
Markus Söder
Ministerpräsident Bayerns

Söder betonte weiterhin: „Wir gehen keine Experimente ein, sondern wir sagen: Wer öffnet, muss testen. Und wer öffnet, der muss auch Gefahren kennen und danach besser handeln können.“

Auch gesundheitliche Auswirkungen bei nicht erkrankten Kindern

Selbst bei nicht erkrankten Kindern müsse von Auswirkungen ausgegangen werden, so Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik München. „Zum einen berauben sie ihres natürlichen Umfeldes, zum Teil schränken wir ihre Kinder- und Bürgerrechte ein. Ich denke, dafür gab und gibt es gute Gründe. Die muss man aber immer gut rechtfertigen und immer wieder neu evaluieren. Und zum anderen spüren Kinder sehr sensibel, wenn die Welt der Erwachsenen, die sie ja umgibt, durch Stress oder durch diese Bedrohungslage tangiert ist“, erläuterte Klein.

Eine Studie der Universitätskliniken Heidelberg, Ulm, Freiburg und Tübingen kam nach der Untersuchung von 2.500 Kindern im Alter zwischen einem und zehn Jahren zu dem vorläufigen Ergebnis, dass sich Kinder seltener mit SARS-CoV-2 infizieren als die Eltern. Im Unterschied zur Studie in Bayern fand diese Erhebung aber außerhalb von Betreuungseinrichtungen statt. Zudem erbrachte sie keine Erkenntnis über die Übertragungshäufigkeit durch Kinder.

„Gesundheitszustand physisch, aber auch psychisch erfassen"

Die Studie in Bayern, an der alle Universitätskrankenhäuser des Freistaates beteiligt sind, soll bis Januar abgeschlossen sein, die Verantwortlichen rechnen mit rund 12 000 Testungen und 14 000 ausgefüllten Fragebögen. Man sei darum bemüht, mit der Erhebung „den Gesundheitszustand physisch, aber auch psychisch der Kinder und der Eltern und der Betreuungspersonen zu erfassen“, betonte Klein.

In Deutschland hatte es eine Debatte um die Studie von Christian Drosten von der Charité in Berlin gegeben, die belegen soll, dass Kinder genauso ansteckend sind wie Erwachsene. Das hatten Vertreter des Bundesamtes für Gesundheit der Schweiz seit Monaten bezweifelt.

In mehreren europäischen Studien werden derzeit die schweren Fälle von dem „Kawasaki"-Syndrom ähnlichen Erkrankungen von Kindern untersucht.

In Norwegen war Streit darüber entbrannt, ob Schulschließungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Erregers sinn- und wirkungsvoll sind.